Veranstaltungsberichte

Der Weg aus der Krise: Rückbesinnung auf eine wohlverstandene Ordnungspolitik

von Thomas Ehlen
Eine Bilanz des Wiesbadener Tischgesprächs 24. Februar 2010
„Aus der aktuellen Krise müssen wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Marktwirtschaften sind darauf angewiesen, Fehlentwicklungen zu erkennen und in der Zukunft neue Wege zu beschreiten. Doch die Frage stellt sich, ob die aktuelle Krise ausreicht, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen.“ Dr. Joachim Zweynert, Geschäftsführer des Wilhelm-Röpke-Instituts, erinnerte an die Warnungen vor ungeregeltem Wettbewerb auf den globalen Finanzmärkten, die der heutige Bundespräsident Horst Köhler bereits während seiner Amtszeit als Direktor des Internationalen Währungsfonds’ ausgesprochen hatte.

Dr. Joachim Zweynert (Foto: Christine Leuchtenmüller)

Der habilitierte Ökonom, der in Hamburg und Erfurt arbeitet, zitierte Wilhelm Röpkes Aussage über das Prinzip der Haftung als Kern der Marktwirtschaft. Nicht „die Gier der Banker“, sondern die „Aushebelung der Haftung“ benannte Zweynert als zentrale Ursache der aktuellen Krise: „Wir dürfen die Märkte nicht sich selbst überlassen. Die Politik soll klare Spielregeln setzen.“ Nach dem offensichtlichen Scheitern anderer Konzeptionen steige das weltweite Interesse an der „ordoliberalen Alternative Soziale Marktwirtschaft“. Der „Freiburger Imperativ“ verlange nach einem starken Staat, der einen Ordnungsrahmen setze, sich aber weiterer Eingriffe in das Marktgeschehen enthalte.


„Man kann Marktwirtschaft nicht als produktivstes aller Systeme anbieten, ohne Krisen auszuschließen. Denn die Alternative – die sozialistische Planwirtschaft – führt in die ganz große Krise.“ Vor 50 Teilnehmern warnte Zweynert vor mancher Tendenz, liberale Konzepte in Bausch und Bogen zu verdammen: „Die Gefahr besteht, dass wir in ein neues Zeitalter des Big Government eintreten.“ Der Privatdozent wies darauf hin, dass es ein konstituierendes Merkmal sozialistischen Wirtschaftens sei, wenn Unternehmen durch den Staat am Leben erhalten würden. Dass dies nun ausgerechnet mit den Banken geschehen sei, stelle ein schweres Ordnungsproblem dar. Denn wenn die Allgemeinheit für unternehmerische Fehlentscheidungen hafte, so hätten die Akteure keinen Anreiz, Risiken zu meiden.

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