Veranstaltungsberichte

Die arabische BevölkerungIsraels im Lichte des Arabischen Frühlings

von Palina Kedem

Buchpräsentation: “Left to its Fate: Arab society in Israel under the shadow of the Arab Spring events”

Am 24. Juni 2019 präsentierten die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Konrad-Adenauer-Programm für Jüdisch-Arabische Zusammenarbeit die Publikation: „Left to its Fate: Arab society in Israel under the shadow of the Arab Spring“, geschrieben von Yusri Khaizran und Muhammad Khlaile in der Universität Tel Aviv. Das Buch wurde Anfang des Jahres vom Konrad-Adenauer-Programm veröffentlicht. Auf der Konferenz versammelten sich Wissenschaftler, Politiker und Journalisten, um diese wichtige Publikation zu feiern und das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Am 24. Juni 2019 präsentierten die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Konrad-Adenauer-Programm für Jüdisch-Arabische Zusammenarbeit die Publikation: „Left to its Fate: Arab society in Israel under the shadow of the Arab Spring“, geschrieben von Yusri Khaizran und Muhammad Khlaile in der Universität Tel Aviv. Das Buch wurde Anfang des Jahres vom Konrad-Adenauer-Programm veröffentlicht. Auf der Konferenz versammelten sich Wissenschaftler, Politiker und Journalisten, um diese wichtige Publikation zu feiern und das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Dr. Alexander Brakel, Leiter der KAS Israel, eröffnete die Konferenz und hieß die Teilnehmenden und das Publikum willkommen. Er wies auf die politische Vernetzung der heutigen Zeit hin, die zu politischen Entwicklungen überall auf der Welt führte und das Potenzial mit sich bringt, politische Entscheidungen und Agenden in anderen Teilen der Welt zu beeinflussen. Um seine Argumentation zu veranschaulichen, führte er den Arabischen Frühling an, der sich direkt auf die europäischen Länder ausgewirkt habe.

Prof. Uzi Rabi, Leiter des Moshe Dayan Center for Middle Eastern and African Studies, sagte, die Konferenz sei ein weiteres wichtiges Projekt des Konrad-Adenauer-Programms, um die gravierenden Entwicklungen zu beleuchten, die das Leben vieler Menschen im Nahen Osten beeinflussten. Er fügte hinzu, dass der „Arabische Frühling“ infolge des Erstarkens des Islamischen Staates schnell als „Islamischer Winter“ umdefiniert wurde. Hinsichtlich der auf den Nahen Osten angewandten Untersuchungsmethoden sagte er, dass man in der Vergangenheit zwar Forschung nach dem „top-down“-Paradigma verfolgen konnte, heute jedoch das „bottom-up“-Modell verwenden solle, um interne und verborgene soziale und religiöse Trends in der arabischen Welt besser aufdecken zu können. Dadurch könne man ein besseres Verständnis für aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Nahen Osten entwickeln. Prof. Rabi schloss seine Ausführungen mit der Einschätzung, dass dies auch für die arabische Bevölkerung Israels gelte.

MK Dr. Yousef Jabareen von der Demokratischen Front für Frieden und Gleichberechtigung (Chadash) betonte, dass die arabische Minderheit Israels große Hoffnungen in den Arabischen Frühling als vom Volk ausgehende und gewaltlose Bewegung gesetzt habe. Die Gründung der Vereinigten Liste arabischer Parteien im Jahre 2015 habe dafür gesprochen, dass die arabische Öffentlichkeit ihre Lektion aus jenen Revolutionen in der arabischen Welt gezogen habe und nun ihre eigenen Ideen erneuern müsse. Jedoch wich der Optimismus schnell infolge des syrischen Bürgerkriegs. Dr. Jabareen behauptete, Israel nutze die Krise und das Chaos in der arabischen Welt aus, um ernsthafte Verhandlungen mit der Palästinensischen Autonomiebehörde zu umgehen. Ein weiterer negativer Nebeneffekt der syrischen Krise auf die arabische Öffentlichkeit liege darin, dass sich Spannungen zwischen religiösen Gruppen– Muslime, Christen und Drusen – verstärkt haben. Jedoch, sagte er, sollten Ideen und Werte, die in Folge des „Arabischen Frühlings“ 2011 hervorgebracht worden seien, nicht vernachlässigt werden.

Eran Singer, Journalist und Medienfigur, wies darauf hin, dass Israel ein bi-kultureller und bi-nationaler Staat sei, trotz seiner Definition als „jüdisch und demokratisch“. Man müsse verstehen, dass das kulturelle Umfeld im arabischen Sektor nicht nur von sozialen und politischen Entwicklungen innerhalb Israels beeinflusst wurde, sondern auch von jenen des Arabischen Frühlings. Diese Ereignisse intensivierten die Identitätskrise der arabischen Bevölkerung Israels – in ziviler, nationaler und religiöser Hinsicht. Letzten Endes habe die Krise in der arabischen Welt die arabische Gemeinschaft dazu veranlasst, ihren Lebensstandard als israelische Staatsbürger trotz aller Mängel schätzen zu lernen.

Dr. Taghreed Yahia-Younis von der Universität Tel Aviv bezog sich auf die wissenschaftlichen und methodologischen Aspekte des Buches. Zum Ende der Veranstaltung hin sagte einer der Autoren, Dr. Yusri Khaizran, die wichtigste Schlussfolgerung des Buches sei, dass die tiefe Enttäuschung mit der arabischen Welt Tendenzen des Pragmatismus und der Rationalisierung innerhalb der arabischen Minderheit gegenüber dem Staat Israel beschleunigt habe. Arabische Bürger Israels erkannten, dass der arabische Raum keinen gedanklichen und moralischen Ankerpunkt mehr für sie darstelle. Deshalb bemühten sie sich, den Diskurs über die Staatsbürgerschaft aus Frustration über den Arabischen Frühling zu intensivieren.

Die Konferenz wurde von etwa 80 Personen aus der Wissenschaft, von israelischen NGOs und der Öffentlichkeit besucht.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.