KAS/Juliane Liebers

Veranstaltungsberichte

Die digitale Realität und ihr Leitmedienwechsel

von Juliane Liebers

„Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen“

1969 – 2019 – 2069: Schule im Wandel

„Die Digitalisierung verändert zunehmend den Bildungsbereich.“ Das hat für die künftige Rolle der Schüler- und Lehrerschaft große Konsequenzen, moderierte Martin Spiewak von der Wochenzeitung „Die Zeit“ bei der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Bildung und Gesellschaft anlässlich des 50. Geburtstags des Deutschen Lehrerverbands in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Unter den Gästen auf dem Podium, Daniel Jung, Bildungskanal-Youtuber: Er ist davon überzeugt, dass der Lehrerberuf in 10 Jahren wichtiger denn je sein wird. Lehrer sind nicht ersetzbar, auch nicht durch Künstliche Intelligenz. Jung mutmaßt, dass der Beruf des Lehrers 2030 einer der bestbezahlten sein werde. Er war einer der ersten Youtuber, die Themen – in seinem Fall Mathematik – frontal an einer Tafel vor der Kamera erklärt haben. Eine neue Welt des Lernens: Angefangen hat er vor fünf Jahren mit wenigen Zuschauern, heute hat er tausende Abonnenten, und es werden täglich mehr.

 

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„Wir befinden uns in einem kulturellen Wandel und einer digitalen Realität, die auch ein Leitmedienwechsel mit sich bringt“, so Adriane Langela-Bickenbach. Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen, mahnte die Preisträgerin „Deutscher Lehrerpreis 2018“. Der Schüler bestimme als User den Inhalt mit: Der Sender werde durch die neuen digitalen Möglichkeiten nun auch zum Empfänger. „Wir können jetzt alle voneinander partizipieren und selbst mitgestalten.“ Dazu müsse jedoch dringend ein Umdenken stattfinden. Die Lehrkräfte bräuchten neue Ziele und Strategien und müssen das neue mediale Handwerk verstehen lernen.

„Jedoch, dürfen wir bei allen digitalen und technischen Neuerungen die eigentlichen analogen Grundkompetenzen nicht vergessen“, betonte der Bundesvorsitzende des Verbands Deutscher Realschullehrer VDR, Jürgen Böhm. Denken, Rechnen, Lesen und Schreiben müssten wir alle noch können, bevor wir uns in die digitale Welt stürzen. „Dann können wir auch dazu befähigt werden, diese neuen Medien und unsere interaktiven Kompetenzen richtig zu nutzen.“ Dazu benötige man vor allem Zeit, Raum und Geld für Fortbildungen. Lehrerinnen und Lehrer brauchen endlich Sicherheit im Umgang mit den Medien. „Die Schule muss ein Ort der analogen Bildung werden, der erkennt, was das digitale Medium mit uns macht.“

Joachim Maiß, Schulleiter der „Multi-Media Berufsbildende Schulen Hannover“ und Vorsitzender des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung BvLB berichtet, dass er an seiner Schule die technischen Voraussetzungen hat, den Unterricht anders zu gestalten. Nur hapere es noch an der Umsetzung, dem richtigen Arbeiten mit den Medien und der sinnvollen Einbindung in den Schulalltag. Die Investition in neue Hardware sei auch weiterhin wichtig. Sie bliebe jedoch ohne Wirkung, wenn nicht in Lehrerfortbildungen investiert würde. „Wir kommen nicht daran vorbei, uns damit auseinanderzusetzen“, so Maiß.

Max Maendler, Gründer und Geschäftsführer von Lehrermarktplatz.de stellt klar: Sicher können Lehrer zur Nutzung der Medien befähigt werden, und die Schüler beherrschen sie sowieso. Viel wichtiger sei es, Lehrer, die in den meisten Fällen noch Einzelkämpfer sind, zu unterstützen. Sie müssen tagtäglich darüber nachdenken, wie sie vor allem in digitalen Zeiten den Unterricht gestalten und gut verkaufen. Und dabei brauchen sie Hilfeleistung. Denn die eigentliche Digitalisierung findet nicht in den 45 Minuten Unterricht statt. Jedoch aber  in der Unterrichtsvor- und -nachbereitung, in der Korrekturunterstützung, bei der Messung von Lernfortschritten und der Kommunikation mit den Eltern und anderen Lehrkräften könne sie höchstsinnvoll eingesetzt werden.

Über diese Reihe

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