Polina Zavadska

Veranstaltungsberichte

Die Stille Revolution

von Nathalie Burkowski

Der Kinofilm zum Kulturwandel in der Arbeitswelt

„Mein ganzes Leben war eine Maske“ – Geschäftsführer Bodo Janssen spricht in dem Film „Die Stille Revolution“, in welchem er selbst zentrale Figur ist, über die Notwendigkeit der Selbsterkenntnis, um eine gute Führungsperson zu sein.
Die Unternehmenskultur ist im Wandel. Arbeitsumfelder, wie man sie etwa aus dem Googleplex im Silicon Valley kennt, gelten als Vorbild für einen modernen Ansatz an die heutige Arbeitswelt. Doch Bilder von jungen Chefs in Holzfällerhemden und Vollbärten stehen noch meist im harten Kontrast zu der Realität, wie sie wohl die meisten Menschen aus ihrem Alltag kennen.

Das aus Preußen stammende, ans Militär angelehnte, Modell unserer Arbeitskultur ist für viele eine Selbstverständlichkeit, die nicht mehr hinterfragt werde.
Arbeitsleben und Privatleben werden stark getrennt. Der Sinn von dem, wie man 8 ½ Stunden am Tag verbringt, läge  für viele darin Geld zu verdienen, um dann zu versuchen sein Glück in Freizeitsaktivitäten zu finden. Man arbeite für das Wochenende, für die Rente und hofft, auf dem Weg dorthin nicht an Burnouts zu leiden.

Die Dokumentation „Die Stille Revolution“, produziert von Kristof Gründling, spricht über genau diesen Kulturwandel in der Arbeitswelt. Zentrale 90minütigen Film spielt Geschäftsleiter der friesischen Hotelkette Upstalsboom Bodo Janssen.
Renate Abt, Landesbeauftragte  für  Berlin und  Leiterin  des Politischen  Bildungsforums Berlin,  begrüßte die über 100 Gäste im Forum der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, wo der Film abgespielt wurde. Anschließend folgte eine Fragerunde mit Marie Koch, Upstalsboomerin mit Leidenschaft für Kultur und Entwicklung.
Marie Koch berichtet  davon, wie Vorgesetzte sie früher häufig telefonisch mit einem „ZM“ begrüßten, kurz für „Zu Mir“.
Derlei Umgang lägen nun in der Vergangenheit der Unternehmenskultur Upstalsbooms - heute nennt sie ihren Chef „Bodo“ nur noch beim Vornamen.
Ausschlaggebend für die Veränderungen Upstalsbooms war eine im Jahr 2010 durchgeführte Unternehmensumfrage, bei der neben mehreren Multiple-Choice-Fragen, auch die Frage aufkam, was das Unternehmen tun könnte, um den Angestellten die Arbeit zu erleichtern.
„Wir brauchen einen anderen Chef als Bodo Janssen“ lautete die Antwort, die Bodo Janssen am meisten traf, die jedoch für den folgenden Wandel gleichermaßen notwendig war.
Bodo Janssen übernahm die Geschäftsleitung, nachdem sein, unter Angestellten geliebter, Vater und Gründer Upstalsbooms, verstarb. Ohne Erfahrung und nur mit abgebrochenem Studium fehlte ihm der richtige Ansatz für diese Verantwortung: Menschen waren für ihn hintergründig,  das „Diktat der Zahl“, wie es Pater Grün nennt, kontrollierte seine Entscheidungen und den unempathischen  Umgang mit Angestellten.
Ein Klosteraufenthalt, sowie der direkte Dialog mit Mitarbeitern, änderte nicht nur Bodo Janssen selbst, sondern auch sein Unternehmen.
Es folgte eine gemeinsame Überarbeitung der Unternehmensphilosphie, eine Auseinandersetzung des Miteinanders, Reflexionen, was man braucht, um die Arbeit nicht nur als Mittel zum Überleben zu sehen.
Verschiedene Experten berichten innerhalb des Dokumentarfilms davon, wie sich immer mehr – vor allem junge – Leute wünschen, dass ihre Arbeit nicht nur ihnen Sinn gebe, sondern auch selbst sinnvoll sei.
Neue Projekte der Hotelkette, wie etwa der Aufbau einer Schule in Ruanda oder der Aufstieg auf den Kilimandscharo mit Azubis, lägen den Mitarbeitern am Herzen und sorgten für eine prägende Corporate Identity.
Mit vielen Metaphern und Interview-Ausschnitten mit Beratern, Gründern, Unternehmern und Mitarbeitern erzählt der Film von Wegen zur Selbsterkenntnis und ihrer Notwendigkeit, um nicht nur im Privatleben Glück zu finden.
„Ein Netzwerk kennt keine Hierarchie“ heißt es im Film.
Es wird ermuntert mutig zu sein, denn auch wenn Innovation immer in Machtverhältnisse eingreife, sei sie doch wichtig für eine zeitgemäße Arbeitskultur, die letztendlich auch mehr Profit bringe.
Ein gutes Arbeitsumfeld sei eines, welches einem Biotop gleicht, in welcher jeder das tut, was ihm Freude macht, was er gut kann und von dem er überzeugt ist.
 
Ansprechpartner

Renate Abt

Renate Abt bild

Landesbeauftragte für Berlin und Leiterin des Politischen Bildungsforums Berlin

Renate.Abt@kas.de +49 30 26996-3253 +49 30 26996-3243

Bereitgestellt von

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