Veranstaltungsberichte

Digitaler Wandel und Bürgernähe

von David Brähler
Beratung der Partido Nacional in Uruguay zu digitaler politischer Kommunikation
Wandel und Innovation kosten Zeit. Die digitale Revolution der mehr als 180 Jahre alten Partido Nacional in Uruguay verlief im Vergleich zur Parteigeschichte relativ schnell. Aus einer Idee auf einem Campus Konrad Adenauer der Kommunikationschefs der KAS-Partnerparteien in Lateinamerika mit dem Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter der CDU, Dr. Klaus Schüler, im April 2017 und einem Besuch beim Wahlkampfteam des Regierungsbündnisses Cambiemos in Argentinien im Sommer entstand in Uruguay ein motiviertes Team junger Informatiker und Kommunikatoren.

Anfang November präsentierte das junge Digitalteam seine Fortschritte. Unter dem prüfenden Blick von Facundo Corsi, verantwortlich für die digitale Kommunikation von Cambiemos, und Alejandro Vivas, dem Kommunikationsdirektor der venezolanischen Partei Primero Justicia, stellte das Team der Partido Nacional seine digitalen Innovationen vor. „Die digitale Kommunikation war ein Muss für uns in Venezuela, nachdem alle anderen Medien vom Regime des Chavismus kontrolliert oder zugemacht worden waren. Unsere Dateninfrastruktur haben wir dann nach unseren Erfordernissen aufgestellt, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen“, kommentierte Vivas aus Venezuela. Die Techniker besprachen im Austausch mit den beiden Experten den Sinn und Aufbau von Customer-Relationship-Management-Systemen, die dem Aufbau einer Datenbank dienen.

Am Beispiel eines Kulturpreises entwickelte die Gruppe eine Strategie zum Gewinnen von Likes des dazu neu geschaffenen Facebookkanals und zum anschließenden Erzeugen von Interaktionen mit den Followern. „Alles, wo ein Follower sich beteiligen und mitmachen kann, kommt gut an. Zum Beispiel könnt ihr die Follower abstimmen lassen, wer einen Preis erhalten soll“, erklärte Corsi.

Am Tag danach brummte die Parteizentrale der „Blancos“ bereit früh vor Anspannung, als knapp 70 Kommunikationsverantwortliche von Gemeinden, Departments und Abgeordneten dem Workshop von Corsi und Vivas entgegenblickten Was zuvor einige wenige in verschiedenen Campus-Adenauer und Parteiberatungen gelernt hatten, sollte nun weiten Teilen der Partei zugänglich gemacht werden. „In Uruguay sind mehr als zwei Millionen Menschen auf Facebook aktiv, ca. 1.700.000 alleine in Montevideo“, so Corsi. Es komme jedoch ganz genau darauf an, was man erreichen wolle: mehr Likes, Fans, einen Aufruf zur Aktion oder den Anstoß einer Debatte. Wer Politik kommuniziere, müsse bei den Menschen anfangen, und dem, was sie interessiere. „Wir orientieren die digitale Strategie unseres Regierungsbündnisses Cambiemos an der öffentlichen Konjunktur und dem Familienleben von Präsident Mauricio Macri“, erklärte Corsi. Jeder Post durchlebe eine Vorproduktion, Produktion und Postproduktion, also die Auswertung der Reichweite und entsprechend die Reaktionen . „Unsere Investitionen und unsere Zeit gehen zu 80 Prozent in Facebook, zu 15 Prozent in Instagram, zu 3 Prozent in Snapchat und nur zu 2 Prozent in Twitter“, erläuterte der Digitalchef. In Twitter kommunizierten sie nur Direktzitate der eigenen Politiker, damit Journalisten und Meinungsführer informiert seien. „Beim Thema Hashtag empfehlen wir ihnen nur einen guten zu nutzen, anstatt ganz viele“, riet Corsi den Community Managern der Partei.

Wer Menschen zwischen 18 und 25 Jahren erreichen wolle, benutze am besten direkt Instagram, da sich diese Zielgruppe fast dort nur aufhalte. Natürliche und authentische Fotos hätten den größten Erfolg in diesem Medium. Wer seinen Kandidaten bekannt machen möchte, müsse auch auf dessen Position bei den Suchergebnissen in Google achten. „Wir richten ihnen ein Konto in Linkedin und allen Netzwerken ein, da diese Seiten bei Google sehr prioritär behandelt werden“, erläuterte Corsi.

Die drei zentralen Achsen von Cambiemos seien Positivität, Nähe und Zukunft, die in jedem Post zum Tragen kämen.

„Wer Menschen bewegen will, muss kommunizieren.“ Mit diesem Statement startete Alejandro Vivas von Primero Justicia seinen Workshop. Nur Menschen überzeugten andere Menschen, kein Video oder Post, die nur Werkzeuge der Verlängerung des menschlichen Kontakts seien, so der Kommunikationschef. „Eine klare Strategie mit klaren Zielen muss die Grundlage für jede Kommunikation sein, sonst ist sie nicht effektiv“, unterstrich Vivas.

Nach angeregter Diskussion mit den Teilnehmern aus 15 der 19 Departments Uruguays präsentierte Facundo Corsi von Cambiemos die Ergebnisse und Strategie der argentinischen Zwischenwahlen 2017. „In den letzten vier Tagen der Kampagne haben wir massiv Werbung über YouTube gemacht, damit vor jedem Musikvideo oder Film, den sich ein Argentinier anschaute, zunächst die Werbung für einen Kandidaten von Cambiemos lief“, so der Digitalexperte. Insgesamt sei die Kommunikation in Zukunft ausschließlich auf die mobile Nutzung der Inhalte auszurichten. Kaum jemand nutze die sozialen Netzwerke noch per Desktop-PC.

„Ich spüre eine tolle Dynamik unter uns Kommunikationsverantwortlichen und hoffe, dass wir auch unsere Politiker von einer gemeinsamen Social-Media-Arbeit als Partido Nacional überzeugen können“, resümierte eine Teilnehmerin gegen Ende des Workshops.

Über diese Reihe

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