KAS

Veranstaltungsberichte

„Diversity is mission critical“

von Erina Waldmann

Mission Critical: Inclusive Leadership in the Security Sector 2019

Der zweite Tag der diesjährigen Mission Critical Konferenz fand in den Räumlichkeiten der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) statt. Im Fokus stand die Notwendigkeit von „Diversity“ und Inklusion im sicherheitspolitischen Sektor. Trotz zahlreicher Bemühungen, das Militär wie auch politische Institutionen und Ministerien diverser zu gestalten, seien noch immer vielerlei Veränderungen erforderlich, um auch in Zukunft eine stabile, demokratische Weltordnung zu sichern, so die Teilnehmer der Debatte.

Sicherheitspolitik werde mit steigender Tendenz wichtiger – das gelte auch für politische Stiftungen wie die KAS, so Nils Wörmer, Leiter des Teams Außen-, Sicherheits- und Europapolitik der Stiftung. Um sich den veränderten globalen Herausforderungen zu stellen, habe die KAS letztes Jahr dieses neue Team geschaffen. Die Zukunft nationaler Armeen im Kontext von „Diversity“ und Inklusion sei in diesem Zusammenhang ebenfalls von zunehmender Wichtigkeit, so Wörmer.

Erster Redner des Tages war Dr. Justin Gest, Assistenz Professor für Public Policy an der George-Mason-Universität. Ihm zufolge könnten Einwanderungsländer durch Immigration „human capital“ für ihr Militär gewinnen. Aufgrund der alternden Gesellschaften und der niedrigen Fertilitätsrate seien die Industriestaaten auf Einwanderer aus den Schwellenländern angewiesen. Eine Möglichkeit, wie nationale Armeen von Migration profitieren könnten, wäre es „non-citizens“ den militärischen Dienst zu gestatten. Für die Zukunft des Militärs sagt er kleinere, spezialisierte und mechanisierte Streitkräfte voraus.

Laut Dr. Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags, gehe Israel in Sachen „Diversity“ und Inklusion mit gutem Beispiel voran, indem es bspw. Autisten im militärischen Dienst zulasse. Er erklärte in seiner Keynote, dass bis vor wenigen Jahren die Bundeswehr „kein Spiegel der Gesellschaft“ gewesen sei. Neuerdings sei jedoch ein Imagewandel zu verzeichnen. Die Quote von Soldaten mit Migrationshintergrund steige stetig. „Die Bundeswehr ist bunt geworden“. Neben neuen Institutionen für Chancengerechtigkeit, Schwerbehinderte und Glaubenseinrichtungen, wird es bald auch eine jüdische und muslimische Militärseelsorge geben. Die Bundeswehr bemühe sich, offener zu werden und ihr Verbesserungspotenzial in die Tat umzusetzen, da sie auf neue Zielgruppen, wie EU-Ausländer, Quereinsteiger oder Frauen, für fehlende Rekruten angewiesen sei.

“Diversity is more than equal numbers and gender” – Mit diesen Worten leitete die Moderatorin Karlijn Jans die erste Podiumsdiskussion des Tages zum Thema „Diversity und Außenpolitik“ ein. Deutschland gebe unter dem aktuellen Außenminister Heiko Maas eine zukunftsweisende Richtung vor. Insbesondere die UN-Resolution zu sexueller Gewalt habe einen vernachlässigten sicherheitspolitischen Aspekt in den Vordergrund gerückt. Auch für die Europäische Union (EU) sei „Equality“ ein fundamentaler Wert. Im Gegensatz zu den USA, strebe die EU jedoch keine “affirmative“, sondern die sogenannte „positive action“ an. Ziel sei es mithilfe eines Aktionsplans, „Diversity“ zum Mainstream innerhalb aller EU-Institutionen zu machen. Schwierig gestalte sich bisher die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. In diesem Punkt müssten die EU-Mitgliedstaaten mehr positive Anreize schaffen. Jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung sei für die Sicherheit einer Gesellschaft von Nutzen. Es sei ökonomisch und zeitgemäß, eine Diversität von Menschen einzustellen.

An das erste Panel anknüpfend, fokussierte sich die zweite Diskussion auf die Zukunft der Arbeit im sicherheitspolitischen Sektor. Empirischen Studien zufolge werden hier zukünftig weniger, aber dafür besser ausgebildete Menschen beschäftigt sein. Man könne daher von einem sich anbahnenden Fachkräftemangel sprechen. Des Weiteren, gäbe es ein Generationenproblem bezüglich körperlicher Fitness, kognitiver Fähigkeiten und der mentalen Gesundheit von jungen, potenziellen Rekruten. Aufgrund von demographischen Veränderungen müsse man aus militärischer Perspektive versuchen, insbesondere Immigranten zu rekrutieren. Ein homogener Ansatz sei nicht nachhaltig, da es bestimmte Gesellschaftsgruppen gäbe, die überhaupt kein Interesse am Militär hätten. Die wichtigsten Zukunftstechnologien werden „Connectivity“, „Understanding“, „Manufacturing“ und Künstliche Intelligenz (KI) sein. Dies allein reiche jedoch nicht aus. Soldaten müssten vor allem psychologische Stärke beweisen und über soziale Intelligenz verfügen. Im Hinblick auf KI würden mit der Zeit zudem ethische Diskurse drastisch zunehmen.

Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, berichtete von einem stereotypischen Image des Militärs, das häufig auf einem „unconscious bias“ bestehe. Er betonte, dass gemeinsame Werte weitaus wichtiger als die offensichtlichen Unterschiede zwischen Soldaten wie auch Menschen im Allgemeinen seien. Ferner seien „Diversity“ und Inklusion entscheidend für den Erfolg von Missionen („mission-critical“). Die Religionszugehörigkeit, die sexuelle Orientierung oder Behinderungen sollten, ihm zufolge, keine Rolle spielen. Diese Menschen sollten nicht anders oder auf spezielle Weise behandelt werden. Ziel sei es, Barrieren zu minimieren und Menschen aktiv zu integrieren. Zuletzt beruhe Diversität auf Partizipation. Aus diesem Grund sollten entsprechende Veränderungen ohne rechtliche Zwänge, auf freiwilligem Wege geschehen.

Während des International Cross-Talks hatten die Konferenzteilnehmer in kleinen Gruppen die Möglichkeit, die Inklusionskultur anderer Länder und Organisationen kennenzulernen und zu diskutieren. Die Ergebnisse dieser Gesprächsrunde wurden anschließend dem Plenum vorgestellt. Zusätzlich wurden zwei Best Practice Beispiele anhand der griechischen und irischen Streifkräfte erläutert. Abgerundet wurde die zweite Tageshälfte durch einen Einblick, wie „Diversity“ und Inklusion in der Menschenrechtsorganisation Amnesty International umgesetzt werden.

Als krönender Tagesabschluss fand die letzte Diskussionsrunde zur Perspektive internationaler Polizeibehörden während einer Bootsfahrt über die Spree durch das Berliner Regierungsviertel statt.

Ansprechpartner

Benjamin Fricke

Benjamin Fricke bild

Referent für Sicherheitspolitik

benjamin.fricke@kas.de +49 30 26996-3795

Über diese Reihe

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