Veranstaltungsberichte

Erneuerung ja, Markenkern verramschen nein

Diskussion zur Zukunft der Volkspartei CDU

Gemeinhin wird der Patient Volkspartei bereits für klinisch tot erklärt. Mitgliederzahlen und Zustimmung sinken, Strukturen und Organisation gelten im Vergleich zur jüngeren Konkurrenz als veraltet und schwerfällig. Volksparteien gelingt es nicht mehr uneingeschränkt, unterschiedliche Interessen zu verbinden und für unterschiedliche Gruppen gleichermaßen attraktiv zu sein.

Sollte die Volkspartei tatsächlich sterben, hätte das schlimme Folgen, garantiert sie doch Stabilität und sichert so unsere Demokratie. Es muss also alles getan werden, dass der Patient alsbald wieder gesundet. Nach einer intensiven Untersuchung bedarf es der Therapie.

Als „Chefarzt“ erinnerte Prof. Bernhard Vogel bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Potsdam daran, was die Volkspartei CDU stark gemacht habe. Sie integriere, eine und führe zusammen: Katholiken und Protestanten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Stadt- und Landbevölkerung. Sie stehe für Bewahrung und Erneuerung auf Basis des christlichen Menschenbildes. Und schließlich vertraue sie in die Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung des Menschen. Denn, so Vogel, leitend sei die Idee, dass „der Staat für den Menschen da ist und nicht die Menschen für den Staat“.

Wenn die Union ihren „Siegeszug“ fortsetzen und „bestimmende Kraft Deutschlands“ bleiben wolle, dürfe keiner dieser drei Gründungsimpulse in Vergessenheit geraten, noch dürfe es Flügel geben. Gleichzeitig müsse es aber gelingen, auf die sich verändernden Rahmenbedingungen zu reagieren. „Wir dürfen nicht die Augen vor der Realität verschließen“, so Vogel. Vielmehr müsse eine Brücke zu denjenigen geschlagen werden, die anders leben wollen als ihre Eltern, ohne dabei traditionelle Milieus zu vergraulen oder „unseren Markenkern zu verramschen“, wie Dieter Dombrowski, Generalsekretär der CDU Brandenburgs sagte.

"Sie sind Mitglied einer Volkspartei, weil...?" - Interview mit Dieter Dombrowski

Das Rezept lautet also: Nah am Menschen sein, ohne dabei den Menschen nach dem Mund reden. Ein schwieriger Spagat, der nur gelingen kann, wenn „wir den Menschen nicht hinterher rennen, sondern bei all unserem Handeln fragen, ob es die Gesellschaft voran bringt“, so Saskia Ludwig, Vorsitzende der märkischen CDU. Sie empfahl dem Patienten Volkspartei, Unterschiede zwischen ideologiegetriebener und wertegebundener Politik herauszustreichen. Im Ergebnis müsse deutlich werden, dass Freiheit nichts mit Bevormundung, Leistung nichts mit Gleichmacherei und Solidarität nichts mit Umverteilung zu tun habe. Zudem gelte es, den Glauben in die soziale Kompetenz der CDU wiederherzustellen, so Martin Vogel, Beauftragter der Evangelischen Kirche bei den Ländern Berlin und Brandenburg. Derzeit würden die Menschen „uns als diejenigen wahrnehmen, die mit Krawatte und Einstecktuch“ herumliefen.

Diskutieren Sie mit: Brauchen wir Volksparteien? Wo liegen ihre Potenziale? Wie sollten sie sich verändern? www.zukunftvolkspartei.de

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erscheinungsort

Potsdam Deutschland