Veranstaltungsberichte

Israel - Zwischen Holy Land und Startup-Nation

Die Konrad-Adenauer-Stiftung empfing den Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) vom 19. bis zum 23. August 2017 zu einem Studien-und Informationsprogramm in Israel.

Sonntag, 20. August 2017

The State of Israel as a young democracy – The Yitzhak Rabin Center

Als ersten Programmpunkt besuchte die RCDS-Gruppe das Yitzhak Rabin Center, welches auch das israelische Museum beherbergt. Die Anlage präsentiert sowohl den persönlichen Lebensweg Yitzhak Rabins als auch die Geschichte Israels, die anhand entscheidender historischer Begebenheiten, wie Geburt Tel Avivs, Staatsgründung israels, frühe Kriege, Einwanderungswellen, ökonomische und kulturelle Entwicklungen, illustriert wird. Der Museumsbesuch vermittelte den Studenten einen ersten Einblick in die Komplexität der israelischen Gesellschaft und Geschichte und eröffnete die Grundlagen für eine weiterführende und vertiefte Auseinandersetzung mit Israel im Laufe der Delegationsreise.

Israel als multikulturelle und komplexe Gesellschaft – Eine Einführung

Adi Kantor, INSS – The Institute for national Security Studies

Nach einem kurzen Impulsvortrag über die israelische Gesellschaft, der von Adi Kantor, Research Associate in INSS, angeleitet wurde, erörterte und diskutierte die Gruppe eine mögliche Definition des Kulturbegriffs und des Cultural Melting Pots, die in einer vielschichtigen Gesellschaft wie Israel, in der viele Gruppen, Ethnien, Religionen zusammenleben, von großer Bedeutung für die Identitätsbildung sind.

Interactive Workshop: Peace between Israelis and Palestinians – Is it possible?

Arik Segal, Segal Conflict Management

Anhand eines einleitenden Rollenspiels, in dem die Studenten verschiedene Positionen und Sichtweisen innerhalb des israelisch-palästinensischen Konflikts einnahmen, wurde versucht, die Schwierigkeiten einer Annährung und der Dialogführung dieses Konflikts aufzuzeigen. Im Anschluss daran diskutierten die Studierenden über Strategien und Phasen der Konfliktlösung, wobei der Seminarleiter Arik Segal darauf hinwies, dass professionelles Konfliktmanagement psychologische, soziologische sowie politische Aspekte miteinbeziehe und auf mehreren Ebenen arbeiten müsse.

Gespräch zur aktuellen politischen Lage in Israel

Dr. Michael Borchard, Leiter des KAS-Auslandsbüros in Israel

Nach einer einleitenden Präsentation der Arbeit des KAS-Auslandsbüros in Israel referierte Dr. Michael Borchard über die politische Lage in Israel: Zum einen betonte er das besondere deutsch-israelische Verhältnis, das von einer sehr hohen Wertschätzung der Israelis für Deutschland geprägt ist. Allerdings sei festzuhalten, dass sich die jungen Generationen beider Länder immer weiter auseinanderentwickeln. In Israel kann man beobachten, dass die Jugend zunehmend nationalistischer, militaristischer und religiöser wird. Die deutsche Jugend lässt diese Positionen immer mehr hinter sich.

Gespräch mit Mitgliedern des Manof-Forums, Arbeitskreis junger Likud-Mitglieder

Am Abend des ersten Studientages trafen die Studenten des RCDS auf Mitglieder des Manof-Forums, des jungen, intellektuellen Forums des Likud, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Verbindungen zwischen gemäßigtem liberalem Denken und nationalen Ideen innerhalb des Likud zu stärken. Nach kurzer Vorstellung der beiden Gesprächsseiten und der Positionen und Aufgaben des Manof-Foums und des RCDS diskutierten die Teilnehmer der Veranstaltung in Kleingruppen über Themen wie Parteienstrukturen in Deutschland und Israel, Bildungswesen, deutsch-israelische Beziehungen und ökonomische Aspekte beider Länder.

Montag, 21. August 2017

German-Israeli Startup-Network – BETATEC

Gregor Schlosser, Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer (AHK) in Israel

Nach der Vorstellung der Aufgaben der AHK in Israel als binationale Einrichtung, die Aktivitäten in beiden Ländern unterstützt und sich als „Kultureller Übersetzter“ sieht, leitete Gregor Schlosser, Projektleiter der AHK, zur Gründung des Betatec-Labels über, das zum besseren Verständnis des israelischen Startup-Booms ins Leben gerufen wurde. Israel hat sich von einer Agrarnation hin zu einem Hightech-Standort entwickelt, der rund 6000 Start-ups umfasst. Als Gründe des „Startup-Wunders“ führte Herr Schlosser zum einen die Eigenschaft Israels als Einwanderungsland, in das viele Akademiker immigrieren und aufgrund des begrenzten Arbeitsmarktes den Weg der Selbständigkeit wählen, zum anderen die gute Qualität der Universitäten sowie die berufsbildende Rolle des Militärs an.

Regional Trends and the Role of Israel in the Region

Dr. Amichai Magen, Senior the Lauder School of Government, Diplomacy and Strategy

Auf dem Campus des Interdisciplinary Center (IDC) in Herzliya sprach Dr. Amichai Magen, einer der weltweit führenden Experten für Terrorbekämpfung, über regionale Trends und die Stellung Israels in Nahen Osten. Ausgehend von einer historischen Perspektive stelle er Israels Sicherheitsbedürfnis und die Rolle von Sicherheit und Sicherheitspolitik in Israel dar.

Israel und seine Vergangenheit: Ein Blick in die Geschichte

Dr. Joachim Rother, Deputy Head KAS Office Israel

Dr. Joachim Rother, stellvertretender Leiter des KAS-Büros in Israel, richtete seinen Blick in die biblische und alttestamentarische Geschichte Israels und besonders Jerusalems und ging gemeinsam mit den Studierenden des RCDS der Frage nach, wie Jerusalem sich zur Heimstätte der drei monotheistischen Weltreligionen entwickelt hat. Seine Darstellung begann mit der alttestamentarischen Zeit, dem Nord- und dem darauffolgenden Südreich Israel über das babylonische Exil bis hin zur Zeit Jesu Christi, wobei auch die Erklärung etymologischer Ursprünge relevanter biblischer Termini und Namen Berücksichtigung fanden. Das Ende des Gespräches war bestimmt von der Idee der Kreuzzüge und dem Verhältnis von Theologie und Gewalt.

International Relations and Diplomacy

Ron Prosor, Abba Eban Chair of International Diplomacy, IDC- Herzliya

Der ehemalige israelische Botschafter der Vereinten Nationen, Ron Prosor, berichtete vornehmlich von seiner Tätigkeit in den UN und erläuterte die Strukturen und Institutionen der UN sowie den Rotationsablauf und das System der Haupt- und Nebenorganen der Vereinten Nationen. In regem Austausch mit den Teilnehmern wurden in weiteren Verlauf über internationale und diplomatische Beziehungen Israels sowie seine Mitgliedschaft in den UN diskutiert.

Spaziergang durch die Altstadt

Dr. Michael Borchard, Leiter des KAS-Auslandsbüros in Israel

Dr. Michael Borchard gab der RCDS-Gruppe eine historische Stadtführung in Jerusalem. Von der German Colony aus ging es entlang der ehemaligen Eisenbahnstrecke zur First Station und weiter zum Menachem-Begin-Institut, wobei wenig später bereits die Mauern der Altstadt in den Blick rückten und den Teilnehmern die historischen Hintergründe der Montefiore-Windmühle, des King David Hotels, des einzigen Stadtmauerdurchbruchs bis hin zu den Besitzverhältnissen der einzelnen Bauwerke in der Altstadt nähergebracht wurden. Nachdem der Spaziergang durch das Kidrontal hoch zum Zionstor und zur Benediktinerabtei Dormitio führte, gelangten die Studierenden zum deutlich älteren Davidsgrab und zum Abendmahlsaal. Dr. Borchard legte dar, welche Rolle der Tempelberg für Christen, Juden und Muslime spielt, ehe man einen Aussichtspunkt auf die Klagemauer aufsuchte, an dem Konfliktpotenziale und unterschiedliche Bezeichnungen der Mauer erörtert wurden. Der Besuch der Erlöserkirche bot Gelegenheit, über die archäologischen Funde von Prof. Dr. Dieter Vieweger zum früheren Verlauf der Stadtmauer zu sprechen, bevor der Rundgang an der Grabeskirche zu Ende ging.

Dienstag, 22. August

Führung und persönliche Erkundung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Im Rahmen eines geführten Rundgangs besuchte die RCDS-Gruppe Yad Vashem, das 1953 als Gedenkstätte gegründet und später zum Museum erweitert wurde. Heute umfasst es zudem ein Forschungsinstitut, eine Schule sowie den Garten der ‚Gerechten unter den Völkern“. Die Besichtigung endete mit einer persönlichen Erkundung der Anlage, wobei die individuellen Eindrücke und Impressionen in einem anschließenden Reflexionsgespräch besprochen wurden.

A blessing in disguise? Diversity in Jerusalem through facts and trends

Lior Schillat, Director of the Jerusalem Institute for Policy Research

Während eines Mittagessens stellte Lior Schillat, Leiter des Jerusalem Institute for Policy Research, den Studenten Fakten und Trends zu Demografie, Siedlungspolitik, Bildung, Berufstätigkeit und Bewerbung um Staatsbürgerschaft vor, wobei sein Augenmerk auf Jerusalem, seiner Entwicklung, dem ultraorthodoxen Judentum und der arabischen Bevölkerung lag.

Central Issues in Jerusalem as the Key to the State of Israel

Koby Frig, Co-Founder of Hitorerut, Member of the Municipal Cultural Committee

Hitorerut BeYerushalaim ist eine Bewegung junger Jerusalemer, denen die Stadt am Herzen liegt und die bereit sind, sich für ihre Zukunft einzusetzen. Seit ihrer Gründung vor fünf Jahren basiert sie auf dem Verständnis, dass unmittelbares Handels notwendig ist, um den Charakter Jerusalems zu bewahren, die Stadt jung zu halten und die stetige Abwanderung der jungen Bevölkerung aus Jerusalem aufzuhalten. Koby Frig ist einer der Mitbegründer der Hitorerut-Bewegung. In einem persönlichen Gespräch mit anschließender Führung hat die RCDS-Gruppe Einblicke in die kulturpolitischen Projekte der Bewegung der Munizipalpolitik Jerusalems gewinnen können.

RCDS Delegation
Workshop with Arik Segal
Meeting mit dem Manof-Forum
Altstadtspaziergang mit Dr. Michael Borchard

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.