Veranstaltungsberichte

Keine Brücke zwischen dem Westen und Russland

von Maximilian Reiber

Das Verhältnis zwischen Lettland und Russland beleibt weiter angespannt.

Hundert Jahre sind seit der ersten Unabhängigkeit Lettlands unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg vergangen. Nach der Besatzung im Zweiten Weltkrieg mussten die Letten bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion warten, um erneut unabhängig zu werden. 27 Jahre später grenzt sich das EU- und Natomitglied trotz der geographischen Nähe klar vom Nachbarn Russland ab.

„Lettland ist keine Brücke zwischen der Europäischen Union und Russland. Wir gehören zum Westen“, sagt Eglis Levtis, Richter am Europäischen Gerichtshof bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Daran ändere auch die sehr große russische Minderheit im Land nichts. Rund 27 Prozent der lettischen Bevölkerung ist russischstämmig. Viele von ihnen haben nach wie vor eine starke Verwurzelung in der russischen Kultur. Dieses Phänomen stelle die Regierung gerade wegen des Einflusses russischer Medien vor große Herausforderungen. „Wir müssen verhindern, dass ein Teil der Minderheit geistig in Russland lebt“, betont Levtis.

Baltische Staaten sorgen sich um ihre Sicherheit

Seit Russland völkerrechtswidrig die Krim annektiert hat, sorgen sich die baltischen Staaten um ihre Sicherheit. „Die Menschen haben Angst, dass plötzlich russische Kriegsschiffe in der Rigaer Bucht auftauchen“, sagt Artis Pabriks, der für die EVP im Europäischen Parlament sitzt. Folglich hat die Nato in den letzten Jahren ihre Präsenz im Baltikum erhöht. Unter anderem Soldaten der Bundeswehr sind im Litauischen Rukla stationiert. Lettland habe für die eigene Sicherheit viel in Verteidigung investiert und das von der Nato vorgegebene Zwei-Prozent-Ziel erreicht. „Ich erwarte, dass sich Deutschland ebenfalls diesem Ziel nähert“, fordert Pabriks.

„Lettland und seine Nachbarländer müssen sich wirtschaftlich gut aufstellen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Ralf Brauksiepe. Wirtschaftliche Erfolge hätten politische Rückwirkungen und würden die Abhängigkeit von Russland beispielsweise bei der Energieversorgung verringern. Abgesehen von den Jahren der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise wächst Lettlands Wirtschaft seit dem Eintritt in die EU im Jahr 2004. Levits ist sich sicher, dass die EU trotz der aktuellen populistischen Welle eine Zukunft hat. „Die EU ist die adäquateste Antwort auf die Herausforderungen dieser Zeit“, sagt der ehemalige lettische Botschafter in Deutschland.

Verstärkte Zusammenarbeit mit Deutschland

Als kleines Land bedeute die Zusammenarbeit in der EU unterm Strich mehr Einfluss und ein Zugewinn an Souveränität, erklärt Pabriks. Aus diesem Grund solle sein Land die Kooperation mit Deutschland weiter verstärken. Er ist sich sicher, dass die Stimme des Baltikums gemeinsam mit Deutschland mehr Gewicht bei Entscheidungsprozessen in der EU hat. Daher Er wünscht sich eine aktive Rolle der Bundesregierung, wenn es darum geht, die EU weiterzuentwickeln. „Wir denken bei vielen anstehenden Themen in die gleiche Richtung“, unterstreicht er.

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Buchtipp

Das von deutschen und lettischen Forschern als Gemeinschaftsprojekt verfasste Buch „Lettland 1918–2018. Ein Jahrhundert Staatlichkeit“ zeichnet die Entwicklung des Landes mit ihren Höhen und Tiefen nach und bietet gleichzeitig Eindrücke über die Grundlagen der heutigen Beziehungen zwischen Deutschland und Lettland. Das Buch ist bei Ferdinand Schöningh erschienen und kostet 39,90€.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

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erscheinungsort

Berlin Deutschland