Veranstaltungsberichte

Klares Ziel und langer Atem

Bernhard Vogel – Brückenbauer zwischen Ost und West

„Es gab ein Ministerium für gesamtdeutsche Fragen, ein Ministerium für gesamtdeutsche Antworten hat es nicht gegeben“, so hat es Bernhard Vogel immer wieder betont. An der Formulierung solcher Antworten allerdings wirkte Bernhard Vogel wie kaum ein anderer deutscher Politiker mit.
Aufgrund Bernhard Vogels bedeutenden Errungenschaften in im Durchsetzen solch gesamtdeutscher Antworten lud das Politische Bildungsforum Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung am 10. September 2019 in den Kultursaal in Neuhaus-Schierschnitz ein, um die im Jahr 2017 veröffentlichte Studie „Klares Ziel und langer Atem. Bernhard Vogel – Brückenbauer zwischen Ost und West“ vorzustellen. Neben dem Hauptreferenten des Abends, Prof. Dr. Bernhard Vogel, konnten der Autor des Buches, Dr. Christopher Beckmann, und die Landtagsabgeordnete für den südlichen Kreis Sonneberg, Beate Meißner gewonnen werden. Die Moderation des Podiumsgesprächs und des anschließenden Dialogs mit dem Publikum übernahm Matthias Gehler, Chefredakteur von MDR-Thüringen.
 

Zu Beginn begrüßte und eröffnete Steven Bickel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Politischen Bildungsforums Thüringens der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Abendveranstaltung und stellte die Ehrengäste und Gesprächspartner vor. Bickel gab eine kurze Zusammenfassung über die politischen Lebenswegstationen Bernhard Vogels und betonte, dass der ehemalige Ministerpräsident zweier Bundesländer durch sein deutschlandpolitisches Wirken gezeigt habe, dass Freiheit und Einheit zusammengehören und dass geduldiges Festhalten am Wiedervereinigungsgebot sein Handeln bestimmte.
 

Anknüpfend hieran, gab der Autor des Buches „Klares Ziel und langer Atem. Bernhard Vogel- Brückenbauer zwischen Ost und West“, Dr. Christopher Beckmann, einen Einführungsvortrag. Hierbei betonte der Referent, dass Bernhard Vogel immer schon an neuen Perspektiven interessiert gewesen sei. Beispielsweise gelang es Vogel 1958, sich in die an Walter Ulbricht vorbeidefilierende Mai-Parade einzureihen, um ein Stück DDR-Realität aus eigener Anschauung kennenzulernen. Insbesondere zeichnete sich die Vergangenheit Bernhard Vogels dadurch aus, dass er sich als Präsident und langjähriges Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken für die Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn, insbesondere mit Polen, und im Vatikan gegen die Pläne zur Neueinteilung der Diözesen entlang der bestehenden innerdeutschen Grenze eingesetzt habe. 
 

Nach dem Einführungsvortrag ging der Abend in ein Podiumsgespräch mit dem ehemaligen Thüringer und Rheinland-Pfälzer Ministerpräsidenten, dem Chefredakteur von MDR-Thüringen, Matthias Gehler, der Sonneberger Landtagsabgeordneten Beate Meißner und Dr. Christopher Beckmann über. Der Moderator betonte, dass das Buch durch seine Dichte und Sachlichkeit sowie durch eine gründliche Recherche sehr zu empfehlen sei. Gehler schätze die Studie nicht nur aufgrund der äußerst persönlichen Perspektive, sondern auch dafür, dass der Leser ein Verständnis dafür bekomme, wie deutsche Geschichte dieser Zeit stattgefunden hat. Auf der anderen Seite beschäftigte die Landtagsabgeordnete Beate Meißner die Frage, wie Bernhard Vogel überhaupt in die Politik gekommen war. Auschlaggebend, so Vogel, sei für ihn seine familiäre Herkunft gewesen. Er komme aus einem gemischtkonfessionellen Elternhaus, sei sehr von seiner katholisch-sozial engagierten Mutter geprägt worden, was letztlich sein Talent zu vermitteln und Unversöhnlichkeit aufzulösen geprägt habe. Das waren seiner Meinung nach wichtige Grundvoraussetzungen, die ihn für die Politik befähigt hätten.
 

Während der Podiumsdiskussion unterstrich Bernhard Vogel insbesondere sein Wirken in Thüringen nach der Wiedervereinigung zwischen 1992 und 2003. Beispielsweise betonte Vogel, dass es ihm in seiner Amtszeit als Thüringer Ministerpräsident wichtig war, in Thüringen viele Hochschulen anzusiedeln oder die Anbindung des Erfurter Hauptbahnhofes an die Schnellfahrtstrecke „Deutsche Einheit“ (Berlin-München) zu ermöglichen. Sonst wäre es nicht gelungen für Thüringen einen Weg zur erfolgreichen Einheit zu bauen.
 

Zudem betonte Prof. Vogel, dass er als Ministerpräsident Thüringens unmittelbar daran mitgewirkt habe, die Folgen der deutschen Teilung zu lindern, Brücken neu aufzubauen und neue Perspektiven in einem vereinten Deutschland zu schaffen. Abschließend gab Vogel an, dass es, hätte er selbst eine ostdeutsche Biographie gehabt, deutlich schwerer gewesen wäre im Osten Ministerpräsident zu werden.
Angeregt durch die Fragen des Moderators Matthias Gehler und im Gespräch mit Beate Meißner sowie Christopher Beckmann konnte Bernhard Vogel zudem einiges über seine Reisen in die DDR vor der Friedlichen Revolution, seine riesige Stasi-Akte mit mehr als 1.600 Blatt sowie seine Begegnungen mit Erich Honecker berichten. Es zeigte sich, dass Bernhard Vogel, wie kaum ein anderer die Geschicke eines ostdeutschen Bundeslandes, nach der deutschen Wiedervereinigung die Einigung Deutschlands lenkte. Bernhard Vogel – so sieht es auch die Studie Beckmanns – war wirklich ein Brückenbauer zwischen Ost und West.
 

Zum Abschluss der Veranstaltung erhielten auch die zahlreichen Gäste im Kultursaal in Neuhaus-Schierschnitz die Gelegenheit Fragen an den verdienten Politiker zu stellen. Ein großes Interesse gab es für die persönlichen Erinnerungen des ehemaligen Ministerpräsidenten, aber auch die aktuelle politische Lage und die Wahlerfolge der politischen Ränder wurden durch das Publikum thematisiert. Der Bürgermeister der Gemeinde Föritztal, Andreas Meusel, nutzte den Abend zu einem ganz persönlichen Dank im Namen seiner Gemeinde und erinnerte an die Zeit, als die Grenze das Umland an drei Seiten umschloss und den beispiellosen Aufbau, der nach der Friedlichen Revolution gelungen sei. Im Anschluss an die Veranstaltung nutzen viele Gäste die Zeit während des Empfangs, um ganz persönlich mit Bernhard Vogel ins Gespräch zu kommen.

Über diese Reihe

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