Veranstaltungsberichte

Konferenz: Die Förderung des Faktors Mensch und die Soziale Marktwirtschaft

von Martin Friedek

Cátedra Economía Social de Mercado Konrad Adenauer Chihuahua

Am 04. Mai 2011 organisierte die Universität La Salle Chihuahua im Rahmen der "Cátedra Soziale Marktwirtschaft Konrad Adenauer" und in Zusammenarbeit mit der mexikanischen Handelskammer für verarbeitende Industrie (Canacintra) in Chihuahua, dem Christlichen Unternehmerverband Mexikos (USEM) in Chihuahua und dem Arbeitgeberverband Mexikos (Coparmex) in Chihuahua die Konferenz "Förderung des Faktors Mensch und die Soziale Marktwirtschaft".

Unter den Ehrengästen waren die beiden Abgeordneten des Deutschen Bundestages Herr Arnold Vaatz MdB und Herr Peter Weiss MdB. Herr Vaatz MdB ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Bereiche Verkehr, Bau, Stadtentwicklung, Aufbau Ost und Menschenrechte sowie Mitglied des Ausschusses für Verkehr, Bau, Stadtentwicklung und des Menschenrechtsausschusses. Herr Weiss MdB ist Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales sowie Vorsitzender der Arbeitsgruppe Lateinamerika der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag.

In der Einführung wies der Rektor der Universität La Salle in Chihuahua, Salvador Valle Gámez, darauf hin, dass die Bereitschaft zur Förderung und Weiterbildung des Arbeitnehmers in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft noch fortentwickelt werden muss und für das mexikanische Gemeinwesen dringend notwendig sei, um dieses im Sinne einer sozialeren Marktwirtschaft zu gestalten.

Der Bundestagsabgeordnete Peter Weiss stellte in seinem Vortrag "Die soziale Sicherung von Arbeitnehmern und die Überwindung der Bankenkrise" die wichtige Rolle Mexikos als internationalem Partner Deutschlands in Lateinamerika und der Welt hervor. Beide Länder teilten wichtige Grundsätze in Fragen der Religion, der Werte und der Wirtschaft. Beiden Ländern komme als Mitgliedern der G20-Staaten Verantwortung für die Mitgestaltung der internationalen Wirtschaftsordnung zu. Er präsentierte die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft, so wie sie in Deutschland als ordnungspolitischer Leitrahmen verankert sind, anhand von Ausführungen zum System der deutschen Sozialversicherung. Die Soziale Sicherung habe den Auftrag, unverschuldete Benachteilungen und Belastungen von Arbeitnehmern durch Krankheit, Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Schicksalsschläge, dem Tod von Angehörigen u.a. solidarisch auszugleichen. Dabei soll der individuell Betroffene bestmöglich in die Lage versetzt werden, ein würdiges und weitmöglichst selbstbestimmtes Leben fortzuführen bzw. wieder aufzunehmen.

Die Erläuterungen zur Arbeitslosen-, Renten-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung stießen bei den Teilnehmern auf großes Interesse. In der anschließenden Fragerunde arbeiteten die Zuhörer zusammen mit dem Abgeordneten Unterschiede zwischen dem mexikanischen und dem deutschen Gewerkschaftssystem heraus. So sei die Konfliktlösungsfähigkeit zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden in Deutschland größer als in Mexiko. Dies sei u.a. dadurch zu erklären, dass die Branchengewerkschaften in Deutschland untereinander nicht im Wettbewerb stünden. Deren Verhandlungsmandat sei dadurch verbindlicher, transparenter und stärker an der Problemlösung im Sinne der Arbeitnehmer orientiert als in Mexiko.

Matías Rivero Aguilar, Berater der Sozialunion der mexikanischen Wirtschaft (USEM) in Puebla und Unternehmensberater, ging in seinem Vortrag "Pakt von Arbeitnehmern und Unternehmen gegen die weltweite Wirtschaftskrise" auf die bestehenden Mißstände ein, die seiner Meinung nach im Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Mexiko bestünden. Das gesamtwirtschaftliche Einkommen Mexikos sei extrem ungleich zwischen Arm und Reich verteilt. Dies würde gegen alle Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft verstoßen. Der Neoliberalismus in Mexiko trage entscheidend zu diesen Zuständen bei. Eine unangemessen egoistische Ausübung von Freiheiten durch die Reichen und Mächtigen schwäche die Entfaltungsmöglichkeiten der Armen und Schwachen weiter. Die Implementierung einer Sozialen Marktwirtschaft, welche die Förderung der Benachteiligten und die Durchsetzung echten, dauerhaften Wettbewerbs am Markt beherzige, sei der beste Lösungsweg für die gesellschaftlichen Probleme Mexikos.

María Teresa Díaz de León, Verantwortliche für Delphi-Personalschulungen bei "Operaciones Mexicanas Oeste", erläuterte die Bedeutung der "Strategien zur persönlichen Weiterentwicklung in modernen Unternehmen" sowohl für den Mitarbeiter als auch für das Unternehmen.

Nach der Delphi-Methode, auf der ihr Vortrag aufbaute, nimmt das Feedback als Kommunikationsstrategie eine wichtige Rolle in innerbetrieblichen Arbeits- und Entscheidungsprozessen ein. Damit sei die Möglichkeit gegeben, die einzelnen Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge erarbeiten zu lassen, sie jedoch zugleich durch das gesteigerte Konfliktlösungspotential besser und produktiver ins jeweilige Team einzubinden. Die dauerhafte Förderung und Weiterbildung der Mitarbeiter sei essentiell für die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen Mexikos, werde jedoch bei den Investitionen am ehesten vernachlässigt. Dadurch würden große individuelle und ökonomische Wachstumspotentiale nicht ausgeschöpft.

Die berufliche Weiterentwicklung wirke sich auch auf die Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftspolitisch positiv aus. Sachkompetenzen des Personals können durch Zertifizierungen in Schlüsselprozessen, durch den Erwerb von Mehrfachkompetenzen sowie durch die Befähigung zur produktiven Teamarbeit verbessert werden. Auch Mitarbeiterschulungen hinsichtlich Vertraulichkeit, Verantwortungsbewusstsein, methodischem Arbeiten und der Einsicht, die eigenen Resultate und Positionen stets neu zu überprüfen, sind zugleich grundlegende Kernkompetenzen des Arbeits- und Privatlebens.

Francisco Javier Huesca Formenta, Hauptgeschäftsführer der Beratungsfirma Huesca Consultores und Unternehmensberater trug zum Thema "Notwendiger Bedarf einer neuen Arbeitskultur" vor.

Diese müsse wieder auf das Wertefundament gestellt werden, das sich aus der christlichen Soziallehre ableiten lässt. Hierzu gehöre es, die Prinzipien der Mitmenschlichkeit, der Nächstenliebe, der Menschenwürde und der gesellschaftlichen Solidarität in Mexiko zu verwirklichen und zu leben. Jede Reform bleibe in ihrer Wirkung geschwächt, wenn sie nicht von gelebten Werten begleitet und unterstützt werde.

Hierbei stellte er einen Vergleich mit der Wiedervereinigung von BRD und DDR an. Beide Staaten hätten sich, ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Bedenken, aufgrund der gemeinsamen Begeisterung für die Demokratie und das Ende des Sozialismus, solidarisch gezeigt und eine gemeinsame Zukunft aufgebaut. Eine solche wertebasierte Geschlossenheit brauche Mexiko, um die große Schere zwischen Arm und Reich und daraus folgenden Ungleichheiten zu schließen.

Auf dieser Wertebasis aufbauend müsse Mexiko dringend notwendige Reformen auf dem Arbeitsmarkt und bei der sozialen Sicherung verwirklichen. Als Vorbild hierfür könne Deutschland gelten. In einem kontrastierenden Rückgriff auf die Erläuterungen des Bundestagsabgeordneten Peter Weiss machte er deutlich, dass die Hauptschwierigkeit bei der Umsetzung dieser Reformen in der politischen Instabilität und dem opportunistischen Handeln der politischen Klasse in Mexiko zu suchen sei.

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