Veranstaltungsberichte

Kostspielige Sackgasse

KAS setzt sich für Reform des Übergangssystems ein

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat mit der Publikation „Der erfolgreiche Weg zum Berufsabschluss – Neue Reformvorschläge“ einen Beitrag zur Diskussion um eine systematische Neugestaltung des sogenannten „Übergangssystems“ vorgelegt.

Zu häufig erweisen sich die jetzt im System angebotenen äußerst heterogenen und facettenreichen Bildungs- und Förderangebote für die Betroffenen – derzeit etwa 350.000 Schulabgänger, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben - als Sackgasse. Knapp 40 Prozent, also 150.000 Jugendliche, verlassen das System, ohne eine Berufsausbildung beginnen zu können. Mittlerweile gibt es in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen insgesamt 1,5 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss. Das Übergangssystem ist damit nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems und ein kostspieliges dazu. Auf sechs bis sieben Milliarden Euro werden die jährlichen Kosten geschätzt.

Es besteht also Handlungsbedarf, auch weil das Aufstiegsversprechen droht seine Gültigkeit zu verlieren und die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gesellschaft in Gefahr gerät, steht doch Deutschland angesichts des demografischen Wandels vor nicht weniger als einer Zeitenwende. Arbeitskräfte und insbesondere Fachkräfte dürften zukünftig begehrter denn je sein. Die Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer, sprach daher bei der Vorstellung der Publikation in Berlin von einem offenen „Fenster der Gelegenheit“. Statt so wie heute zu wenig Ausbildungsstellen werde es schon bald zu wenig Auszubildende geben. Trotzdem wäre es gefährlich, deswegen auf einen Automatismus zu setzen. Wenn es nicht gelingt, die Jugendlichen für den Arbeitsmarkt fit zu machen, werden Unternehmen das Fenster auch wieder schließen, etwa indem Ausbildungsplätze abgebaut werden.

Zusammenfassung der Vorschläge
Über achtzig Prozent der Jugendlichen machen in Deutschland einen qualifizierten Berufsabschluss. Siebzehn Prozent der 20- bis 30-Jährigen verfügt über keinen beruflichen Bildungsabschluss. Unter den Personen mit Migrationshintergrund sind es sogar 31 Prozent. Jugendliche, denen kein Bildungsaufstieg gelingt, erkennen ihre geringen Chancen, beurteilen ihre Chancen negativer als die übrigen Jugendlichen und entwickeln keine Perspektive, mit der Konsequenz einer sinkenden Lebenszufriedenheit. Demografische Entwicklung als Chance: Die demografische Entwicklung und der zunehmende Fachkräftemangel bieten den Jugendlichen neue Chancen, die gestaltet werden müssen.

Wie fördern wir die Jugendlichen für einen erfolgreichen Berufsabschluss?

- Motivation fördern, Lern- und Leistungsbereitschaft aktivieren durch größere Praxisnähe in Regelschulen Perspektiven geben durch frühe Berufsorientierung


- Fordern der Jugendlichen durch Verbetrieblichung mit einer Neuausrichtung des Übergangs: Schule-Beruf
- Fördern durch Assistierte Berufsausbildung am Arbeitsmarkt
- Keinen alleine lassen durch vernetzte Organisationsformen
- Ein verantwortlicher Ansprechpartner

Kramp-Karrenbauer und Mitautor Prof. Stefan Sell von der FH Koblenz warben für eine Umgestaltung der Rahmenbedingungen bereits in der Schule. Derzeit werde versucht, die in der Schule Gescheiterten damit zu behandeln, woran sie gescheitert seien: dem kognitiven Lernen. Schulmüde müssten neu motiviert und der Praxisbezug gestärkt werden. Zudem muss es gelingen, dass das Übergangssystem die Vermittlung in die reguläre Ausbildung erleichtert. Die Verknüpfung der Ausbildung mit sozialpädagogischen Leistungen könne außerdem helfen, dass auch problematische Jugendliche seltener ihre Ausbildung abbrechen.

Sell hob das Modell der assistierten Ausbildung hervor. Dieses müsse zu einem „flächendeckenden Regelangebot“ werden. Hierbei wird eine betriebliche Berufsausbildung mit Vorbereitungs- und Unterstützungsangeboten seitens der Jugendberufshilfe flankiert. Die Ausbildungsverantwortung verbleibt allein bei den Betrieben. Um der Zersplitterung der Förderlandschaft zu begegnen, schlägt Sell die Einführung einer zentralen Anlaufstelle vor, sogenannten Jugendagenturen. In ihnen werden die Akteure aus Kommune, Bundesagentur für Arbeit und Jobcenter zusammengefasst. Mit einem Fondsmodell könnte deren Effizienz und Effektivität erhöht werden.

Damit nicht nur immer über Maßnahmen gesprochen wird, hat die Konrad-Adenauer-Stiftung unter dem Titel „Aufstieg durch (Aus-) Bildung – Der schwierige Weg zum Azubi“ gleichzeitig einen zweiten Band vorgelegt. Hier rücken, so die Koordinatorin für Frauen- und Familienpolitik Christine Henry Huthmacher, die Jugendlichen selber in den Mittelpunkt. Betroffene stellen zehn erfolgreiche Modelle zur Berufsbefähigung aus Schule und Ausbildung detailliert vor.

Beide Publikationen stehen Ihnen zum Download kostenfrei zur Verfügung (s. Links "Zum Thema").

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

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erscheinungsort

Berlin Deutschland