Veranstaltungsberichte

„Nicht: Es muss etwas geschehen! Sondern: ich muss etwas tun.“

von Laurenz Bückmann

Dr. Axel Smend eröffnete die Ausstellung "Was konnten sie tun? Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1939 -1945" am Anne-Frank-Gymnasium in Berlin.

Die Schüler/innen des Anne-Frank-Gymnasiums stellten Dr. Axel Smend, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung 20. Juli 1944 e.V., sehr persönliche Fragen, welche vor allem seine eigene Verbindung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus betrafen.

Die Schüler/innen einer zehnten Klasse des Anne-Frank-Gymnasiums zeigten sich bestens vorbereitet und bohrten mit sehr tiefgründigen und persönlichen Fragen bei Dr. Axel Smend, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung 20. Juli 1944 e.V., nach. Er hielt bei der Eröffnung der Ausstellung „Was konnten sie tun? Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1939-1945“ die Rede „Was konnten sie tun? – Was können wir tun?“

Dr. Smend konnte nicht nur wegen seiner persönlichen Verbindung zu dem Thema - sein Vater war am Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt und wurde aufgrund dessen von den Nationalsozialisten hingerichtet- eine gute Verbindung zu den Schülern aufbauen, sondern berichtete auch von Widerständlern, die damals ungefähr so alt waren wie sie. So ging er auf die Geschwistern Sophie und Hans Scholl ein, welche zur der Widerstandsgruppe der Weißen Rose zählten und mit Flugblättern über die Gräueltaten des NS-Regimes aufklären wollten. Er brachte an dieser Stelle zwei Zitate der beiden mit in seinen Vortrag ein. So erklärte Sophie Scholl vor Gericht: „Einer muss ja mal damit anfangen“ und Hans Scholl sagte: „Nicht: Es muss etwas geschehen! Sondern: ich muss etwas tun.“

Diese beiden Sätze nutzte Dr. Smend als Ausgangspunkt für seinen Appell an die Schülerinnen und Schüler, sich kritisch und genau mit Themen auseinanderzusetzen, um sich dadurch ein Urteil bilden zu können. Nach einer gründlichen Analyse und Bewertung käme es dann aber auch darauf an, Stellung zu beziehen und Haltung zu zeigen.
Der Referent befragte die jungen Menschen nach ihren Kenntnissen über Widerstandsgruppen und erhielt dabei erstaunlich viele Nennungen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging er auch noch auf weitere Widerstandskämpfer und Widerstandsgruppen wie Georg Elser, die Edelweißpiraten, das Ehepaar Hempel und den Kreisauer Kreis ein. Er erklärte, dass die Widerstandskämpfer aus unterschiedlichen Motiven gehandelt hätten, einige aus christlicher Nächstenliebe und andere, um über die Taten und Praktiken der Nationalsozialisten aufzuklären. Neben den aktiven Widerstandskämpfern hätte es jedoch auch sogenannte stille Helfer gegeben, betonte Dr. Smend. Diese hätten beispielsweise Juden versteckt. Zu dieser Kategorie zählte er den Personenkreis, der Anne Frank und ihrer Familie geholfen hatte. Abschließend erklärte Dr. Smend: „Jeder kann in seinem persönlichen Umfeld Widerstand leisten!“ und wollte die Schüler so ermutigen sich selber zu fragen, wie sie zu bestimmten Themen stehen. Sollten sie den Eindruck haben, es würde etwas falsch laufen, so sollten sie Haltung und Courage zeigen.

Nach dem Vortrag stellte sich der Referent den Fragen der Schülerinnen und Schüler. So fragten sie sehr konkret und persönlich, ob er gläubig sei und ob sich seine Mutter, er und seine Geschwister manchmal gewünscht hätten, sein Vater hätte keinen Widerstand geleistet und wäre der Familie somit als Ehemann und Vater erhalten geblieben.

Ansprechpartner

Christian Schleicher

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Abteilungsleiter Politische Bildungsforen und Regionalbüros Nord

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Über diese Reihe

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