Veranstaltungsberichte

Pöttering setzt sich für Christen in muslimischen Ländern ein

Vereinigte Arabische Emirate Vorbild – KAS fördert Beziehungen zwischen Golf und EU
Christen in allen islamischen Ländern müsste die freie Ausübung ihrer Religion ermöglicht werden. Dies forderte der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Dr. Hans-Gert Pöttering, MdEP, während eines Vortrages am Emirates Center for Strategic Studies and Research in Abu Dhabi am 20. September 2010.

Vor über 200 zum größten Teil arabischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erklärte Dr. Pöttering, es sei nicht in Ordnung, dass Europa sich gemäß der bestehenden Religionsfreiheit moslemischen Gotteshäusern öffne, während manche Länder der islamischen Welt Christen die Ausübung ihrer Religion verweigerten. „Toleranz ist keine Einbahnstraße!“, so Pöttering.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) seien dabei ein Vorbild für andere Länder, so Dr. Pöttering, da hier Kirchen existierten und Christen in ihrem Glauben respektiert und toleriert würden.

Dabei unterstrich der Vorsitzende der Adenauer-Stiftung: “Wir müssen den Glauben anderer nicht akzeptieren, aber wir müssen ihn respektieren. Das Prinzip der Würde des Menschen verlangt danach!“ Die freie Religionsausübung sieht Pöttering als einen der zentralen Punkte, um den „Clash of Civilizations“ zu verhindern. „Damit der viel zitierte Zusammenstoβ der Zivilisationen verhindert werden kann, bedarf es eines offenen und ehrlichen Dialoges, der stets mit Respekt vor dem Anderen zu führen ist – und mit Toleranz.“

In seinem Vortrag „Europa und der Golf – Gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven“ lobte der KAS-Vorsitzende die Vorreiterrolle der VAE in Hinblick auf seine rasante wirtschaftliche Entwicklung. „Ich kenne keinen einzigen anderen Ort, der sich so rasant positiv entwickelt hat!“, sagte Dr. Pöttering. Ähnlich wie Deutschland und Frankreich in der Europäischen Union nähmen die VAE eine zentrale Stellung im Golf-Kooperationsrat (Gulf Cooperation Council (GCC)) ein. Der Präsident des Europäischen Parlaments a.D. räumte der Zusammenarbeit zwischen der EU und der VAE großes Potential ein: „Derzeit ist diese Kooperation noch stark durch bilaterale Beziehungen geprägt. Einzelne GCC-Staaten sehen in einzelnen EU-Staaten mitunter eher strategisch relevante Partner und weniger die EU als Ganzes – bedingt zum einen durch historische Verbindungen, zum anderen aber auch aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Stärke einzelner EU-Mitgliedsstaaten“, führte Pöttering aus. Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Ebene zu fördern ist eine wesentliche Aufgabe des Regionalprogramms Golf-Staaten der KAS mit Sitz in Abu Dhabi.

Die Vereinigten Arabischen Emirate unterhielten auch mit Deutschland ausgezeichnete bilaterale Beziehungen. Politisch und wirtschaftlich sowie in den Bereichen Sicherheit, Entwicklung und Kultur arbeiteten beide eng zusammen. Diese bilateralen Beziehungen seien eine gute Grundlage für die Intensivierung der Strategischen Partnerschaft zwischen beiden Regionen.

Wirtschaftlich und politisch ist der GCC von strategischer Bedeutung für die EU. Er ist ihr wichtigster Handelspartner in der arabischen Welt. Auf ihn entfällt etwa die Hälfte des gesamten Handels mit den arabischen Staaten. Er ist sechstgrößter Exportmarkt der EU. Für den GCC ist die EU wiederum Exportmarkt Nummer eins. 2008 beliefen sich die EU-Exporte in die GCC-Staaten auf 68,8 Mrd. € – davon allein 17,5 Mrd. € deutsche Exporte –, die Importe aus den GCC-Staaten auf 38,4 Mrd. €.

Politisch böten die Beziehungen zur EU als einem wichtigen Akteur der internationalen Politik den GCC-Staaten die Möglichkeit, ihre auswärtigen Beziehungen zu erweitern und zu festigen, so Dr. Pöttering. Das Projekt der europäischen Integration könne zudem ein Beispiel für die regionalen Integrationsbemühungen im Rahmen des GCC sein. Durch vertiefte Integration könne der GCC einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Golf-Region leisten und den institutionellen Rahmen für eine regionale Partnerschaft auf den Gebieten Wirtschaft, Energie und Sicherheit schaffen, erklärte der KAS-Vorsitzende weiter.

Pöttering betonte, dass die EU und der GCC nicht nur wirtschaftliche Interessen teilen, sondern auch sicherheitspolitische Aspekte gemeinsames Handeln der regionalen Blöcke verlangten. Die immer stärkere Vernetzung der globalisierten Welt stelle die Staatengemeinschaften vor Herausforderungen und Probleme, die längst nicht mehr allein von einzelnen Staaten und auch nicht von einzelnen Regionen gelöst werden könnten. Ein permanenter Sitz der EU im Weltsicherheitsrat sei eine logische Konsequenz. „Zusammenarbeit ist notwendig, innerhalb von Regionen, vor allem aber zwischen einzelnen Regionen – wie zwischen der EU und dem GCC.“, erklärte Dr. Pöttering.

Konflikte wie in Irak, Iran und Jemen und nicht zuletzt der Nahost-Konflikt könnten zur Destabilisierung der Region führen. „Derartige Konflikte haben eine direkte Auswirkung auch auf Europa.“ Die EU und der GCC seien so eng in die Weltwirtschaft eingebunden, dass beide das dringende Interesse hätten, die Krise nicht nur zu überwinden, sondern die Weltwirtschaft auch in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung zu lenken.

„Das Beispiel der EU zeigt, dass eine enge wirtschaftliche und politische Integration auf regionaler Ebene zusätzlichen Schutz gegen die Unwägbarkeiten einer globalisierten Wirtschaft bieten kann.“, führte Pöttering aus. Die GCC-Staaten beschritten dabei einen ähnlichen Weg. Die Vereinbarung über eine Freihandelszone (1983) und eine Zollunion (2003) wie auch der 2008 in Kraft getretene „Gemeinsame Markt“ seien erfolgreiche Integrationsprojekte in der Region, die sowohl von wirtschaftlicher als auch von politischer Bedeutung sind.

In seinem Schlusswort verlieh Dr. Pöttering dem Wunsch nach einem Miteinander zwischen den verschiedenen Ländern und Kulturen der Welt im Sinne Konrad-Adenauers Ausdruck: „Was wir brauchen, ist eine Zusammenarbeit im Sinne einer Menschheitsfamilie der ganzen Welt.“ Die Konrad-Adenauer-Stiftung leiste mit ihren Projekten in über 100 Ländern dazu einen erheblichen Beitrag.

In einem direkten Gespräch am Rande der Veranstaltung kamen Dr. Pöttering und der Generaldirektor des ECSSR Dr. Jamal Al-Suwaidi über ein, einen Wissenschaftler zum ECSSR zu entsenden. „Der Austausch von Wissenschaftlern kann in hohem Maβe zum gegenseitigen Verständnis unserer Kulturen beitragen.“

Über diese Reihe

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