Veranstaltungsberichte

Politische Parteien und Wahltrends in Lateinamerika

von Natalia Arriaga, Stella Neumann
Am Samstag, den 4. Mai, veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung Mexiko gemeinsam mit den Netzwerken Red Latinoamericana de Jóvenes por la Democracia México und Red Mexicana para el Servicio Público den Workshop "Politische Parteien und Wahltrends in Lateinamerika“, welcher sich an junge engagierte Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren richtete.

Experten aus verschiedenen Bereichen machten die Teilnehmer vertraut mit dem aktuellen Stand der demokratischen Regime und der Rechtstaatlichkeit in Lateinamerika und den Wahltendenzen, welche diese  Region bestimmen. Zudem gaben sie ihnen Instrumente an die Hand, mit welchen diese als potenzielle Politiker die Konzepte Demokratie und Rechtsstaat weiter fördern und auf die neuen Herausforderungen eingehen können.

Carlos Castillo, Chefredakteur und Leiter für institutionelle Zusammenarbeit der Rafael Preciado Hernández Stiftung, sprach als erster Referent über die vorherrschenden ideologischen Strömungen in Lateinamerika. Zunächst stellte er jedoch klar, dass man das 21. Jahrhundert nicht mehr als „Jahrhundert der Ideologien“ bezeichnen könne und die Ideologien sowie die Modelle des 20. Jahrhunderts nicht mehr anwendbar seien. Laut Castillo stellten die Folgen dieser Entwicklung eine Bedrohung für die Demokratie und den Humanismus dar. Das politische Zentrum müsse sich rekonstruieren, um sich gegen die extremistischen Politiken zu behaupten und den Populismus zu bekämpfen.

Frau Keila Gonzáles folgte ihrerseits mit einer Analyse der Wahltendenzen in Lateinamerika, für welche sie drei verschiedene Bereiche betrachtete: Zuallererst seien die veränderten Formen des Wahlkampfes und -prozesses zu berücksichtigen, welche vor allem durch die sozialen Netzwerken entstanden seien. Dazu gehört nicht nur die neue Art und Weise, wie heutzutage Wahlkampagnen betrieben werde, sondern auch wie Debatten geführt werden. Diese seien von Meinungen und Polarisierung geprägt, anstatt von Informationen und Argumenten. Zweitens gäbe es drei Themen, welche die politischen Diskurse und Wahlprogramme in der gesamten Region bestimmen würden: Korruption, Sicherheit und Wirtschaftswachstum. Als dritten Bereich müsse das Verhalten der Bürger betrachtet werden und die Tendenz zur Ablehnung etablierter Parteien, welche geschichtlich jedoch nicht neu sei. Hierbei sei vor allem der Gebrauch der Sprache und die Rhetorik des sogenannten Anti-Establishments ein bedeutender Aspekt. Gonzáles erinnerte daran, dass die - in der Öffentlichkeit als „Outsider“ auftretenden Politiker - López Obrador und Jair Bolsonaro auch im Rahmen des traditionellen politischen Parteiensystems erzogen wurden.

Fernando Nieto, Forschungsprofessor am Colegio de México und CEO von Broccoli Consultants, begann seinen Vortrag mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Darauf aufbauend entwickelte er Ideen, wie angehende Politiker und Staatsdiener auf die neuen Probleme und die gestiegenen Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger reagieren müssten. Seiner Meinung nach sei es erforderlich neue Fähigkeiten zu entwickeln und neue Rollen einzunehmen, ohne jedoch die altbewährten Kompetenzen zu vernachlässigen. Im Angesicht des wachsenden Misstrauens gegenüber dem öffentlichen Sektor bräuchte es eine ethische Führung und bürgernahe Politiker, welche kreative Wege finden, um mit den wenigen Mitteln - einer andauernden restriktiven Fiskalpolitik - die gestiegenen Erwartungen befriedigen können.

Die letzte Referentin des Tages Norma Ruiz, Programmleiterin am International Republican Institute, bot den Teilnehmenden eine Einführung in die Situation der demokratischen Regime in Lateinamerika und die Herausforderungen, mit denen diese sich konfrontiert sehen. Anschließend präsentierte sie Merkmale autoritärer Führungsformen und suchte anhand dieser zusammen mit den Teilnehmenden Anwendungsbeispiele aus der lokalen und regionalen Politik. Für Ruiz sei es wichtig diese als „Warnsignale“ zu erkennen und die Demokratie sowie die politischen Parteien als "Träger der Demokratie" zu schützen.

Es war eine erfolgreiche Veranstaltung mit angeregten Diskussionen zu Themen, welche in ganz Mexiko und Lateinamerika von Relevanz sind und dank der begrenzten Teilnehmerzahl erfolgte ein offener Austausch von Anliegen, Anregungen und Ideen.

Ansprechpartner

Natalia Arriaga

Natalia  Arriaga Garduño bild

Projektmanagerin

natalia.arriaga@kas.de +52 55 5566 4599

Über diese Reihe

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