Veranstaltungsberichte

Sollte der Westen auf Assad setzen?

von Klaus Jochen Arnold
Prof. Martin van Creveld zu Gast in Potsdam.

Der weltweit renommierteste Militärhistoriker, Prof. Martin van Creveld aus Israel, sprach auf Einladung des Bildungswerks, der Landesgruppe Brandenburg des Reservistenverbandes und der Sektion Potsdam der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik im Le Manege.

Prof. van Creveld gab zunächst einen Überblick zu den „neuen Kriegen“ der letzten Jahrzehnte, die in verschiedene Kategorien einzuordnen seien. Kriege zwischen Staaten seien inzwischen, u.a. aufgrund der Bedrohung durch Kernwaffen, eher selten geworden, und die Unterscheidung zwischen Regierung (Politik), Armee und Bevölkerung, wie sie Carl von Clausewitz vorgenommen habe, heute obsolet. Kriege werden ohne Fronten und ohne Rücksicht darauf geführt, wer als Kombattant und wer als Zivilist zu gelten hat. Der Krieg in Syrien sei ein Beispiel für die Art der neuen Kriege, allerdings dominiere diese Form der Kriegsführung weltweit seit zwanzig Jahren.

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Guerillakriege haben alle gut gerüsteten Armeen trotz ihrer militärischen Überlegenheit fast immer verloren, ein Beispiel sei der Einsatz von 600000 amerikanischen Soldaten in Vietnam, der die Niederlage gleichwohl nicht verhindern konnte. Vietnam sei, so Prof. van Creveld, nahezu als Genozid zu bezeichnen - dem Krieg fielen 55000 US-Soldaten und über 2,5 Millionen Vietnamesen zum Opfer. Diese Art der Kriegsführung nehme keine Rücksicht auf die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten. Entsprechendes sei für den Krieg der Sowjetunion in Afghanistan festzustellen.

Militärs würden anschließend klagend Gründe benennen, warum sie scheitern mussten: Unklare Vorgaben der Politik, ungenügende militärische Mittel oder ausländische Unterstützung für den Gegner. Tatsächlich sei jedoch der wesentliche Grund für die Niederlage die Demoralisation der Soldaten der weit überlegenen Mächte. Denn im Kampf Stark gegen Schwach würde am Ende der Überlegene entweder als Verbrecher gelten, weil er rücksichtslos vorgegangen sei und auf diese Weise den Sieg errungen habe; oder als Idiot, weil er gegen einen unterlegenen Gegner eine Niederlage erlitten habe.

Angesichts der auch in Europa wachsenden sozialen, ethnischen und religiösen Konflikte, etwa jüngst in London oder Schweden, warnte Prof. van Creveld, dass es in einer Generation denkbar wäre, daß es auch in Europa neue Formen von „Hugenottenkriegen“ geben könnte – Auseinandersetzungen, die zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen geführt werden. Mit Blick auf die aktuelle Situation im syrischen Bürgerkrieg plädierte er dafür, pragmatische Wege zu gehen. Allein der syrische Präsident Assad sei in der Lage, das Land vor einem völligen Zusammenbruch zu bewahren, der Chaos in der Region bewirken und ein Blutbad zur Folge haben könnte.

Mit Bezug auf die aktuellen Debatten um die Anschaffung von Drohnen in Deutschland empfahl Prof. van Creveld, bereits weltweit erfolgreich operierende Modelle zu kaufen, keine eigenen zu entwickeln. Kriege der Zukunft werden wesentlich durch unbemannte Waffensysteme geführt werden, vor allem im Wasser sowie in der Luft. Auf dem Land sei der Einsatz von Drohnen abhängig vom Gelände und den Zielen, die erreicht werden sollen. Drohnen und automatische Systeme werden Soldaten dort zukünftig stärker noch im Kampf unterstützen, als das heute bereits der Fall sei.

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