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Steiniger Aufstieg voraus :: Wirtschaftsprognose Uruguays 2017

von David Brähler
Nach dem abrupten Ende der goldenen Wachstumsjahre zu Beginn des 21. Jahrhunderts tut sich Uruguays Wirtschaft seit 2014 schwer, wieder in Schwung zu kommen. Besonders tiefsitzende strukturelle Probleme verhindern eine neue Dynamik, wie der Ökonom Ignacio Munyo in einer Abendveranstaltung in Punta del Este ausführte.

Kristin Wesemann, die Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Uruguay beschrieb in ihren Begrüßungsworten die Auswirkungen wirtschaftlicher Verschlossenheit. „Uruguay ist in Deutschland kaum bekannt. Über diplomatische Bemühungen, wie den Besuch von Staatspräsident Tabaré Vázquez in Deutschland Anfang Februar hinaus, koenne dazu vor allem eine offene Wirtschaft beitragen“, so Wesemann.

In seiner Analyse ging der an der Universität von Montevideo lehrende Munyo auf externe und interne Faktoren wirtschaftlichen Wachstums ein. Nach eineinhalb Jahren Flaute seien in den beiden letzten Quartalen des Jahres 2016 sowohl der Verkauf von Autos, die Importe, als auch das Vertrauen der Konsumenten gestiegen, um nur einige Stichproben für ein moderates Anziehen der Wirtschaft zu nennen.

Im Hinblick auf externe Faktoren herrsche eine große Unsicherheit vor. Gemäß Munyos Einschätzungen bedingten sie 65 Prozent der uruguayischen Wirtschaftsaussichten. Als ersten entscheidenden externen Faktor nannte Munyo die starke Abhängigkeit Uruguays vom internationalen Dollarkurs. Die Kurspolitik der amerikanischen Zentralbank sowie das zukünftige Verhalten Donald Trumps hätten große Auswirkungen auf das kleine Land. Experten erwarteten eine Kurssteigerung des uruguayischen Peso auf bis zu 32,5 Peso pro US-Dollar gegen Ende des Jahres.

Die Rohstoffpreise uruguayischer Primärwaren wie Fleisch, Soja oder Zellulose seien 2016 durchweg gestiegen. Mit gewisser Stabilität werde Uruguay auch 2017 seine Lebensmittel beispielsweise auf den chinesischen Markt bringen können. Der Rohölmarkt befinde sich seit 2014 weiterhin in einem Konkurrenzkampf und werde die Preise in 2017 ebenfalls wohl moderat wachsen lassen.

Als dritter externer Faktor beeinflusst die Situation der direkten Nachbarn das Land am Rio de la Plata. Einerseits paralysierten die nicht enden wollenden Korruptionsskandale Brasiliens Politik und Wirtschaft und verhagelten das Geschäft mit Uruguay, betonte der Ökonom. Andererseits habe der argentinische Präsident Mauricio Macri seine Wachstumsversprechen bisher nicht so schnell einlösen können, wie versprochen. In der langfristigen Wechselkursbeobachtung zwischen beiden Ländern profitiere das billige Uruguay jedoch gerade von den argentinischen Touristen.

Ein Blick auf die internen Faktoren des uruguayischen Wachstums offenbare zunächst stabile makroökonomische Parameter. Ein geringes wirtschaftliches Risiko ähnlich dem Perus und ein solventes und solides Banken- und Finanzsystem setzten die lange Tradition von Solidität fort. Mit dem Anstieg des Dollars müsse für Uruguay aber auch ein Anstieg der Inflation von 8,1 auf bis zu 9 Prozent erwartet werden. Wesentlich deutlichere Hausaufgaben bestünden im Bereich der Staatsunternehmen und öffentlichen Ausgaben, wie Munyo ausführte. Seit 2006 seien die öffentlichen Ausgaben leider größer als die Einnahmen. Zwischen 2012 und 2015 sei das Defizit insgesamt um 30 Prozent gewachsen. Das für 2017 erwartete jährliche Defizit dürfte mit 3,7 Prozent abermals höher liegen als mit 3,5 Prozent im vergangenen Jahr. Das strukturelle Problem der aufgeblähten Staatsunternehmen sei ohne politischen Willen nicht in den Griff zu bekommen: „Die Titanic fährt einfach weiter, ohne, dass sie jemand stoppen könnte“, so Munyo zur Tatsache, dass alle großen Staatsunternehmen ihre Ausgaben in 2016 abermals gesteigert hätten, ohne mehr zu erwirtschaften. Dabei sei gemäß einer Studie in keinem Land Lateinamerikas die Qualität der Staatsunternehmen schlechter als in Uruguay.

Uruguay sei ein teures Land – nach neuesten Berechnungen etwa 20 Prozent teurer als es sein sollte. Als Forderung formulierte Munyo deshalb den Abbau von Produktivitätshindernissen wie die schlechte Bildung, die Staatsausgaben - anteilig am BIP - sowie die mangelnde Einbindung in internationale Märkte und die überbordende Arbeitsmarktregulierung.

„Wie sieht der Trump-Effekt in der Wirtschaft aus?“, fragte der Ökonom in die Runde. Donald Trump sei als Unternehmer an bilateralen Verträgen interessiert und kein Freund von multilateralen Abkommen. Da Uruguay den Vereinigten Staaten bei kaum etwas in die Quere komme, könne dies sogar positive Effekte haben. Im Finanzsektor stiegen dagegen auch für Uruguay die Kreditraten und Zinsen. In der Konsequenz sollte für Uruguay deshalb einerseits den Mercosur ignorieren und eigenständige Abschlüsse zu versuchen. Andererseits gelte es, die Bedingungen für externe Investitionen weiter zu verbessern. Ohne Kapitalflüsse von außen komme Uruguay nicht vom Fleck.

Insgesamt dämpften diese Daten die Wachstumsaussichten auf ein moderates 1,6 Prozent für das noch junge Jahr 2017. Mit Daron Acemoglu formulierte Munyo: „Arme Länder sind arm, weil diejenigen, die sie regieren, Entscheidungen treffen, die Armut schaffen.“ Viel hänge von außen, aber nicht weniger auch von Uruguay selbst ab, um einen neuen Wachstumsimplus zu setzen.

Das vom argentinischen Think Tank Cadal (Zentrum für Öffnung und Entwicklung Lateinamerikas) und der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. organisierte Forum entwirft jährlich eine wirtschaftliche Prognose für Uruguay.

Über diese Reihe

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