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Veranstaltungsberichte

Wahlkampagnen im Zeitalter von Digitalisierung und sozialen Medien

von Patricia Liberatore

Diskussionsveranstaltung des Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Italien

In den letzten Jahrzehnten nahm die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen stetig ab. Bei den ersten Europawahlen im Jahr 1979 gaben noch ca. 60 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab – im Jahr 2014 waren es nur noch ca. 40 Prozent. Hinzu kommt, dass das Verhalten der Politiker und der Wähler heute stark durch die sozialen Medien und die Digitalisierung beeinflusst sind. Wie stark sich diese Veränderungen auf die Politik und das Wählerverhalten auswirken, wurde am 8. Mai 2019 im Rahmen des Rundtischgesprächs „Wahlkampf im Zeitalter der fast politics“ erörtert und diskutiert.

Unter den anwesenden Referenten war u.a. Marco Cacciotta, Professor für öffentliche und politische Kommunikation an der Universität Turin sowie Autor des Buches „Il nuovo marketing politico (Das neue politische Marketing)“, welches im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurde. Cacciotta stellte unter anderem fest,  dass der durchschnittliche Wähler sich heutzutage nur eine Minute pro Tag mit Politik beschäftigt. Ferner bildet seit 1993 keine Partei in Italien mehr ihre eigenen Politiker aus.

Philipp Kardinahl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Politische Kommunikation der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, bestätigte die geringe tägliche Befassung mit Politik auch für den deutschen Durchschnittsbürger und stellte fest, dass die grundsätzlich als wichtig erachteten Themenfelder, insbesondere in der Generation der jetzigen Erstwähler, über Parteigrenzen hinweg nahezu identisch seien, zum Beispiel bezüglich der Bedeutung von Umweltfragen oder der Digitalisierung. Die immer stärkere Personalisierung der Kommunikation von Politikern, insbesondere durch die Nutzung sozialer Medien, mache die Vermittlung komplexer, politischer Inhalte aber zunehmend schwieriger und führe zu einer immer weiteren Entfernung zwischen Politiker und Wähler.

Die Einmischung ausländischer Kräfte in Wahlkämpfe in Europa, vor allem durch Russland sei besorgniserregend, so Alberto Castelvecchi, Professor für Public Speaking und Kommunikationsstrategien an der Universität LUISS in Rom. Castelvecchi spricht in diesem Zusammenhang gar von einer „Russifizierung“, da Russland rechtspopulistische Parteien in ganz Europa unterstütze. Es kommt in diesem Rahmen zu digitalen Push-Maßnahmen, wie beispielsweise „Bashing“, die gezielte Emotionen auslösen. Was improvisiert aussieht, ist in der Realität ein organisiertes „social engineering“.

Andrea Camaiora, Gründer und CEO von The Skill übernahm die Moderation der Veranstaltung.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Positionen zu Europa“, einem Veranstaltungszyklus mit dem die Konrad-Adenauer-Stiftung in Italien die Debatte über europäische Themen beleben und deutsche und europäische Positionen vorstellen und diskutieren möchte. Ziel ist es, den Meinungsaustausch zwischen deutschen und italienischen Experten sowie politischen Entscheidungsträgern zu fördern und damit zu einer Stärkung des europäischen Integrationsprozesses beizutragen. Dahinter steht der Gedanke, dass ein starkes Europa nur möglich ist, wenn wir Themen die die Zukunft der Europäischen Union betreffen, auch gemeinsam diskutieren.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.