KAS/Max Unterharnscheidt

Veranstaltungsberichte

„Was aus Europa wird, entscheiden wir selbst!“

von Saskia Gamradt

Auf dem PolitikTag zur Europawahl, einer Tagung des Regionalbüros Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, skizzierten Studierende und Schüler in Aachen ihr Europa der Zukunft

„Sie sind die erste Generation, die wie selbstverständlich wählen gehen kann“, richtete Prof. Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemaliger Bundestagspräsident, seine Worte zur Eröffnung am Dienstag im Aachener Rathaus an die jungen Teilnehmer.

Er unterstrich die Bedeutung der Wahlen zum Europäischen Parlament, das erst seit 40 Jahren direkt von den EU-Bürgern gewählt wird. Das Recht dazu habe man sich erkämpfen müssen, so Lammert. Er bedauerte, dass sich in der jungen Generation inzwischen ein Gefühl der Selbstverständlichkeit gegenüber Europa eingeschlichen habe, das nicht dazu motiviere, zur Europawahl zu gehen. Es liege aber nicht an mangelnden Angeboten in Europa. „Die europäische Welt ist so vielfältig wie nie.“ Und er betonte: „Was aus Europa wird, entscheiden wir selbst!“

In Zeiten einer sich schnell wandelnden Welt und der Globalisierung warnte Lammert vor den Folgen eines Souveränitätsverlustes der einzelnen Nationalstaaten. Dies gelte insbesondere für die EU-Staaten, die sich aber ab und an in „kindlichen Vorstellungen“ des nicht teilen-Wollens verzettelten, kritisierte er. „Doch indem sie ihre Souveränität teilen, können sie noch großen Einfluss auf das Weltgeschehen behalten.“ Herausforderungen wie der Klimawandel, die Migrationsströme, die Digitalisierung oder der internationale Terrorismus könnten nur mittels Einheit und Zusammenhalt der europäischen Staaten bewältigt werden.

Zuvor hatte Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen, daran erinnert, dass im Krönungssaal des Rathauses bereits vor 1.200 Jahren über Europa gesprochen wurde – und zuletzt bei der Unterzeichnung des Vertrags von Aachen zwischen Frankreich und Deutschland. Er nannte die „Euregio Maas-Rhein“, in der Deutschland, Belgien und die Niederlande aneinandergrenzen, als Beispiel dafür, wie Europa im Alltäglichen gelebt werde. „Es gibt eine junge Generation, die nicht mehr in nationalen Grenzen denkt“, sagte Philipp – und zeigte sich hoffnungsvoll in Bezug auf die Zukunft Europas. Es entstehe ein gemeinsames Europa, wenn Möglichkeiten der Begegnung geschaffen würden und Bürger sich engagierten.

Die Chance zum Austausch in der anschließenden Podiumsdiskussion nutzten auch die beiden Vertreter aus Belgien und Frankreich zusammen mit Lammert. Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, pflichtete dem Aachener Oberbürgermeister bei, dass die Grenzregion ein Gewinn für alle sei. „Belgien wäre ohne EU nicht lebensfähig“, sagte er. Für ihn bedeute Europa mehr Lebensqualität, Arbeitsplätze und auch grenzüberschreitende Lebensrettung im medizinischen Bereich. Für ein gelingendes Europa brauche es eine Vision, erklärte Dr. Olivia Berkeley-Christmann. Die Generalkonsulin der Französischen Republik befürwortete den impulsgebenden, aber auch kämpferischen Ansatz ihres Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Sie forderte, dass die deutsch-französische Freundschaft weiterentwickelt werden müsse, zum Beispiel durch Schüleraustausche, Städtepartnerschaften oder grenzüberschreitende Mobilität von Studierenden und Auszubildenden.

Wie sehr dafür demokratische Strukturen erforderlich sind, verdeutlichte danach der Historiker und Journalist Ingo Espenschied in einem multimedialen Vortrag über die Entstehung und Funktion des Europäischen Parlaments. „Wir brauchen ein demokratisches Europaparlament, wenn wir ein starkes Europa haben wollen“, sagte er und bezeichnete es als „politischen Selbstmord, wenn wir uns abschotten“. Daher appellierte er an die jungen Europäer im Saal, ihre Stimme bei der Europawahl abzugeben.

Ganz unter dem Eindruck bewegender historischer Bilder und Videoszenen aus Straßburg, diskutierten die rund 100 Studierenden und Schüler anschließend in sieben Workshops darüber, in welchem Europa sie in Zukunft leben wollen. Sie wählten dafür literarische Ansätze oder näherten sich psychologisch dem Thema an; forderten neue Wege der Zusammenarbeit im Bereich Digitalisierung und sprachen über die Folgen des Brexits.

„Wir jungen Menschen müssen wählen gehen“, resümierte zum Abschluss eine der Studierenden. Sie als politisch Interessierte sehe ihre Aufgabe darin, Desinteressierte oder auch Europaskeptiker für die Europawahl zu mobilisieren. „Wir müssen aus unserer Filterblase heraustreten und andere zur Wahl motivieren.“

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Simone Habig

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