Veranstaltungsberichte

Wenige Rumänen halten Medien für unabhängig

von Christian Spahr
Pressekonferenz des Medienprogramms Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und des Center for Independent Journalism (CIJ)

Die Medienexperten von KAS und CIJ haben auf einer Pressekonferenz am 27. Februar 2014 in Bukarest eine Meinungsumfrage zum Vertrauen der Rumänen in die Medien und eine Studie zur politischen Berichterstattung vorgestellt.

Nur 20 Prozent der Rumänen glauben an unabhängige Medien. Das ergab die Umfrage des unabhängigen Instituts Market Links im Auftrag der KAS, bei der rund 1.000 Erwachsene über das Internet befragt wurden. Die Stichprobe ist repräsentativ für alle Alters- und Bevölkerungsgruppen. 52 Prozent bestreiten explizit, dass die Medien unabhängig sind. Jeder Vierte ist unentschieden.

"Die Akteure der rumänischen Medienlandschaft haben jetzt ein gemeinsames Interesse, das Image der Branche zu verbessern", sagte Christian Spahr, Leiter des KAS-Medienprogramms Südosteuropa.

Für 52 Prozent der Rumänen ist das Fernsehen die wichtigste Informationsquelle für Politik, immerhin 29 Prozent nennen das Web, aber nur 7 Prozent die Zeitungen. Auch inhaltlich werden TV-Sender am besten bewertet. So sagen 67 Prozent, das Fernsehen helfe ihnen, Politik und Wirtschaft zu verstehen; 50 Prozent behaupten das vom Internet und 33 Prozent von den Zeitungen. "Vor allem für die Printmedien ist der Befund ein Alarmsignal", analysiert Spahr, "die Zeitungen müssen im Wettbewerb mit TV und Internet konsequent auf Qualität setzen, um für die Menschen relevant zu bleiben."

Das umfangreiche Monitoring der politischen Berichterstattung, das ebenfalls im Auftrag der KAS von Market Links durchgeführt wurde, zeigt die Medienpräsenz und Beliebtheit von Politikern und Parteien. Dafür wurden 3.375 politische Nachrichten von vier TV-Sendern (Antena 1, PROTV, Realitatea, TVR1) und vier Tageszeitungen (Adevarul, Evenimentul Zilei, Jurnalul National, Romania Libera) anaylsiert (September – Dezember 2013).

Meistgenannter Politiker ist der sozialdemokratische Regierungschef Victor-Viorel Ponta, gefolgt von Staatspräsident Traian Băsescu, der auf 23 Prozent weniger Nennungen kommt. Crin Antonescu, Chef der Nationalen Liberalen Partei (PNL), hat die drittstärkste Medienpräsenz und kommt auf halb so viele Nennungen wie Ministerpräsident Ponta. In den acht analysierten Medien wird Ponta allerdings deutlich kritischer gesehen als Antonescu und Băsescu. Obwohl Băsescu als Person seltener erwähnt wird als Ponta, waren seine inhaltlichen Standpunkte häufiger Gegenstand der Berichterstattung als die Positionen des Regierungschefs.

Das bisher regierende Parteienbündnis Sozial-Liberale Union (USL) ist die meistgenannte politische Gruppierung. Etwas weniger oft wird die Sozialdemokratische Partei (PSD) als einzelne Partei erwähnt, mit geringem Abstand folgt die Nationale Liberale Partei (PNL), danach die oppositionelle Demokratisch-Liberale Partei (PD-L). Alle drei genannten Parteien wurden eher negativ dargestellt, die PNL aber weniger kritisch als PSD und PD-L.

Nach der Pressekonferenz waren die Ergebnisse Thema einer Podiumsdiskussion mit CIJ-Geschäftsführerin Ioana Avadani, Ion Ionita, Leitender Redakteur der Tageszeitung Adevarul, und Gelu Trandafir, Kommunikationschef von Freedom House Rumänien.

Mehr zur Pressekonferenz hier. Die Ergebnisse des Medienmonitorings und der Umfrage stehen auch online zur Verfügung.

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Rumänien Rumänien