Veranstaltungsberichte

Wider das Vergessen

Ausstellungseröffnung in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung

Achtzig Jahre nach der Bücherverbrennung durch die Nazis hat in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung die Ausstellung „Verbrannte Bücher – von den Nazis verfemte Schriftsteller“ eröffnet.

Auf großen Informationsstelen wird an bekannte Autoren wie Erich Kästner und Kurt Tucholsky erinnert, aber auch an fast vergessene Autoren, wie Ernst Toller oder Maria Leitner. Sie alle waren unter den mehr als 130 Autoren, deren Werke von den Nazis verbrannt wurden. Goebbels Ziel und das Ziel all derjenigen, die die Bücher in die Flammen warfen sei es gewesen, dass die Autoren aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden sollten, sagte Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Und auch der Autor René Schickele befürchtete damals: „Wenn es Goebbels gelingt, unsere Namen von den deutschen Tafeln zu löschen, sind wir tot. Schon die nächste Generation wird nichts mehr von uns wissen.“ Rosh sagte: „Das haben sie nicht geschafft!“ Auch wenn viele Autoren damals ihr Publikum, ihre Heimat, manche ihr Leben verloren hätten, würden viele heute wieder gelesen. „Mit dieser Ausstellung wollen wir alle Autoren, deren Bücher damals verbrannt wurden, dem Vergessen entreißen!“

Kurz nach der „Machtübertragung im Jahr 1933“, wie Rosh die Machtergreifung durch die Nazis bezeichnete, habe die Verfolgung anders gesinnter Schriftsteller zugenommen. Am 10. Mai 1933 sei der Wahnsinn eskaliert, als auf dem Opernplatz in Berlin und 21 weiteren Universitätsstädten Scheiterhaufen errichtet wurden. Die Werke von Erich Maria Remarque, Heinrich Mann, Anna Seghers und vielen anderen Autoren wurden den Flammen preisgegebenen. Die Stimmung habe an ein Volksfest erinnert, mit Würstchenverkauf und Freude am Feuer in der Dunkelheit, zitierte Rosh den Autor von „Das Buch der verbrannten Bücher“ Volker Weidermann, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Alle hätten geklatscht, niemand habe protestiert. „Eine Schande für dieses Land“, sagte Rosh.

Die Deutsche Studentenschaft hatte das Spektakel organisiert, ein Zusammenschluss aller Studentenausschüsse, der ab 1933 von den Nationalsozialisten dem Führerprinzip entsprechend gleichgeschaltet wurde. Selbst Joseph Goebbels habe kaum glauben können, dass sich die Studenten und Professoren bereitwillig daran beteiligten, wie die Bücher der geistigen Elite verbrannt wurden, sagte Rosh. Es sei ein Kulturbruch gewesen, sagte auch Andreas Kleine-Kraneburg, Leiter der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung „Ein Menetekel für all das, was nach 1933 noch folgen sollte.“

Die vom Verein „Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ initiierte Ausstellung eröffnete am Vorabend der Preisverleihung des sogenannten Denktages der Konrad-Adenauer-Stiftung, einem alle zwei Jahre ausgeschriebenen Jugendwettbewerb gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. So war die Hälfte der 310 Gäste Schüler aus ganz Deutschland. Der Denktag diene dem Erinnern und Nachdenken, sagte Kleine-Kraneburg. Den Künstlern und Autoren, die mit ihren Werken der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer fielen, sei die Ausstellung daher gewidmet. „Wider das Vergessen der Gräuel des Dritten Reiches“, sagte er.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Februar in der Akademie zu sehen. Sie hat von Montag bis Donnerstag zwischen 8:30 Uhr und 19 Uhr geöffnet, an Freitagen zwischen 8:00 Uhr und 15:00 Uhr.

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Berlin Deutschland