Veranstaltungsberichte

Workshop “Die aktuelle Internationale Wirtschaftspolitik (EPI) in Lateinamerika”

Gemeinsam mit der Fakultät für Politikwissenschaft, Regierung und Internationale Beziehungen der Universidad del Rosario organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien KAS den Workshop zum Thema “Die aktuelle Internationale Wirtschaftspolitik (EPI) in Lateinamerika”. Dabei hatten Experten aus der Region die Möglichkeit, Erfahrungen und Meinungen zum Thema auszutauschen.

Am 3. November haben Vertreter der KAS an der Eröffnung des Workshops zur aktuellen Lage der Internationalen Wirtschaftspolitik in Lateinamerika (EPI) in der Universidad del Rosario teilgenommen. Referenten waren anerkannte Experten von Universitäten aus Kolumbien, Argentinien, Brasilien und Ecuador.

Die Dekanin der Fakultät für Politikwissenschaften, Regierung und Internationale Beziehungen, Mónica Pachón eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Teilnehmer. Anschließend bezeichnete die Projektkoordinatorin der KAS, Margarita Cuervo in ihren Grußworten die Initiative als gute Gelegenheit, Brücken zwischen der Akademie und der Politik zu schlagen, was auch ein wichtiges Ziel der Arbeit der Stiftung sei.

Es folgte der Einführungsvortrag der Direktorin der Abteilung Internationale Beziehungen der FLASCO Argentinien, Diana Tussie. Sie betonte, wie wichtig es sei, eine gemeinsame lateinamerikanische Denkweise zu entwickeln und dem Studium der Internationalen Wirtschaftspolitik mehr Identität als eigenständige Disziplin zu verschaffen.

Abschließend schlug sie vor, unterschiedliche Sichtweisen lateinamerikanischer Akademiker unter Berücksichtigung der Besonderheiten des jeweiligen Landes zusammenzuführen, da sie in ihren Grundzügen sehr ähnlich seien.

In der anschließenden Fragerunde wurde vor allem das Verhältnis zwischen den Disziplinen Internationale Beziehungen, Internationale Wirtschaftspolitik und der Politikwissenschaft sowie anderer Wissenschaftszweige analysiert und die Notwendigkeit eines interdisziplinären Dialogs betont.

Der Workshop des zweiten Tages wurde von Prof. Ralf Juan Leiteritz von der Universidad del Rosario moderiert. Dabei betonte Leiteritz wie wichtig es sei, Akademiker aus der gesamten Region zusammenzubringen, um dadurch das Wissen auf dem Gebiet der Internationalen Wirtschaftspolitik in Lateinamerika durch praxisnahe Erfahrungen der einzelnen Länder zu erweitern und zu bereichern.

María Mercedes Prado von der Universidad Católica de Ecuador untersuchte in ihrem Vortrag den Integrationsprozess in Lateinamerika mit Hilfe von Faktoren wie Wirtschaftsbeziehungen und Einrichtung gemeinsamer Institutionen. Dabei kam sie zum dem Schluss, dass die Integration in der Region noch nicht effizient genug funktioniere, weil die Handelsbeziehungen nur unzureichend genutzt würden und die Beschlüsse der einzelnen Institutionen nicht für alle Länder verbindlich seien.

Jean-Marie Chenou von der Universidad de los Andes stellte seine Sicht der Internationalen Wirtschaftspolitik im digitalen Zeitalter vor. Dabei wies Chenou darauf hin, dass wir momentan einen noch nie dagewesenen technischen Fortschritt erleben. Er stellte auch die Kontrolle über die Technologie in Frage vor allem im Hinblick auf die Macht, die das internationale System darstelle.

Anschließend analysierte Germán Camilo Prieto von der Universidad Javeriana das aktuelle lateinamerikanische Wirtschaftsmodell angesichts der Internationalen Wirtschaftspolitik. Dabei kritisierte er vor allem, dass ein neoliberales Modell die Ausbeutung von Rohstoffen und die Abhängigkeit von ausländischen Investitionen fördere. Diese Investitionen kommen seiner Ansicht nach allerdings nicht dem produktiven Sektor zugute sondern denjenigen, die Rohstoffen abbauen und dadurch einen regelrechten Teufelskreis begründen, der die Wirtschaftsentwicklung in lateinamerikanischen Ländern behindere.

Die folgende Expertenrunde, an der Professoren und Studenten der Universidad del Rosario teilnahmen, wurde mit der Frage des Professors der Universidad Externado, Florent Frasson eröffnet, ob wirklich ein Interesse von Seiten der Akademiker bestehe, sich von den Theorien einer Internationalen Wirtschaftspolitik westlicher Prägung zu lösen und eigene Erkenntnisse zu schaffen, die mehr der Realität der Region entsprächen.

Man diskutierte auch über die internationale Wirtschaftspolitik im Fall Brasilien und über den Begriff der “Insertion” aus lateinamerikanischer Sicht. Es wurde empfohlen, die Probleme und Vorzüge der Region mehr zu berücksichtigen; die Internationale Wirtschaftspolitik für Lateinamerika dürfe nicht durch einen ausländischen Fokus geprägt sein, sondern müsse in der Region selbst konstruiert werden.

Über diese Reihe

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