Veranstaltungsberichte

Zeitenwende in der politischen Kommunikation

Prof. Korte eröffnet 12. IKPK

Angesichts immer knapper werdender Zeitressourcen für immer komplexere Entscheidungen sieht der renommierte Politikwissenschaftler Professor Karl-Rudolf Korte die politische Kommunikation vor einer Zeitenwende. „Wir leben in einer Aufregungsdemokratie, die eine andere Art der Kommunikation erforderlich macht. Die Welt tritt aufs Gaspedal, und wir sind dabei“, so Korte zur Eröffnung der 12. Internationalen Konferenz für politische Kommunikation.

Als eine Art Echokammer des Zeitgeistes erkundeten Kampagnenmanager und Kommunikationsprofis zwei Tage lang erneut aktuelle Trends. Die laut Veranstalter „größte Workshopkonferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung“ steht dabei in diesem Jahr ganz im Zeichen neuer Herausforderungen für die Politikvermittlung, die insbesondere durch die fortschreitende Digitalisierung entstehen.

Korte stellte die 300 Zuhörer in der Berliner Akademie darauf ein, dass politische Kommunikation marktabhängiger als früher sein wird. In einer Demoskopie-Demokratie wie in Deutschland, die 50 Prozent Wechselwähler aufweise, würden wählerische Wähler Wahlentscheidungen unvorhersehbar machen. Erst recht, weil ein Wähler- und Koalitionsmarkt entstanden sei, bei dem unklar sei, was mit einer Wählerstimme geschehe. „Wer in Thüringen SPD gewählt hat, kann Frau Lieberknecht bekommen oder aber Herrn Ramelow“, so Korte.

Weiter zeigte sich Korte besorgt darüber, dass politische Entscheidungen zu exekutivlastig würden. Immerwährende Gipfel, oder wie Korte sie nannte „perpetuierte Wiener Kongresse“, beförderten eine gewisse Depolitisierung. Das sei in Deutschland besonders fatal, weil hier die politische Kultur anfällig für eine Exekutivausrichtung sei. Die Qualität der Demokratie gerate in Gefahr, wenn die Politik nur noch auf Sicht fahre und breite parlamentarische Debatten, der Austausch von Positionen zwischen Entscheidungs- und Deutungseliten, ausblieben.

Chancen für die politische Kommunikation sieht Korte im Pathos und beim Einsatz von Emotionen. „Wenn alles extrem entfeindet ist, alles auf Durchwursteln aus ist und Personen als wandelndes Understatement zwischen uns leben, dann steigt die Sehnsucht nach starken Entscheidern“, sagte Korte. Negativer Ausdruck seiner These seien die Erfolge der Populisten, die sehr stark auf Emotionen setzen. Ein positives Beispiel wiederum sei Bundespräsident Joachim Gauck. Er stelle allein schon mit seiner stark emotional aufgeladenen Sprache einen Gegenpol dar. „Emotionen“, so Kortes Fazit, „sind bisher eine unterschätzte Ressource.“

Traditionell wird bei der IKPK auch ein Blick in die USA geworfen. Am zweiten Tag standen daher insbesondere der Einsatz von Big Data und die anstehenden Midterms im Fokus.

Weitere Zusammenfassungen der einzelnen Panels sowie Videomitschnitte finden Sie in Kürze an dieser Stelle.

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Prof. Karl Rudolph Korte KAS

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Berlin Deutschland