Veranstaltungsberichte

“Zusammenarbeit ist wichtiger denn je”

von Norbert Eschborn

KAS-Vorsitzender Prof. Dr. Norbert Lammert eröffnet Auslandsbüro Kanada

Mit einem eindringlichen Plädoyer zugunsten des Multilateralismus in den internationalen Beziehungen hat der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert, am 9. Oktober 2019 in Ottawa das Auslandsbüro Kanada der Stiftung eröffnet.

Lammert, der im Rahmen einer Nordamerika-Reise mit den Stationen Chicago und Washington, DC auch nach Ottawa gekommen war, traf dort mit dem in der kanadischen Hauptstadt ansässigen Mitgliedern des diplomatischen Korps sowie zahlreichen Vertretern von Universitäten, Think Tanks und weiteren Forschungseinrichtungen zusammen. Briefings zur aktuellen politischen Lage in Kanada, wo am 21. Oktober ein neues Unterhaus gewählt wird, waren ebenfalls Bestandteile des Besuchsprogramms.

Gäste der offiziellen Zeremonie zur KAS-Büroeröffnung am 9. Oktober 2019 in Ottawa
Gäste der offiziellen Zeremonie zur KAS-Büroeröffnung am 9. Oktober 2019 in Ottawa

Im Rahmen zweier Veranstaltungen zu den Themen „Die Zukunft des Multilateralismus“ und „Internationale Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert“ erläuterte der Stiftungsvorsitzende die Beweggründe für die Eröffnung eines eigenen Auslandsbüros in Kanada, einem Land, das bis jetzt vom Auslandsbüro USA der KAS in Washington, DC mitbetreut wurde. Unter anderem wies er darauf hin, dass die Stiftung damit dem Umstand Rechnung trage, dass die Bedeutung der engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Kanada und Deutschland sowie Kanada und der Europäischen Union seit Jahren zunehme. Deutschland und Kanada vertreten auf internationaler Ebene in den Bereichen Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Konfliktbewältigung, Sicherheit, Umwelt und Klimawandel gleiche Werte und Interessen. Beide Länder setzen sich intensiv für den Erhalt und Ausbau eines auf Regelnden basierenden internationalen Systems ein.

Norbert Lammert erinnerte in seinen Ausführungen daran, dass auf den Tag genau vor 30 Jahren in Leipzig eine historische Montagsdemonstration stattgefunden habe, in deren Nachgang die Teilung Deutschlands und Europas überwunden worden seien. Der amerikanische Politikwissenschaftler Frances Fukuyama habe in seinem 1992 erschienenen Buch „Das Ende der Geschichte“ den Versuch unternommen, den Fall der Berliner Mauer und das Ende des Kalten Krieges als Endpunkt einer Entwicklung darzustellen, die der liberalen Demokratie weltweit zum Durchbruch verhelfen würde.

Norbert Lammert im Gespräch mit Peter Milliken, langjähriger Speaker des kanadischen Unterhauses
Norbert Lammert im Gespräch mit Peter Milliken, langjähriger Speaker des kanadischen Unterhauses

Die Hoffnung auf eine Lösung aller damals bestehenden Probleme der Welt habe sich, so Lammert, jedoch nicht erfüllt. Im Gegenteil hätten sich die Bedrohungslagen der internationalen Politik, z.B. in Gestalt des weltweiten Terrorismus, heutzutage so massiv verschärft, dass diesen Gefahren nur noch durch eine intensive Zusammenarbeit all derjenigen Länder begegnet werden könne, die die Einschätzung über diese globalen Herausforderungen teilten. Gleichwohl werde der Multilateralismus genau in dem Moment am stärksten kritisiert, in dem er am meisten gebraucht werde, unterstrich der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages und verwies auf Staaten, die lange Zeit Ikonen der multilateralen Zusammenarbeit gewesen seien, sich jetzt aber von diesem Prinzip abwendeten.

Dem müssten die „like-minded countries“ dadurch begegnen, dass sie ihre Anstrengungen zur Konsolidierung einer regelbasierten internationalen Ordnung auf allen Ebenen verstärkten. Diese Strategie zur Lösung globaler Probleme wolle die Konrad-Adenauer-Stiftung durch die Eröffnung eines Auslandsbüros in Kanada aktiv unterstützen. „Zusammenarbeit ist wichtiger denn je!“, lautete denn auch der Appell des Stiftungsvorsitzenden an die Gäste der offiziellen Eröffnungszeremonie.

 

Norbert Lammert im Gespräch mit Sabine Sparwasser, deutsche Botschafterin in Kanada
Norbert Lammert im Gespräch mit Sabine Sparwasser, deutsche Botschafterin in Kanada
Das Länderprojekt Kanada der KAS mit Sitz in Ottawa fördert die multilaterale Zusammenarbeit und den Austausch zwischen Kanada, Deutschland und Europa bei den wichtigsten globalen Herausforderungen unserer Zeit, vor allem in den Bereichen Sicherheit, Technologie, Klimawandel und Migration.
Ansprechpartner

Dr. Norbert Eschborn

Dr

Designierter Leiter des künftigen Auslandsbüros Kanada

Norbert.Eschborn@kas.de
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