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COVID-19 in Asien

COVID-19 in Asien

Das Coronavirus hatte seinen Ursprung in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Mittlerweile konnte der erste Ausbruch der Epidemie unter Kontrolle gebracht werden. Bei der Krisenbewältigung gelten China und andere asiatische Staaten, wie Südkorea, Taiwan, Singapur oder sogar Vietnam, als Vorbilder. Waren sie konsequenter? War ihr Einsatz modernster Technik unserem sensiblen Umgang mit dem Datenschutz überlegen? Mit diesen Fragen versuchen sich unsere Auslandsmitarbeiter in der Publikation „Der deutsche Blick auf Asien“ auseinanderzusetzen. Diese aber auch weitere Analysen zur Corona-Ausbreitung finden Sie auf dieser Seite.

 

COVID-19 Verbreitung in Asien

Der Ausbruch des Covid-19 Virus begann nach unserem jetzigen Kenntnisstand auf einem Wildtiermarkt in der chinesischen Provinzstadt Wuhan. Die Ausbreitung erstreckte sich von der handelsstarken Provinz bald ins ganze Land und über Landesgrenzen hinweg und führte so zu der weltweiten Pandemie. Ende Januar war Thailand das erste Land nach China, wo ein Coronavirus-Fall offiziell bestätigt worden war. Nach einer schnellen Ausbreitung in der direkten Nachbarschaft nach Singapur, Vietnam, Südkorea und Japan, gibt es weiterhin Länder in Asien die nur geringen Infektionszahlen vermelden. Laut den offiziellen Zahlen der WHO-Gesundheitsorganisation gab es beispielsweise in Vietnam, Kambodscha und in der Mongolei bisher keine Todesfälle durch das Covid-19 Virus (Stand 26.04.2020). Myanmar war eines der letzten Länder in Asien, das Fälle von Covid-19 gemeldet hatte und Experten befürchten, dass die wirklichen Zahlen deutlich höher liegen. Die offiziellen Fallzahlen aus zahlreichen Ländern sind mit Vorsicht zu genießen sind und nicht überall sind die Gesundheitssysteme gut entwickelt sind oder stehen genügend Tests zur Verfügung. Die Unterschiede der Ausbreitung und des Umgangs mit Covid-19 in der geografischen Nachbarschaft zum ersten Risikogebiet sind bemerkenswert. In der australischen Hauptstadt Sydney durften Mitte März noch mehrere Tausend Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes ohne Gesundheitsprüfung von Bord gehen, während Neuseeland am 25. März einen totalen Lockdown verkündet hatte. Alle Länder Asiens haben Schulschließungen, Reisebeschränkungen, Ausgangsbeschränkungen bis hin zu kompletten Ausgangssperren als Gegenmaßnahmen verabschiedet. (Übersicht zu den Maßnahmen in Asien finden Sie auf der Weltkarte)

Chinas offizielle Daten vermitteln den Eindruck, dass der Höhepunkt der ersten Krisenwelle der Covid-19-Pandemie überschritten wurde. Seit dem 22. März 2020, also ca. zwei Monate nachdem erhebliche Ausgangsbeschränkungen verhängt worden sind, gibt es laut offiziellen Statistiken nur noch sehr wenige nachgewiesene Neuinfektionen in China und die inländischen Reiseeinschränkungen wurden seither teilweise aufgehoben. Trotzdem sorgen sich die Behörden um eine zweite Infektionswelle, auch in Hongkong, Taiwan oder Südkorea. Singapur war das erste Land, das bereits am 20. März eine Tracing-App, TraceTogether, basierend auf Bluetooth-Ortung herausgegeben hat, aber auch hier sind im April die Infektionszahlen erneut stark angestiegen.

Im Vergleich mit Europa werden die Länder in Ostasien oft als Paradebeispiele im Umgang mit der Pandemie dargestellt, da sie seit Anfang des Jahrtausends Erfahrungen durch Epidemien wie MERS und SARS gemacht hatten. Außerdem ist das Tragen von Masken in vielen asiatischen Großstädten Teil des normalen Straßenbildes. Auch deshalb gehen Experten davon aus, dass die Verbreitung von Covid-19 hier relativ schnell eingedämmt werden konnte. Es bleibt weiterhin spannend, wie mit den Auswirkungen der Pandemie und mit eventuellen zweiten Infektionswellen in Asien umgegangen, und welche neuen Schlüsse man im Vergleich zu früheren Epidemien ziehen wird. Außerdem ist die Frage, ob es eine kritische Aufarbeitung von möglichen Versäumnissen im Umgang mit der Pandemie in den kommenden Monaten geben wird.

 

Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Asien

Wirtschaftlich sind in Südost- und Südasien besonders die Tourismus- und Textilindustrie, sowie der Dienstleistungssektor betroffen. Dass viele Arbeitnehmer innerhalb Asiens als Wanderarbeiter oder auf anderen Kontinenten tätig sind ist ein zusätzliches Problem, da die Arbeitsmigration durch die Reisebeschränkungen stark eingeschränkt wurde.

Singapur erlebte im April einen exponentiellen Anstieg der COVID-Erkrankungen von unter 1.000 auf über 14.000 Fälle und wurde somit zum am stärksten betroffene Land in Südostasien. Die Mehrheit der Erkrankten sind Wanderarbeiter aus Indien, Bangladesch oder China, die in Wohnheimen auf engstem Raum beieinander leben. Das größte Wohnheim allein beherbergt 17.000 Arbeiter, „social distancing“ ist hier nicht möglich, Auch in Indien gilt das Abstandhalten in vielen Teilen des Landes als Privileg. Die indische Regierung hatte für die mehr als 1,3 Milliarden Bürger eine der umfassendsten Ausgangssperren der Welt verhängt. Die schwerwiegenden wirtschaftlichen Schäden werden Armut und Ungleichheit vergrößern und auch in großen Teilen Asiens zahlreiche Menschen in Existenznöte zu bringen.

Vorausgesagte Wachstumsprognosen für Asien wurden durch die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds bereits nach unten korrigiert und die Verschuldung der Länder wird stark zunehmen. Durch den Einbruch der Weltwirtschaft und die historisch niedrigen Ölpreise können auch für Asien bedenkliche Konsequenzen entstehen. Die Sicherheit der Energieversorgung hat traditionell eine hohe politische Priorität und sowohl das rasante Bevölkerungswachstum als auch die ökonomische Entwicklung der vergangenen Jahre haben die Region zudem zum weltweit führenden Energienachfrager gemacht.

Neben den wirtschaftlichen sind auch die langfristigen politischen Folgen der Covid-19 Krise zu beobachten. Zunächst scheint es, als hätten sich innenpolitisch autoritäre Tendenzen verstärkt. Die Regierungen versuchen im Zuge der Krisenbewältigung eine starke Führung darzustellen und die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern. Außerdem wurden Notstandsregeln zur Pandemie-Bekämpfung auch dazu benutzt, kritische Stimmen in der Gesellschaft und politische Opposition auszuschalten. Ob die starken Einschränkungen von Meinungs- Presse- und Versammlungsfreiheit in vielen asiatischen Ländern dauerhaft Bestand haben werden, bleibt abzuwarten. Wie sich Corona auf demokratische Prozesse auswirkt ist und wie Wahlen überhaupt stattfinden können, zeigt das Beispiel der Republik Korea, wo Mitte April die Parlamentswahlen erfolgreich durchgeführt wurden.

Betrachtet man den geopolitischen Kontext könnte China seinen Einfluss weiter ausbauen, zulasten der regionalen Macht Indien aber auch gegenüber der Vereinigten Staaten von Amerika oder der Europäischen Union.

 

KAS Auslandsbüros in Asien

Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. ist in Asien durch 21 Auslandsbüros und fünf Regionalprogramme vertreten (mehr zur Arbeit der KAS in Asien hier: https://www.kas.de/de/web/europaeische-und-internationale-zusammenarbeit/asien-und-pazifik oder auf der Facebook Seite der Abteilung www.facebook.com/kas.asia). Auch für die Büros vor Ort ist die Corona-Pandemie eine neue Herausforderung. Die allermeisten Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus und sind mit unterschiedlich strengen Ausgangs- und Notstandsregeln in den Ländern konfrontiert. Sie verfolgen das Geschehen vor Ort, konzipieren neue Formate und Aktivitäten gemeinsam mit lokalen Partnern und analysieren die Auswirkungen in unterschiedlichen online Publikationen.

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