Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. (Stand: Juni 2020)

Der Konflikt im Jemen

Der Konflikt im Jemen

Die vergessene Krise

Kaum beachtet von der internationalen Öffentlichkeit wurde der Jemen zum Schauplatz einer gescheiterten politischen Transition, eines gewaltsam ausgetragenen Mächteringens und einer humanitären Katastrophe. Die Konrad-Adenauer-Stiftung analysiert die komplexe Konfliktlage im Jemen und bringt Experten und Entscheidungsträger aus Deutschland und der Region zusammen, um nach politischen Lösungsansätzen zu suchen. Zudem hat sie in den vergangenen Jahren über gezielte Projekte insbesondere im Bereich des Journalismus das zivilgesellschaftliche Engagement im Jemen und von Jemeniten gefördert.

 

Die Jemen-Krise im Überblick

Was mit friedlichen Protesten im Zuge des 'Arabischen Frühlings' begann, entwickelte sich schnell zu einem Bürgerkrieg mit internationaler Dimension. Ein Blick auf Konfliktparteien, Ursachen und Akteure des Konflikts ermöglicht einen knappen Aufriss der Lage im Jemen.

Konfliktparteien und humanitäre Krise im Schatten von Corona

In der Republik im Süden der arabischen Halbinsel tobt ein Bürgerkrieg seit die Houthi-Rebellen mit ihren Verbündeten im September 2014 die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa übernahmen. Ihnen gegenüber steht die international anerkannte Exil-Regierung von Übergangspräsident Hadi, der seit März 2015 von einer von Saudi-Arabien angeführten Koalition unterstützt wird. Der Krieg hat bereits über 230.000 Todesopfer gefordert, davon mehr als 130.000 durch indirekte Ursachen wie fehlende Nahrungsmittel und eine dysfunktionale Gesundheitsversorgung. Weniger als die Hälfte der 27 Millionen Jemeniten verfügt noch über Zugang zu sauberem Wasser und ausreichend Nahrung, 80 Prozent der Bevölkerung sind auf internationale Hilfslieferungen angewiesen. Zusätzlich zu Corona hat das Land seit Jahren mit einer Cholera-Epidemie, Diphterie und Dengue-Fieber zu kämpfen. Für weitere Informationen zur humanitären Lage im Jemen siehe auch den Länderbericht „Im Schatten von Corona“ vom August 2020.

Vom „Arabischen Frühling“ in den Bürgerkrieg

Dabei hatte das Jahr 2011 zunächst einen Hoffnungsschimmer für das seit Jahrzehnten von immer wieder aufflackernder Gewalt geplagte und wirtschaftlich notleidende Land gebracht. Im Zuge des „Arabischen Frühlings“ protestierten auch in Sanaa Zehntausende gegen Korruption und für politische und ökonomische Reformen. Zwar musste daraufhin der autokratische Langzeitpräsident Saleh zurücktreten und 2013 begann ein von den Vereinten Nationen unterstützter Nationaler Dialogprozess, der die Grundlagen für ein föderales und demokratisches Jemen schaffen sollte. Doch der Übergang scheiterte. Die zaiditisch-schiitischen Houthi-Rebellen aus dem Norden und Saleh-treue Gruppen aus dem Sicherheitsapparat nutzten die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Übergangsregierung und konnten weite Teile des Landes, einschließlich der Hauptstadt, gewaltsam unter ihre Kontrolle bringen. Zugleich forderten und fordern Vertreter des Südjemens eine Unabhängigkeit des Südens; von 1967 bis 1990 waren die südlichen Landesteile als Demokratische Volksrepublik Jemen ein eigenständiger, marxistisch orientierter Staat, der von einer sozialistischen Einheitspartei regiert wurde.

Internationale Dimension

Mit der Unterstützung der saudisch-geführten Militärkoalition und Truppen der Vereinten Arabischen Emirate vor Ort konnte die Eroberung der südlichen Hafenstadt Aden durch die Houthis und ihre Verbündeten verhindert werden. Doch die Hauptstadt und bevölkerungsreiche Gebiete im Norden und Nordwesten sind nach wie vor unter ihrer Kontrolle. Nachdem sich der ehemalige Präsident Saleh gegen die Houthis stellte, mit denen er sich zuvor gegen die Übergangsregierung verbündet hatte, wurde er von ihnen Anfang Dezember 2017 in Sanaa getötet. Jenseits der innerjemenitischen Machtkämpfe hat sich das Land zunehmend zum Schauplatz eines regionalen Mächteringens entwickelt. Saudi-Arabien sieht die Houthis als eine aus Teheran unterstützte Miliz, mit der Iran sein Expansionsstreben im arabischen Raum nun auch an der saudischen Südgrenze fortsetzt. Die Verschränkung substaatlich-tribaler, nationaler und regionaler Konfliktlinien erschwert eine Lösungsfindung in der Jemen-Krise und verlangt einen umfassenden Ansatz der internationalen Gemeinschaft und verstärktes und koordiniertes Engagement auch Deutschlands und der EU.

Die Arbeit der KAS

Die KAS beobachtet die Lage im Jemen über ihr Regionalprogramm Golf-Staaten (RPG) seit 2009, begleitet die politische Debatte zu Konfliktlösungsmchanismen durch wissenschaftliche Publikationen sowie Policy Reports und unterstützt jemenitische Akteure vor Ort in ihrer zivilgesellschaftlichen Arbeit. Auf dieser Themenseite finden Sie eine Übersicht der aktuellen Publikationen und Veranstaltungen der KAS mit Bezug zur Jemen-Krise. Für einen Überblick der Interessenlagen der verschiedenen lokalen, regionalen und internationalen Akteure, siehe das Policy Paper vom Oktober 2019, das auch Handlungsempfehlungen für die deutsche Außenpolitik beinhaltet.

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Simon Engelkes

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Referent in der Abteilung Naher Osten und Nordafrika

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Fabian Blumberg

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Leiter des Regionalprogramms Golfstaaten

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