Báo cáo quốc gia

Jordanien – Energiesicherheit ungeklärt

của Otmar Oehring, Susanne Jaworski

Gas-Abkommen mit Israel ungewiss

Anfang des Jahres wurde die Debatte um die Energiepreise in Jordanien wieder neu aufgerollt: Im Januar hat die Regierung eine weitere Strompreiserhöhung für Großverbraucher beschlossen. Dies ist nur eine von vielen Maßnahmen, die im Rahmen eines Reformpakets den Haushalt des Landes konsolidieren und Jordaniens Energiepolitik an den steigenden Verbrauch anpassen sollen. Die Frage nach einer dauerhaft bezahlbaren Energiequelle bleibt derweil aber immer noch offen: Als mögliche Lieferanten von Erdgas stehen Israel und Gaza zur Debatte.

Jordanien hat gegenwärtig viele Krisen zu meistern: Seine Nachbarländer Syrien und Irak sind durch Bürgerkriege und den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) extrem destabilisiert. Nach der Ermordung des jordanischen Piloten Muath Kasasbeh hat Jordanien seinerseits die Anstrengungen im Kampf gegen den IS in Syrien noch weiter verstärkt. Darüber hinaus stellen auch die mittlerweile knapp 625.000 syrischen Flüchtlinge eine Belastung für die Wirtschaft des Landes dar. All das fordert Jordanien, einem ohnehin schon extrem rohstoffarmen Land, zusätzliche Ressourcen ab. Ressourcen, über die das Land schon lange nicht mehr verfügt. Denn der Mangel an vor Ort verfügbaren Energieträgern zwingt Jordanien dazu, 97% seines Energiebedarfs durch Importe aus den Nachbarländern zu decken. Und auch heute, knapp zwei Jahre nach dem Wegfall der Gaslieferungen aus Ägypten, ist die langfristige Energieversorgung des Landes noch immer ungeklärt.

All das hat in der jordanischen Politik in den letzten Jahren vermehrt zu Spannungen geführt: Anfang des Jahres ist erneut über eine Erhöhung der Strompreise diskutiert worden. Am Ende wurde zumindest ein Kompromiss zwischen der Regierung und dem Unterhaus gefunden, der eine Anhebung des Strompreises um 7,5% vorsieht. Das ist die Hälfte dessen, was die Regierung ursprünglich vorgeschlagen hatte. Bereits im vergangenen Jahr waren die Energiepreise für größere Haushalte und industrielle Abnehmer erhöht worden.

Ausbleibende Lieferungen belasten jordanische Wirtschaft

Die Erhöhung der Strompreise ist schon seit Längerem ein sensibles Thema in Jordanien. Da das Land selbst über keine unmittelbar nutzbaren Energiereserven verfügt, ist es auf Öl- und Gaslieferungen aus den Nachbarländern angewiesen. Bis vor etwa drei Jahren war Ägypten der Hauptlieferant für Erdgas. Über die Arab Gas Pipeline bezog Jordanien 80% seines Primärenergiebedarfs von ägyptischen Gasfeldern. Seit 2011 verspürt Jordanien aber die Auswirkungen des sogenannten „Arabischen Frühlings“ auf seine Energieversorgung. Denn nach dem Sturz des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und der anschließenden Machtübernahme durch die Partei der Muslimbrüder kam es zu wiederholten Anschlägen auf die Sinai-Pipeline, durch die bis dahin Israel und Jordanien mit billigem ägyptischem Erdgas versorgt worden waren. Die Anschläge richteten sich im Kern gegen den Gas-Deal zwischen Ägypten und Israel - ein Abkommen, das in breiten Teilen der ägyptischen Gesellschaft nie wirklich akzeptiert wurde. In der Hoffnung, die eigenen Reihen zu besänftigen, stoppte der damalige Präsident Mohammed Mursi 2012 die Gaslieferungen über die Sinai-Pipeline und drehte damit nicht nur Israel, sondern auch Jordanien den Hahn zu. Um die Energieversorgung dennoch weiterhin zu gewährleisten, musste Jordanien auf kostspielige Alternativen, wie Schweröl und Diesel aus dem Irak, zurückgreifen. Das hat die jordanische Wirtschaft schwer belastet, da Schweröl etwa sechsmal so teuer ist wie Erdgas und rund sieben Millionen Dollar pro Tag kostet. Darüber hinaus ist die Versorgung oft unzuverlässig, da es durch die instabile politische Lage im Irak immer wieder zu Lieferschwierigkeiten kommt und Jordanien mitunter bis zu 30 Prozent weniger Brennstoff erhält als erwartet. Gleichzeitig hat der Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien einen rapide steigenden Energiebedarf zur Folge. Der Stromverbrauch ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent gestiegen – eine Belastung, die das Land aus eigener Kraft nicht stemmen kann.

Aus diesem Grund hat die Regierung 2012 Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen und einen Reformplan vorgelegt, mit dem die Staatsschulden verringert und die Erschließung alternativer Energien finanziert werden soll. Noch im August desselben Jahres hat der IWF Jordanien ein sogenanntes Standby-Arrangement (SBA) in Höhe von zwei Milliarden Dollar bewilligt. Dieser Betrag wird Jordanien über einen Zeitraum von drei Jahren sukzessive ausgezahlt. Im Gegenzug verpflichtet sich die Regierung dazu, bis zum Ablauf des Kreditzeitraums im Jahr 2015 Wirtschaftsreformen umzusetzen, die den Staatshaushalt konsolidieren und das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Ziel ist es, die wirtschaftliche Unabhängigkeit wiederherzustellen. Da Jordanien etwa 97% seines steigenden Energiebedarfs importiert und dies etwa 20% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschlingt, liegt der Fokus der Agenda auf einer Reform des Energiesektors. Oberste Priorität hat dabei der Schuldenabbau der staatlichen Energiefirma National Electric Power Company (NEPCO). Denn der als Folge wiederholter Unterbrechungen der Gaslieferungen aus Ägypten notwendige Import von teuren Brennstoffen aus dem Irak hat zwangsläufig zum Anstieg der Energiepreise geführt. Um die Konsumenten vor einem Emporschnellen der Strompreise zu bewahren, hat die Regierung daher die Energiesubventionen und Sozialausgaben erhöht und gezielte Lohnerhöhungen vorgenommen. Durch den Import teurer Brennstoffe aus den Nachbarländern und die Subventionierung des verkauften Stroms hat NEPCO allerdings erhebliche Verluste gemacht. Bis Ende letzten Jahres sah sich NEPCO einem Defizit von umgerechnet 6,4 Milliarden Dollar gegenüber. Das belastet die jordanische Wirtschaft schwer und hat einen weiteren Anstieg der Staatsverschuldung zur Folge.

Maßnahmen zur Konsolidierung des Energiesektors: IWF-Kredit und Reformprogramm

Vor diesem Hintergrund hat die Regierung bereits 2012 ein Reformprogramm erarbeitet, das die Grundlage für die Nutzung des Beistandskredits des IWF bei der Haushaltskonsolidierung sein soll. Dieses Reformprogramm sieht im Wesentlichen vor, die Energiesubventionen Schritt für Schritt abzubauen und Jordaniens Energiequellen zu diversifizieren. Das ist auch dringend nötig. Einerseits, weil sich die Kosten für Energieimporte im Jahr 2012 auf rund 6,5 Milliarden Dollar beliefen. Andererseits, weil der Staat Brennstoffe und Strom mit über 100 Prozent des Verkaufspreises, also mit insgesamt 2,6 Milliarden Dollar, subventionierte. Um diese Ausgaben auf ein vertretbares Maß zu senken, hat die Regierung die Brennstoffsubventionen gekürzt (unter Protest der Bevölkerung), die Strompreise für industrielle Abnehmer erhöht und eine Strompreiserhöhung in mehreren Stufen für Haushalte mit hohem Stromverbrauch eingeführt. Subventionen für Rohstoffe sind teilweise durch direkte Geldzahlungen an die Bürger ersetzt worden. Durch dieses Stufenprogramm sollen die Energiesubventionen bis zum Jahr 2017 auf Null gesenkt werden.

Zwar haben die Fiskal- und Strukturreformen im Energiesektor einen positiven Einfluss auf die Staatsverschuldung gehabt, denn im Vergleich zum Vorjahr konnte die Staatsverschuldung im Jahr 2013 um knapp 700 Millionen Dollar reduziert werden. Die Gesamtverschuldung hat im selben Zeitraum jedoch um umgerechnet 3,5 Milliarden Dollar zugenommen und hat auch im Jahr 2014 ein neues Hoch erreicht. Die jordanische Wirtschaft hat sich mit Hilfe des Beistandskredits des IWF zwar etwas erholt, bleibt aber weiterhin in hohem Maße von ausländischer Finanzhilfe, etwa aus den USA, abhängig. Ein Großteil der vom IWF gewährten Hilfe wurde in die Förderung alternativer Energiequellen investiert. Noch in diesem Jahr sollen zahlreiche Projekte zur Stromerzeugung durch erneuerbare Energien starten, sowie ein neu gebautes Flüssiggasterminal in der Hafenstadt Akaba seine Arbeit aufnehmen.

Diversifizierung des Energiesektors: Das Flüssiggasterminal in Akaba

Auch die Unterzeichnung des Vertrags zur Inbetriebnahme eines Flüssiggasterminals in Akaba ist ein Ergebnis der Auflagen des IWF. Um schnellstmöglich eine Alternative zu Schweröl und Diesel aus dem Irak zu schaffen, hat der Ministerrat 2012 den Bau eines Flüssiggasterminals in der Hafenstadt im Süden Jordaniens in Auftrag gegeben. Das 65 Millionen-Dollar-Projekt soll Jordanien an den globalen Flüssiggasmarkt anschließen und eine vorübergehende Alternative zum limitierten regionalen Gasmarkt bieten. Flüssiggas zu Weltmarktpreisen ist zwar immer noch teurer als Erdgas, aber es ist auch um etwa 30 Prozent günstiger als importierte Brennstoffe aus dem Irak. Ein geeigneter Zulieferer war schnell gefunden: Im Jahr 2013 bekam Shell den Zuschlag, Jordanien für einen Zeitraum von fünf Jahren mit Flüssiggas zu beliefern. Nach neuesten Berichten soll wie geplant ab Ende Mai dieses Jahres über das Terminal Flüssiggas nach Jordanien transportiert werden. Für Jordanien bietet das Terminal einerseits langfristiges Einsparpotential. Jordaniens Energieminister erhofft sich dank des Terminals, die Kosten für den Energieimport um jährlich 500 Millionen Dollar senken zu können, was zur Konsolidierung des Staatshaushaltes und zur Erfüllung der Auflagen des IWF führen würde. Andererseits würde Jordanien durch den Anschluss an den globalen Flüssiggasmarkt unabhängiger von Lieferengpässen, die durch politische Verwerfungen in der Region verursacht werden. Zusätzlich verschafft es der Regierung Zeit, die sie für Verhandlungen über einen neuen Gas-Deal und zur Ausarbeitung ihrer Agenda zur Diversifizierung der Energieversorgung benötigt.

Jordaniens Energiemix: Erneuerbare Energien, Schieferöl und das Atomprogramm

Diese Diversifizierung scheint in diesem Jahr konkrete Formen anzunehmen. Bisher hat Jordanien seine relativ weitreichenden Möglichkeiten im Bereich von Wind- und Solarenergie nur in geringem Maße genutzt, dies soll sich aber bald ändern: Heute sind etwa 15% der Haushalte mit solar betriebenen Warmwasserheizungen ausgestattet, in fünf Jahren soll sich dieser Anteil aber verdoppelt haben. Im Februar dieses Jahres hat die Regierung außerdem angekündigt, dass in den nächsten Monaten mit der Einspeisung von Strom aus zahlreichen neuen Anlagen begonnen werden soll, die Energie aus erneuerbaren Ressourcen gewinnen. Bereits im Vorfeld hatte die Regierung die bürokratischen Hürden für Investoren und Unternehmen in diesem Bereich gelockert. Nach Angaben des Energieministeriums soll der Beitrag von Solar- und Windkraft bis 2020 rund 10% der Energieversorgung ausmachen.

Auch die Nutzbarmachung von Schieferöl wird schon seit Jahrzehnten in Jordanien erforscht. Bis jetzt ist es allerdings noch nicht zur industriellen Förderung gekommen. Gerade vor diesem Hintergrund scheint die gegenwärtige Energiekrise besonders paradox, denn unter Jordaniens Boden liegen die weltweit fünftgrößten Schieferölreserven. Diese sollen aber schon bald mit Hilfe internationaler Unternehmen nutzbar gemacht werden. 2009 ist die Jordan Oil Shale Company (JOSCO) zur Suche und Aufbereitung von Schieferöl gegründet worden.

JOSCO ist ein Tochterunternehmen des niederländischen Shell-Konzerns und soll 2022 mit der Energieerzeugung durch Schieferöl beginnen. Im Juni vergangenen Jahres hat die Regierung mit der estnischen Firma Enefit einen Ver-trag im Wert von 2,1 Milliarden Dollar über den Bau eines Kraftwerks geschlossen, das mit Schieferöl befeuert werden soll. Bei diesen Projekten werden die Schieferplatten angezündet und mit dem dabei entstehenden Rauch das Kraftwerk betrieben. Die Befürworter beteuern, dass dies, im Gegensatz zum Fracking, eine umweltschonende und saubere Methode der Energiegewinnung ist. Umweltschützer kritisieren, dass Schieferöl sehr stark in der Qualität variiert und die Folgen für die Umwelt daher unberechenbar sind. Der bisherige jordanische Energieminister Mohammad Hamed war zuversichtlich, dass das Kraftwerk 2018 seine Arbeit aufnehmen und die Wirtschaft jährlich um etwa 500 Millionen Dollar entlasten kann. Das Kraftwerk soll rund 15 Prozent des nationalen Energiebedarfs decken. Die Kosten für dieses Projekt sollen zunächst durch Kredite von chinesischen Partnerfirmen von Enefit getragen werden.

Die größten Ambitionen hat die Regierung aber im Bereich Atomkraft. Ab dem Jahr 2030 möchte Jordanien mit Hilfe eines Kernkraftwerks selbst zum Energieexporteur zu werden. Nach dem Ausbleiben der Gaslieferungen aus Ägypten hat das Vorhaben konkrete Formen angenommen: Ende 2013 ist der Bau eines Forschungsreaktors an der Jordanischen Universität für Wissenschaft und Technologie knapp 70 Km nördlich von Amman beschlossen worden. Verantwortlich für den Bau ist eine koreanische Unternehmensgruppe, die den Reaktor noch in diesem Jahr fertig stellen will. Der Weg zur kommerziellen Energiegewinnung durch Atomkraft ist schließlich im Dezember letzten Jahres geebnet worden. Die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands ROSATOM hat den Zuschlag bekommen zwei Reaktoren auf jordanischem Boden zu bauen. Jordanien und Russland sollen für die Realisierung des 10 Milliarden Dollar teuren Projekts ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, an dem Jordanien einen Anteil von 50,1% und Russland einen Anteil von 49,9% halten werden. Realisiert werden soll das Projekt bis ca. 2020. Bis jetzt stellt sich allerdings noch die Frage, wo genau ein Atomkraftwerk gebaut werden könnte. Ursprünglich war dafür die Hafenstadt Akaba am Länderdreieck zwischen Jordanien, Ägypten und Israel im Gespräch. Dagegen hatte allerdings Israels Regierung - wohl aus sicherheitstechnischen Gründen - scharf protestiert.

Als Alternative wurde ein Reaktorstandort im Osten des Landes diskutiert. Das stieß auf die Ablehnung Saudi-Arabiens, weil der gewählte Standort zu nahe an der saudischen Grenze lag, weshalb auch dieser Vorschlag zunächst verworfen wurde. Die USA haben es derweil abgelehnt, mit Jordanien im Bereich Atomkraft überhaupt zu kooperieren. Da das aktuelle Projekt von einem russischen Konzern durchgeführt und mitfinanziert wird, werden die USA auch keine Hilfe zur Finanzierung des Projekts leisten.

Großer Widerstand regt sich allerdings auch unter den jordanischen Stämmen. Das könnte tatsächlich entscheidend für die Zukunft des Projekts sein, sind doch die Stämme die maßgebliche Stütze des jordanischen Königshauses. Die Stämme treibt nicht nur die Sorge um die Nutzung ihres Landes um, sondern auch die Frage, woher Jordanien das nötige Wasser nehmen soll, um seine Reaktoren zu kühlen. Für die Befürworter der Atomkraft hingegen ist die Atomkraft die Lösung aller Probleme: Denn Jordanien verfügt zwar weder über Öl noch Gas, tatsächlich über reiche Uranvorkommen. Die verfügbaren 35.000 Tonnen Uranerz würden ausreichen das Königreich über 100 Jahre mit Energie zu versorgen. Sie bringen außerdem das Argument an, dass Atomkraftwerke in keiner Weise die ohnehin schon knappen Wasserressourcen verbrauchen, sondern, im Gegenteil, sogar die lang erhoffte Lösung des Wasserproblems bieten. Denn durch die Gewinnung von billiger Atomenergie könnten Millionen Liter Meerwasser entsalzt und nutzbar gemacht werden. Die Golfstaaten betreiben schon seit Jahren Meerwasserentsalzungsanlagen, die allerdings mit Erdöl betrieben werden.

Die Uhr tickt: Erdgas als schnelle Lösung

All dies würde zwar theoretisch und auf lange Sicht die Erschließung alternati ver Energiequellen ermöglichen. Jordanien muss die Frage seiner kurzfristigen Energiezufuhr aber so schnell wie möglich klären, denn nach dem Ausbleiben der Gaslieferungen aus Ägypten war die Versorgung mit teurem Schweröl und Diesel aus dem Irak nur als Übergangslösung gedacht. Eine dauerhafte Lösung könnte dagegen Gas aus den neu entdeckten Gasfeldern Leviathan und Tamar vor der Küste Israels bringen. Jordanische Energiefirmen haben 2013 Verhandlungen über Gaslieferungen aus den israelischen Gasfeldern aufgenommen. Entdeckt und verwaltet werden diese Felder von der amerikanischen Firma Noble Energy. Im Oktober 2014 haben die Partner des Leviathan Gasfelds und NEPCO eine Absichtserklärung unterschrieben, die ab dem Jahr 2017 die Belieferung Jordaniens mit 45 Milliarden Kubikmeter Erdgas über die nächsten 15 Jahre vorsieht.

Die Bekanntmachung der Vereinbarung zu eben diesem Zeitpunkt war aber, wenn nicht taktisch sehr unklug, doch zu-mindest überraschend, da sie nur zwei Monate nach Ende der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen erfolgte. So hat diese Option – auch vor dem Hintergrund der bereits im Vorfeld angespannten jordanisch-israelischen Beziehungen – wenig Anklang in der jordanischen Öffentlichkeit gefunden und auch vereinzelt zu Protesten geführt. Neben dem zivilgesellschaftlichen Protest gab es auch Stimmen aus Regierungskreisen und dem Parlament, die eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel ablehnen. So wollen auch einige Abgeordnete ein mögliches Abkommen mit Israel verhindern und argumentieren, dass Jordanien nicht zur Stärkung der israelischen Wirtschaft beitragen dürfe solange Israel das Osloer Friedensabkommens verletze. Jordanien hat zwar im Jahr 1994 als zweites arabisches Land nach Ägypten einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen. Die Kräfte der Zivilgesellschaft und der Politik, die eine Normalisierung (arab. tatbi’a) der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Jordanien und Israel ablehnen, ist aber bis heute sehr aktiv. Das ist nicht verwunderlich, sind doch mehr als die Hälfte der Bürger Jordaniens Palästinenser, die im Zuge der arabisch-israelischen Kriege 1948 und 1967 nach Jordanien geflohen sind.

Die Regierung aber scheint pragmatisch zu denken, denn für sie liegen die Vorteile eines solchen Vertrages ganz klar auf der Hand: Israelisches Erdgas ist mit Abstand die regional preiswerteste Alternative zu den irakischen Öllieferungen. Und selbst wenn Jordanien ein Abkommen mit Israel umgehen wollte, gäbe es in der Region keine kostengünstigen Alternativen zu israelischem Gas. Da Algerien bereits den europäischen Markt bedient, hat das Land nicht mehr genügend Kapazitäten zur Belieferung Jordaniens. Katar wäre zwar bereit, Jordanien mit Erdgas zu beliefern, allerdings zu Weltmarktpreisen. Und auch Ägyptens Gasreserven reichen heute nicht einmal mehr aus, um den heimischen Energieverbrauch zu decken, weshalb das Land kürzlich ebenfalls Verhandlungen mit Noble Energy aufgenommen hat, um Gas aus israelischen Feldern zu importieren. Mit einem amerikanischen Konzern wie Noble Energy als Verhandlungspartner, so die Hoffnung der Regierung, wäre Jordanien bei regionalen Konflikten nicht von der Willkür eines einzelnen Staats abhängig, wie etwa im Fall von Ägypten.

Trotz aller, zum Großteil sogar berechtigten, wirtschaftlichen Argumente kann es sich das haschemitische Königshaus allerdings nicht leisten, eine so kontroverse energiepolitische Entscheidung gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung durchzusetzen. Wohl zur Beschwichtigung der Opposition und des zivilen Protests sind die Verhandlungen Anfang Januar dieses Jahres daher für unterbrochen erklärt worden. Die Aussetzung der Gespräche kam für Beobachter sehr überraschend, da ihr kein konkreter Vorfall vorausgegangen war, der die diplomatischen Beziehungen der beiden Länder belastet hätte. Dazu kommt, dass NEPCO kurz darauf angekündigt hat, ein Abkommen mit der britischen Firma British Gas Group Plc. zu schließen, um Gas aus dem Gaza Marine-Feld vor der Küste des Gazastreifens zu importieren.

Der Austausch des Hauptverhandlungspartners erscheint auf den ersten Blick als mehr als heikel. Allerdings ist nach der letzten israelischen Militäroffensive im Gazastreifen das israelisch-arabische Verhältnis angespannter denn je. Und bei genauerer Betrachtung bestätigt sich denn auch der Eindruck, dass der Coup mit Gaza vor allem mediale Wirkung haben und zur Beruhigung der Anti-Normalisierungsbewegung im Land dienen sollte. Zwar gehört das Gaza Marine Feld dem Oslo-Abkommen zufolge aufgrund seiner Lage vor der Küste Gazas zweifellos zum palästinensischen Gebiet. Jedoch hat die Hamas als regierende Partei im Gazastreifen keinerlei Einfluss auf die Verhandlungen. Hinter dem Kurswechsel, nun „politisch korrektes“ Gas aus Gaza importieren zu wollen, verbergen sich also immer noch dieselben Akteure, nämlich die israelische Regierung, die palästinensische Autonomiebehörde als Verwalterin der Rohstoffe auf palästinensischem Gebiet, sowie die British Gas Group Plc. als Konzessionsinhaberin und die jordanische Firma NEPCO.

Es scheint naheliegend politische Motive hinter dieser Entscheidung zu vermuten. Die Erschießung eines palästinensisch-jordanischen Richters durch israelische Soldaten vor einem Jahr, die jüngste Militäroffensive der israelischen Armee im Gazastreifen, die über 2000 Palästinensern das Leben kostete, sowie die Unruhen auf dem Tempelberg, die zum Abzug des jordanischen Botschafters aus Israel geführt haben – all dies könnten mögliche Gründe für einen Kurswechsel der jordanischen Regierung im Hinblick auf Gaslieferungen sein. Jedoch scheint es bei diesem Deal tatsächlich vor allem um rein pragmatische, wirtschaftliche Interessen zu gehen. Denn auch nach Aussetzen der Verhandlungen hatten beide Seiten beteuert, dass dies nicht das Ende einer Zusammenarbeit bedeuten würde.

Jordaniens Energieversorgung wegweisend für die Region

Unter den gegenwärtigen Umständen deutet alles darauf hin, dass Jordaniens Energieversorgung mittelfristig von israelischem Gas abhängig sein wird. Damit wäre Jordaniens Energiehaushalt laut den bisherigen, offiziellen Abkommen zumindest für die nächsten 15 Jahre gesichert. Egal ob die Erdgaslieferungen letztlich aus israelischen oder palästinensischen Feldern kommen - die nötige Infrastruktur hat Jordanien bereits. Die Diversifizierung der jordanischen Energieversorgung hingegen steckt noch in den Kinderschuhen. Da die Nutzung erneuerbarer Energien bzw. der Atomkraft noch in der Planung sind und auch das Flüssiggasterminal in Akaba nur eine zusätzliche Energiequelle eröffnet, würde Israel zunächst höchstwahrscheinlich der wichtigste Energielieferant Jordaniens werden. Aus Sicht der Gegner des Gas-Abkommens wäre Jordanien dadurch langfristig abhängig vom Wohlwollen Israels und Jordaniens Energieversorgung unweigerlich an die arabisch-israelischen Beziehungen gekoppelt. Dass Israel diese Abkommen aber tatsächlich eines Tages dazu nutzen könnte, um nach putinschem Vorbild Druck auf Jordanien auszuüben, ist vor dem Hintergrund des immensen wirtschaftlichen Nutzens, den Israels aus dem Abkommen erwarten kann, unwahrscheinlich. Das Abkommen würde auch die de facto Normalisierung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Israel bedeuten – ein Zustand, für den die arabischen Länder zumindest nominell in der Arabischen Friedensinitiative bisher immer Konzessionen von Israel verlangt hatten.

Da der nach dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 institutionalisierte Boykott Israels durch die arabischen Staaten de facto sowieso seit Jahren hinfällig ist, ist es unwahrscheinlich, dass Jordanien wegen eines Gas-Abkommens mit Israel konkrete Nachteile oder Sanktionen durch seine arabischen Nachbarn erfahren wird. Möglich ist auch, dass Jordanien sowohl aus Gaza, als auch aus Israel Gas importieren wird, um politischen Differenzen vorzubeugen und den Monopolvorwurf zu entkräften. Am Ende geht es bei diesem Abkommen wohl doch nur um wirtschaftliche Interessen. Eine Pipeline wird Jordanien und Israel einander nicht näher bringen, sie aber auch nicht weiter voneinander entfernen.

Fest steht, dass Jordanien so schnell wie möglich eine langfristige Lösung für sein Energieproblem finden muss. Denn die Lösung der Energiefrage ist nicht nur die Basis eines funktionierenden Staates – langfristig wird die Energiefrage andernfalls die größte Belastung für die Wirtschaft sein. Vor allem der anhaltende Krieg in Syrien und die verstärkte Beteiligung am Krieg gegen den „Islamischen Staat“ wird Jordaniens Wirtschaft in den nächsten Jahren noch mehr belasten. Und auch der konstante Zustrom syrischer Flüchtlinge hat nicht nur einen rasant steigenden Energiebedarf nach sich gezogen, sondern wirft auch die Frage auf, wie dieser Verbrauch in den nächsten Jahren gedeckt werden soll.

Jordanien muss also nicht nur seinen Haushalt konsolidieren, sondern steht auch vor der Herausforderung, den mittel- bis langfristigen Mehrbedarf an Energie zu sichern. An der Lösung der Energiefrage wird sich deshalb wohl auch Jordanien Zukunft als Stabilitätsfaktor in der Region entscheiden. Wie sich der geplante Gas-Deal und der potentielle Bau eines Atomkraftwerks auf die intraregionalen Beziehungen Jordaniens auswirken werden, ist zu diesem Zeitpunkt unklar. In jedem Fall liegt die Lösung von Jordaniens Energiefrage nicht nur im Interesse der eigenen Bevölkerung, sondern ist auch geo- und sicherheitspolitisch von höchster Relevanz.

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