Báo cáo quốc gia

Jordanien und die Koalition gegen den Islamischen Staat

của Otmar Oehring, Susanne Jaworski

Die Ermordung des Piloten Muath Kasabeh als Wendepunkt?

Nach wochenlangem Bangen herrscht nun traurige Gewissheit: Der jordanische Pilot Muath Kasasbeh ist tot. Kurz bevor die Nachricht vom jordanischen Staatsfernsehen am Abend des 3. Februar verkündet worden war, hatte der sogenannte Islamische Staat (IS) ein Video veröffentlicht, in dem Kasasbehs Verbrennung bei lebendigem Leib gezeigt wird. Die Reaktion der jordanischen Regierung folgte prompt: Als Vergeltungsmaßnahme sind am nächsten Morgen zwei verurteilte Terroristen mit Verbindungen zum IS exekutiert worden.

In Jordanien herrschen Trauer und Wut. Die Hoffnung, dass der im Dezember abgestürzte Pilot der jordanischen Luftwaffe nach über einem Monat doch noch freikommen könnte, ist abrupt erloschen. Denn am Dienstagabend hatte der IS ein 22-minütiges Video veröffentlicht, das zeigt, wie Kasasbeh bei lebendigem Leib in einem Eisenkäfig verbrannt wird. Das jordanische Militär bestätigte kurz darauf die Echtheit der Bilder.

Als Reaktion darauf kündigte die Regierung „erschütternde Maßnahmen“ an, um den Tod des 26-Jährigen zu rächen und ließ schon am folgenden Morgen die zwei zum Tode verurteilten Terroristen Sajida al-Rishawi und Ziad al-Karbouli hinrichten. Beiden wurden Verbindungen zum IS nachgesagt. Besonders Al-Rishawi, die wegen ihrer Beteiligung an den von al-Qaida verübten Anschlägen auf drei Ammaner Hotels im Jahr 2005 im Todestrakt saß, galt unter IS-Anhängern als Jihadisten-Ikone. Der IS hatte zuvor die Freilassung Al-Rishawis verlangt und erklärt, dass man im Gegenzug das Leben Kasasbehs verschonen würde.

Mit den Hinrichtungen hat die Regierung auf die Forderungen von Demonstranten reagiert, die bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden des Todes Kasasbehs durch die Ammaner Innenstadt gezogen sind. Sie gelten als Bgeinn einer Reihe von Vergeltungsmaßnahmen gegen den IS. Laut Medienberichten könnten den Hingerichteten somit bald noch weitere verurteilte Terroristen folgen, denen Verbindungen zum IS nachgewiesen wurden und die „Jordaniens Interessen angegriffen haben.“ Dabei gab es durchaus Stimmen, die schon die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Terroristen Sajida al-Rishawi und Ziad al-Karbouli als Rache für die Ermordung von Muath Kasasbeh mit dem Argument kritisierten, die Ermordung eines Helden könne man nicht durch die Hinrichtung von zwei gemeinen Kriminellen rächen.

Einige Ungereimtheiten

Am 24. Dezember 2014 war Kasasbehs F-16 Kampfflugzeug im Rahmen der Luftschläge der Internationalen Koalition unter der Führung der USA gegen den IS über dem syrischen Rakka abgestürzt. Seitdem hatte sich der Pilot in der Gefangenschaft des IS befunden. Kurz nach Kasasbehs Gefangennahme hatten die jordanischen Behörden Verhandlungen mit dem IS aufgenommen, um den Piloten zu befreien. Für einen potentiellen Gefangenenaustausch, wie er vom IS in den letzten Wochen in Aussicht gestellt worden war, hatte die Regierung allerdings einen Beweis für die Unversehrtheit des Piloten verlangt. Wie sich jetzt herausstellte, war Kasasbeh zu der Zeit aber vermutlich schon nicht mehr am Leben.

Laut einer Stellungnahme der jordanischen Streitkräfte ist dieser nämlich schon am 3. Januar 2015 getötet worden. Einige Anhaltspunkte lassen den Schluss zu, dass die jordanische Regierung dies schon seit Wochen gewusst haben könnte. Der panarabische Fernsehsender Al Mayadeen soll vom Tod des Piloten schon am 3. Januar berichtet haben. Wenige Tage später, am 8. Januar, informierte die syrische Aktivistengruppe „Raqa is being slaughtered silently“ den Aktivisten und Blogger Abu Ibrahim Al-Raqqawi darüber, dass Kasasbeh verbrannt worden sei. Raqqawi twitterte die Nachricht noch am gleichen Tag unter seinem Pseudonym. Auf diesem Weg soll auch der britische Geheimdienst von Kasasbehs Tod erfahren und kurz darauf seine jordanischen Kollegen darüber informiert haben. Warum die jordanische Regierung sich trotz dieser Informationen noch auf Verhandlungen mit dem IS eingelassen hat, kann nur gemutmaßt werden. Interessant ist vor diesem Hintergrund auch, dass die Regierung bereits einen Tag nach Bekanntwerden der Gefangennahme Kasasbehs alle jordanischen Medien dazu ermahnt hatte, verantwortungsvoll über das Verschwinden des Piloten zu berichten, um sein Leben nicht in Gefahr zu bringen und es außerdem verboten, Quellen zu zitieren, die eindeutig dem IS zuzuordnen sind. Wegen eines Verstoßes gegen die Ermahnung der Behörden wurde die Internet-Nachrichtenplattform Saraya News am 28.1.2014 vom Netz genommen und der Chefredakteur sowie der Eigner der Seite wegen der Verbreitung von Fehlinformationen und der Unterstützung des Terrorismus inhaftiert. Tatsächlich hatte Saraya News über einen angeblichen Austausch des Piloten gegen eine zum Tode verurteilte Terroristin verbreitet, was sich als unwahr erwies.

Möglich ist, dass die Regierung ohne endgültigen Beweis für die Stimmigkeit der vorliegenden Nachrichten nicht Position beziehen wollte. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass sich die Regierung aus strategischen Gründen ganz bewusst auf Verhandlungen über einen möglichen Gefangenenaustausch eingelassen hat. Von Anfang an war die jordanische Bevölkerung voll der Sympathie und des Mitgefühls für den Gefangenen und seine Familie. Die Regierung kann nun von sich behaupten, mit der Aufnahme der Verhandlungen dem Willen des Volkes und vor allem der Familie Kasasbeh entsprochen zu haben. Für ein kalkuliertes Vorgehen spricht vor dem Hintergrund der erwähnten Nachrichtenlage auch das Pochen der jordanischen Behörden auf einen Beweis für das Leben Kasasbehs, dem der IS zwangsläufig gar nicht nachkommen konnte. Dieses beidseitige Spiel auf Zeit hat bei der Bevölkerung Spannung und Ungewissheit erzeugt, Emotionen, auf die die jordanische Regierung wohl durchaus gehofft hat. Denn nach der Veröffentlichung des Videos haben sich die Gefühle der Bevölkerung tatsächlich abrupt in einer Welle von Wut und Hass auf den IS entladen. Sollte es sich bei den Verhandlungen also tatsächlich um Kalkül der Regierung gehandelt haben, so ist ihr Kalkül – zumindest temporär – in vollem Masse aufgegangen: Nie war die Stimmung im Land so sehr gegen den IS gerichtet wie heute.

Welchen Vorteil der IS aus der Verzögerung der Todesmeldung Kasasbehs zieht, kann ebenfalls nur gemutmaßt werden. Sicherlich hat der IS so versucht, Sajida Al-Rishawi ohne eine Gegenleistung freizubekommen. Aus Sicht des Islamischen Staates hat das Pokern um den Gefangenenaustausch massiven Druck auf die jordanische Regierung ausgeübt, immer mehr Konzessionen einzugehen, um das Leben des Piloten zu verschonen. Dies wiederum hätte möglicherweise die Beziehungen zu den USA gefährden können, die für sich beanspruchen, keine Zugeständnisse an Terroristen zu machen.

Jordanien trauert

Nur einige Stunden nach Bekanntwerden von Kasasbehs Tod versammelten sich am Dienstagabend Demonstranten in der Innenstadt von Amman sowie vor dem Königspalastpalast und schworen Rache für Kasasbeh. Gleichzeitig forderten sie die Regierung dazu auf, zum Tode verurteilte IS-Sympathisanten, darunter Sajida al-Rishawi, hinzurichten.

König Abdullah, der selbst auf eine militärische Karriere zurückblickt, brach einen US-Besuch, der erst am Vortag begonnen hatte ab, und kehrte am folgenden Morgen nach Jordanien zurück. Noch aus den USA appellierte er in einer Fernsehansprache an die Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl der Jordanier und versicherte, dass diese Tragödie das jordanische Volk „stärken und seine Einheit bekräftigen werde.“ Die jor-danischen Streitkräfte kündigten umfassende Vergeltung für den Tod ihres Piloten an und starteten die „Operation Märtyrer Muath“.

Auch die Al-Azhar Universität in Kairo, die höchste Instanz in der sunnitischen Rechtsprechung, äußerte sich zur Hinrichtung von Kasasbeh. Der Großmufti der Universität, Scheich Ahmed al-Tajjib, verurteilte die „Barbarei“ der Terroristen und forderte, sie auf gleiche Weise zu bestrafen, durch „Kreuzigung und Zerschlagung der Glieder der Terroristen.“

Politiker in der ganzen Welt verurteilten die Hinrichtung des 26-jährigen Piloten. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte in einem Kondolenz-Telegramm ihre Bestürzung aus: „Es ist unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind.“ Auch der UN-Sicherheitsrat und der amerikanische Präsident Barack Obama verurteilten die Tat scharf.

Die jordanischen Muslimbrüder sprangen auf den Zug der weltweiten Solidaritätsbekundungen auf und verurteilten in einem ersten Statement die Ermordung des Piloten und verwiesen auf das islamische Gefangenenrecht, welches solch grausame Hinrichtungen nicht dulde. In einem späteren Fernsehinterview äußerte sich allerdings Scheich Hamza Mansur, einer der führenden Köpfe der Muslimbrüder, erneut zu der Verbrennung Kasasbehs: Er verurteile zwar den unislamischen Akt der Verbrennung sowie Terrorismus im Allgemeinen – weigerte sich jedoch, den IS eine terroristische Organisation zu nennen.

Eine derartige Äußerung eines führenden Mitglieds einer in Jordanien ohnehin schon bestenfalls geduldeten islamistischen Gruppierung birgt für diese ein großes Risiko. Denn die Zeiten, in denen die Muslimbrüder und das Königshaus gute Beziehungen mit-einander hatten, sind lange vorbei. Ende des vergangenen Jahres waren zwei Mitglieder der Muslimbruderschaft festgenommen worden, weil sie sich auf Demonstrationen und in sozialen Netzwerken in einer Weise geäußert haben sollen, die den Staat unterminiert habe. Die aktuelle Äußerung Mansurs in einer so angespannten Lage könnte die Muslimbruderschaft in Jordanien endgültig in Ungnade fallen lassen – zumal sich die Regierung jetzt in einer reaktiven Position befindet.

Der IS kommt derweil in Erklärungsnot. Selbst denjenigen, die den Islamischen Staat bis jetzt unterstützt, oder zumindest mit ihm sympathisiert hatten, geht das im Islam verbotene Verbrennen eines Menschen zu weit. So schockierend die durch IS-Kämpfer zur Schau gestellten Enthauptungen von Journalisten auch waren, so konnten sie zumindest durch frühislamische Überlieferungen legitimiert werden, in denen von Steinigungen oder Enthauptungen von Verbrechern die Rede ist. Verbrennungen, wie die von Kasasbeh, sind allerdings ausdrücklich durch einen überlieferten Ausspruch des Propheten Mohammad verboten, demnach es niemandem, außer Gott selbst erlaubt sei, mit Feuer zu bestrafen.

So absurd die Diskussion um eine „legitime“ Tötungsmethode in den Augen westlicher Beobachter auch scheinen mag - dem Ansehen des IS im islamistischen Spektrum könnte sie massiven Schaden zufügen, baut doch seine eigens definierte Existenzgrundlage auf der wörtlichen Auslegung des Korans und der Aussprüche des Propheten auf. Umso bizarrer scheint da die Rechtfertigung des IS für die Verbrennung: Der Ausspruch des Propheten sei gar nicht wörtlich zu nehmen, wie es in der vom IS erlassenen Fatwa (Rechtsgutachten) heißt. Laut Medi-enberichten gab es sogar im IS-Herrschaftsgebiet selbst massive Proteste gegen die Verbrennung Kasasbehs.

Mögliche Ausweitung der Offensive

Nach der schockierenden Nachricht vom Tod Kasasbehs stellt sich unweigerlich die Frage nach dem weiteren Vorgehen der jordanischen Regierung gegen den IS.

Noch während seines Aufenthalts in Washington appellierte König Abdullah an die Solidarität seiner Landsleute und an die Einheit aller Jordanier und versicherte, dass das Schicksal Kasasbehs die Tragödie aller Jordanier sei und sein Blut nicht ungesühnt bleiben werde. Unmittelbar nach der Ankunft in Jordanien besuchte der König die Familie des Piloten in dessen Heimatstadt Karak. Die Geste ist sicherlich nicht nur als ein Zeichen der Solidarität mit den Eltern des Opfers zu werten, sondern vor allem als eine Rückversicherung an den Stamm der Bararsheh, einen der einflussreichsten und kronloyalsten Stämme Jordaniens, dem die Familie Kasasbeh angehört, und aus dem die Regierung traditionell Militär- und Sicherheitskräfte rekrutiert.

Die Unterstützung dieses Stammes hat der König auch dringend nötig, möchte er doch an den US-geführten Luftschlägen gegen den IS festhalten. Denn kurz nach der Veröffentlichung des Videos hatte es Demonstrationen in Karak, der Heimatstadt des Piloten, gegeben. Dort hatten u.a. auch Mitglieder der Familie Kasasbeh den Rückzug der Regierung aus der Anti-IS-Koalition gefordert. Sollte der Stamm Bararsheh seine Unterstützung für die Luftschläge aufkündigen, so vermuten Analysten, könnte der König dazu gezwungen sein, aus der Koalition auszutreten. In einem Interview mit al-Arabiyanews hat der Vater des Piloten, Safi al-Kasasbeh, allerdings die Anti-IS-Koalition dazu aufgefordert, „diese kriminelle Organisation zu zerstören.“

Um das weitere Vorgehen zu besprechen, traf sich der König am 4.Februar mit hochrangigen Vertretern der jordanischen Streitkräfte. Dabei versicherte er nochmals, dass die jordanische Antwort ein gnadenloser Krieg gegen diese kriminelle Vereinigung sein werde. Doch wie könnte dieser Krieg konkret aussehen?

Eine Anfang des Jahres bekannt gewordene Strategie der Regierung lässt den Schluss zu, dass die Regierung die Luftangriffe allein für nicht mehr ausreichend hält. Laut Medienberichten zieht die jordanische Regierung nun die Aufrüstung von sunnitischen syrischen und irakischen Stämmen, vor allem in der an Jordanien grenzenden Provinz Anbar, in Erwägung. Anbar befindet sich aktuellen Einschätzungen zufolge bereits zu 80 Prozent in der Hand des IS. Die irakische Regierung versucht daher, die Führer der von dort geflüchteten sunnitischen Stämme zur Rückkehr und zur Teilnahme an der Formierung einer sogenannten „Nationalgarde“ zu überzeugen, die den IS auf dem Boden zurückdrängen könnte. Viele der sunnitischen Stämme im Irak kämpfen bereits gegen den IS – jedoch reicht ihre Bewaffnung nicht für nennenswerte Territorialgewinne aus. Und die von ihnen um Unterstützung gebetenen USA verweigern ihnen Waffenlieferung mit Hinweis auf die Zuständigkeit der irakischen Zentralregierung. Nach 2006 hatten die USA das Vertrauen der sunnitischen Stämme erworben und die sunnitischen Stämme für den schlussendlich erfolgreichen Kampf gegen Al Qaida aufgerüstet. Die Taktik der systematischen Aufrüstung von Seiten Jordaniens würde in zweifacher Hinsicht Sinn machen: Mit einem Anteil von über 20 Millionen Sunniten in Syrien und dem Irak, von denen ein Teil, entweder passiv oder aktiv, mit dem IS kooperiert, stellen diese Stämme ein beachtliches Potential für potentielle Bodentruppen dar. Da die Stämme kein Interesse daran haben, mit der schiitisch geführten Regierung zu kooperieren, nutzt Jordanien so die Möglichkeit, sie im Kampf zu unterstützen und gleichzeitig von einer Allianz mit dem IS - dessen erklärtes Ziel der Sturz der schiitischen Regierung ist – abzuhalten bzw. abzubringen. Ein weiterer Vorteil wäre, dass durch ein solches Vorgehen die jordanischen Grenzen geschützt werden könnten, ohne eine innenpolitisch umstrittene und zudem riskante international koordinierte Bodenoffensive unter jordanischer Beteiligung befürworten zu müssen.

Bisher ist allerdings nicht klar, wie genau die jordanische Regierung diese Strategie umsetzen wird. Zunächst gilt es die Skepsis der sunnitischen Stämme im Irak gegenüber der schiitisch dominierten Regierung zu überwinden und zur Zusammenarbeit mit ihr zu bewegen. Beobachter kritisieren allerdings die jordanische Taktik als zu kurzsichtig und befürchten, dass eine Aufrüstung der syrischen und irakischen Stäm me einmal mehr zu einem Bürgerkrieg und einer Teilung Syriens und des Irak führen könnte.

„Kullna Al-Urdun“ – „Wir alle sind Jordanien“

Welche Schrift haben wir denn, Den Kampfgeist König Abdullahs schienen kurzfristig allerdings nicht alle Mitglieder der Koalition zu teilen. Unklarheit gab es zunächst im Hinblick auf den Verbleib der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in der anti-IS-Koalition. Schon unmittelbar nach der Gefangennahme von Kasasbeh hatten die VAE Angriffe auf syrisches Gebiet aus Sorge um das Leben des Piloten eingestellt. Nach der Veröffentlichung des Videos von der Ermordung Kasasbehs haben die VAE ihre weitere Teilnahme an den Luftschlägen im Rahmen der Ani-IS-Koalition aus Sorge um ihre eigenen Piloten ausgesetzt. Ein Sprecher der Koalitionsführung versicherte allerdings, dass die VAE weiterhin ein wichtiger Partner in der Koalition bleiben werden. Das wurde von den VAE mit dem Hinweis bestätigt, dass sie Jordanien im Kampf gegen den IS militärisch unterstützen würden. Unklar blieb dabei, was das konkret bedeuten solle. Mittlerweile wurde aber klargestellt, dass die Kampfflugzeuge der VAE nun in Jordanien stationiert und von hier aus eingesetzt werden.

Die VAE forderten zudem die USA als führende Kraft der Koalition auf, die Kapazitäten und Infrastruktur für die Suche und Rettung verunglückter Piloten auszuweiten. Dem haben die USA trotz Protesten der irakischen Zentralregierung durch die Aufstockung der Zahl der in Erbil - näher am Einsatzgebiet der anti-IS-Koalition - stationierten Hubschrauber Rechnung getragen. Schon unmittelbar nach der Gefangennahme Kasasbehs hatten sich die USA gemeinsam mit der jordanischen Regierung um eine Lösung des Falls bemüht. So sollen US-Spezialeinheiten am 1.1.2015 zwei gescheiterte Versuche zur Befreiung des Piloten unternommen haben.

Der Rückzug der VAE aus den aktiven Einsätzen der Koalition wäre für die Jordanier zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt gekommen, hätte er doch gezeigt, dass der IS mit seiner Taktik der Einschüchterung teilweise Erfolg gehabt hat. Trotz der nach außen beteuerten Einheit hätte dies als Vorwurf an die USA verstanden werden können, sie seien als Anführer der Koalition nicht in der Lage, für die Sicherheit der Truppen ihrer Koalitionspartner zu sorgen. Gleichzeitig zeigt der Fall aber auch die Abhängigkeit der arabischen Verbündeten von Amerika, das auch den Hauptanteil der Angriffe fliegt. König Abdullah versucht dagegen zu halten, indem er sich die Unterstützung und die Solidarität der westlichen Welt, vor allem aber auch der Nachbarstaaten zu sichern sucht und sein Volk auf sich einschwört. So sicherte etwa der Gesandte des neuen saudischen Königs Salman, Prinz Turki Bin Talal, der gemeinsam mit einer Delegation saudischer Stammesführer mit König Abdullah konferierte und der Familie des ermordeten Piloten einen Kondolenzbesuch abstattete, Jordanien die weitere Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu und verurteilte den abscheulichen Mord als nicht mit dem Islam vereinbar.

Der Appell an die Identität und die Ehre der Bevölkerung als wahre Muslime und Jordanier im Kampf gegen die Terroristen, die aus der Sicht des Königs keine Muslime, sondern eine Beleidigung für den Islam sind, soll die Zweifel der Bevölkerung über den Krieg gegen den IS wettmachen: Laut einer Studie des Center for Strategic Studies der University of Jordan sehen zwar 80% der Jordanier den IS als nationalen Feind an, allerdings spricht sich auch ein nicht unwesentlicher Teil der Bevölkerung gegen eine Einmischung Jordaniens in den Konflikt aus. Vor allem im Süden des Landes in Ma’an, aber nicht nur dort, sondern auch in Salt und Zarqa am nördlichen Stadtrand von Amman gibt es IS-Sympathisanten, die sich im vergangenen Jahr wiederholt in kleineren Pro-IS-Demonstrationen Gehör verschafft haben. Auch Vertreter religiöser Gruppen und einige Abgeordnete haben sich immer gegen einen unmittelbaren Krieg mit dem IS gestellt. In Amman werden daher seit dem 5.Februar die Wände mit Plakaten tapeziert, die die jordanische Flagge und dazu den Slogan „Kullna Al-Urdun“ – „Wir alle sind Jordanien“ zeigen.

Derweil ruft der IS in dem erwähnten Video weiter zur Tötung der „Kreuzfahrer“ auf, wie die jordanischen Piloten der Luftstreitkräfte dort genannt werden. Der IS hat ein Kopfgeld auf jeden einzelnen Piloten ausgesetzt und sogar ihre Namen, Fotos und Wohnorte veröffentlicht. Wenn der IS Jordanien schon nicht militärisch schaden kann, so versucht er doch, das Land von innen heraus zu spalten.

Um dem entgegen zu wirken, unternehmen die jordanischen Behörden einmal mehr den Versuch der Beeinflussung von Sympathisanten radikal-islamischen Gedankenguts in ihrem Sinne. So hat der Chefankläger beim Staatssicherheitsgericht am 5.2.2015 überraschend alle Vorwürfe gegen Essam Barqawi, besser bekannt als Abu Mohammad Maqdisi, einen palästinensisch-jordanischen Vordenker des dschihadistischen Salafismus, fallen lassen. Maqdisi, dem subversives Handeln gegen den Staat zur Last gelegt worden war, war bereits im Juni 2014 überraschend aus dem Gefängnis entlassen worden. Schon damals war vermutet worden, dass die jordanischen Behörden seine kritische Haltung zum IS und seinen Einfluss in dschihadistischen Kreisen nutzen wollten. Aus den vermutlich gleichen Gründen war im September 2014 der Islamist Omar Mohammed Othman, besser bekannt unter dem Namen Abu Qatada al-Filastini, von einem jordanischen Gericht von allen gegen ihn erhobenen Terror-Vorwürfen freigesprochen und freigelassen worden. Abu Qatada war erst 2013 nach achtjährigen Verhandlungen von Großbritannien an Jordanien ausgeliefert und umgehend inhaftiert worden. Man kann sich bei all dem natürlich die Frage stellen, ob der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, zielführend sein kann.

In jedem Fall muss Jordanien einmal mehr den Spagat zwischen innenpolitischen Notwendigkeiten und außenpolitischen Interessen meistern. Dabei will König Abdullah an der Beteiligung an der Anti-IS-Koalition festhalten. Kasasbehs Tod könnte dem König die dazu notwendige Unterstützung aus der Bevölkerung bringen.

Wenn die Regierung es schafft, die aktuelle Stimmung in der Bevölkerung langfristig aufrechtzuerhalten und für sich zu nutzen, könnte König Abdullahs Mantra von einem in Solidarität vereinten jordanischen Volk Wirklichkeit werden. Wenn nicht, könnte der Tod Kasasbehs das Land, das ohnehin schon mit den massiven Auswirkungen der Krisen in den Nachbarländern zu kämpfen hat, destabilisieren.

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