Herr Dane, was sagen die Prognosen derzeit: Wer wird der Konservativen Partei ab Dienstag vorstehen und Großbritannien als neuer Premierminister aus der EU führen?

Alles sieht danach aus, dass Boris Johnson gewinnt. Die Frage ist eher wie groß der Abstand zwischen den beiden Kandidaten sein wird. Die Wettbüros gehen derzeit von einem klaren Sieg Johnsons aus.

Wenn nun der Favorit neuer Parteivorsitzender und Premier wird: Wie geht es dann weiter? Was sind seine Pläne?

Am 23. Juli kennen wir das Ergebnis und ab dem 24. Juli finden dann die Amtsübergabe, Antrittsbesuch bei der Königin, sowie diverse Antrittsbesuche beispielsweise in Berlin, Paris und Washington statt. Nach allem, was man hört, dürfte das alles sehr schnell gehen. Was aber die Pläne von Boris Johnson in Bezug auf den Brexit sind, das kann keiner genau sagen. Boris Johnson steht nur für sich selbst. Auch wenn er den harten Brexit propagiert, ist er der einzige Politiker in Großbritannien, der eine 180-Grad-Wende machen kann und sein Ansehen und seine Anhänger nicht verliert. Man geht aber davon aus, dass er seine Pläne recht schnell präsentieren wird.

Welche Folgen könnte ein Brexit ohne Abkommen für die britische Wirtschaft haben?

Auch Jeremy Hunt hat sich im Laufe des Wahlkampfes immer mehr an die Position von Boris Johnson angelehnt. Die Folgen eines harten Brexits wären für die Wirtschaft enorm, das steht außer Frage. Die Bank of England geht von einer Rezession aus und dass die Wirtschaft um bis zu 8 Prozent schrumpfen könnte, sollte es zu einem harten Brexit kommen. Andere offizielle Quellen gehen davon aus, dass ein harter Brexit die Wirtschaft 90 Milliarden Pfund bis 2030 kosten könnte. Allerdings ist der Brexit derart komplex, dass sich genaue Zahlen nur schwer abschätzen lassen. Nimmt man zum Beispiel den Finanzplatz London: Die City ist der größte Finanzplatz der Welt und dort arbeiten mehr Menschen im Finanzsektor, als Frankfurt Einwohner hat. Rund 25 Prozent der in London gehandelten Finanzdienstleistungen sind mit der EU, die anderen 75 Prozent mit dem Rest der Welt. Man denkt und handelt also global. Die Tatsache, dass Facebook sein Hauptquartier für die Kryptowährung Libra trotz des Brexit in London angesiedelt hat, verdeutlicht das. Die Wirtschaft hat insgesamt bereits sehr unter dem Brexit gelitten. Viele Investitionen werden bis zu einer Entscheidung über den Brexit zurückgehalten. Wenn diese freigesetzt werden, könnten einige der negativen Effekte abgefedert werden. Brexiteers glauben gar, dass sie zu einem Boom in der Wirtschaft führen könnten. Allerdings hat der Brexit auch dramatische Folgen für viele andere Bereiche wie Polizeikooperation, Sicherheitspolitik und anderes mehr. Die Folgen sind dramatisch auf all diesen Gebieten – für beide Seiten!

An der Börse werden die Anleger derzeit nervös. Das Pfund Sterling verliert an Wert. Die Brexit-Unsicherheit ist in der Wirtschaft zu spüren. Wie ist die Stimmung in der breiten Bevölkerung?

Das ist korrekt, aber die Stimmung in der Bevölkerung reflektiert dies nicht. Alle wollen endlich ein Ende und vor allem Klarheit. Allerdings ist die Bevölkerung inzwischen extrem polarisiert, und kaum einer vertritt die Meinung, ein softer Brexit mit einem Deal sei wünschenswert. Es scheint nur noch „Remain“ oder „Leave ohne Deal“ zu geben. Das Verhältnis der beiden Lager ist nach wie vor rund Hälfte/Hälfte, was eine Lösung der politischen Krise so kompliziert macht.

Wie wird sich der Umgang des neuen Premierministers mit der Opposition, der von Jeremy Corbyn angeführten Labour-Party, in Zukunft gestalten?

Das Verhältnis wird sich äußerst schwierig gestalten. Corbyn ist ein Marxist, der bereits angekündigt hat, den Energiesektor und die Bahn zu verstaatlichen, Prüfungen in Schulen abzuschaffen, unilateral nukleare Abrüstung zu betreiben und schwächelnden Firmen durch Subventionen zu helfen, damit britische Arbeitsplätze erhalten bleiben. Deswegen fürchten auch viele Firmen einen Premierminister Corbyn mehr, als einen harten Brexit unter Boris Johnson. Die Positionen können konträrer kaum sein, so dass nicht davon auszugehen ist, dass es zu parteiübergreifender Kooperation in Sachen Brexit kommen könnte. Im Gegenteil: Corbyn hat bereits angekündigt, dass seine Partei recht schnell die Misstrauensfrage gegen den neuen Premier und seine Regierung stellen könnte. Von einem ruhigen Herbst ist in Großbritannien also nicht auszugehen.

​​​​​​​Herr Dane, vielen Dank für das Interview!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

ein Wandel in der Sprach- und Streitkultur ist Realität. Die Tendenz, in Debatten komplexe Vorgänge zu vereinfachen, zuzuspitzen, mitunter gar zu skandalisieren, wird erkennbar größer. Diese Phänomene will die Konrad-Adenauer-Stiftung näher untersuchen und einordnen. Die Ergebnisse veröffentlichen wir und bieten eine Plattform zum Austausch.

 

Der oft fragwürdigen Debattenkultur in Deutschland setzte die „Freie Presse“ aus Chemnitz das Format „Chemnitz diskutiert“ entgegen - und gewann damit den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, Jahrgang 2018.

 

Die nächste Ausgabe dieses Newsletters erhalten Sie Mitte September. Bis dahin wünschen wir allen einen schönen, sonnigen Sommer.

 

Mit besten Grüßen aus der Konrad-Adenauer-Stiftung

Ihre

Elisabeth Enders

Redaktion Newsletter

 

Zum Wandel der Sprach- und Debattenkultur

 

Streit ist ein Kernbestandteil der Demokratie. Doch immer wieder erleben wir sprachliche Entgleisungen. Wie verändern sich die Debatten, wo liegen die Ursachen? Welche Rolle spielen soziale Medien? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die Konrad-Adenauer-Stiftung aus empirischer, sozial- und politikwissenschaftlicher, medienwissenschaftlicher, philosophischer und sprachwissenschaftlicher Perspektive. Alle Ergebnisse veröffentlichen wir online, eine Auswahl präsentieren wir hier.

Jetzt mehr erfahren auf kas.de/debattenkultur

 

Wandel der Sprach- und Debattenkultur. Verbindlichkeit – Artikulation – Meinung

 

Wie funktioniert Meinungsbildung 4.0? Wie lernen wir neu zu streiten? Diese und andere Fragen analysiert die Studie von Christian Bermes, Universität Koblenz-Landau. Er fordert, den eigenen Standpunkt nicht isoliert zu betrachten, sondern ihn im Kontext anderer Standpunkte zu äußern. Meinungen sind keine Dogmen, denn sie können revidiert oder verbessert werden.

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(Un-)Soziale Medien?

 

Mit zwei repräsentativen Umfragen untersuchte die Konrad-Adenauer-Stiftung den Einfluss der Facebook-Nutzung auf die Sprach- und Streitkultur. Die Ergebnisse zeigen: Generell spielen politische Themen auf Facebook eine untergeordnete Rolle, jedoch nutzen die Anhänger der Linken und der AfD Facebook auch für Politik. Wie sind die Befunde zu den Wählerinnen und Wählern der anderen Parteien?

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Das wird man wohl noch sagen dürfen

 

Das Papier analysiert die Facebookseiten von CDU, SPD und AfD im Bundestagswahlkampf 2017 und gibt Antworten auf diese Fragen: Wie sind Reichweite und Wirkung des Mediums im Wahlkampf? Wie nutzen die Parteien das Medium? Gibt es eine demokratische Streitkultur? Und es zeigt, warum auf der Facebookseite der CDU eine Kommunikation mit den Nutzern sinnlos war.

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Aktivitäten in Deutschland

„Freie Presse“ aus Chemnitz gewinnt Deutschen Lokaljournalistenpreis

 

Mit ihrem Dialog-Format „Chemnitz diskutiert“ sowie einem Leserforum mit der Bundeskanzlerin errang die „Freie Presse“ aus Chemnitz Platz 1 des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung. Es sei gelungen, „was in polarisierenden Debatten oft untergeht: auch der verunsicherten, schweigenden Mitte Gehör zu verschaffen“, heißt es in der Jury-Begründung.

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Internationale Aktivitäten

Ein Jahr Fünf-Sterne-Lega-Regierung

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Am 1. Juni 2019 war die erste antisystemische und rechtspopulistische Regierung in der Europäischen Union ein Jahr im Amt. Was wurde erreicht? Wo stehen die politischen Kräfte heute? Und wie geht es auf europäischer Ebene weiter? Lesen Sie hierzu einen Länderbericht unseres Büros in Rom.

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Neuerscheinungen

Jahresbericht 2018

 

Unter dem Leitmotiv „Deutschland. Das nächste Kapitel“ beteiligen wir uns an der Diskussion um die Gestaltung der Zukunft Deutschlands. Die Konrad-Adenauer-Stiftung sucht Antworten auf die Frage, was uns als Gesellschaft zusammenhält und auf dem Weg in die Zukunft antreibt. Dies zeigen auch die vielfältigen Aktivitäten des Jahres 2018, zu denen dieser Bericht einen Überblick bietet.

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CO2-Bepreisungsmodelle im Vergleich

 

Zur Erreichung der deutschen Klimaziele ist eine CO2-Bepreisung in der Diskussion, und zwar in Sektoren, die nicht vom Europäischen Emissionshandel abgedeckt sind. In der aktuellen Debatte wird hauptsächlich zwischen zwei Modellen unterschieden: einer CO2-Steuer und der Ausweitung des Emissionshandels.

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Widerstand und Opposition in zwei deutschen Diktaturen

 

Die Broschüre zeigt das breite Spektrum des Widerstands in den beiden deutschen Diktaturen auf. Den Widerständlern war gemein, dass sie bereit waren, für ihre Überzeugungen große Nachteile zu erdulden. Was bedeuten uns heute Meinung, Haltung und Taten der Menschen, die sich in beiden Diktaturen der Gewaltherrschaft widersetzt haben?

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Radikalisierung: Feindliche Nähe

 

Das Papier zeigt auf, dass sich Islamismus, Rechts- und Linksextremismus in Deutschland in einem wechselseitigen Spannungsverhältnis und teils in einer Eskalationsspirale befinden. Für die demokratische Extremismusbekämpfung gilt es, die Wirkmechanismen und das Gefahrenpotential dieses extremistischen Spannungsdreiecks zu erkennen, zu verstehen und Lösungsstrategien zu entwickeln.

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Niemand möchte die Demokratie abschaffen – Einstellungen zu Demokratie, Sozialstaat und Institutionen

 

Die Demokratie und Grundrechte genießen in Deutschland sehr breite Unterstützung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung anlässlich des 70. Jubiläums des Grundgesetzes. Gleichheit, Chancengerechtigkeit und Freiheit werden als besonders wichtig erachtet, während nivellierende sozialstaatliche Eingriffe nur von einer Minderheit unterstützt werden.

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In eigener Sache

Norbert Lammert als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung bestätigt

 

Die Mitgliederversammlung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat im Juni in Berlin Professor Norbert Lammert einstimmig in seinem Amt als Vorsitzender der Stiftung bestätigt. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages a. D., bekleidet dieses Ehrenamt seit dem 1. Januar 2018. Herta Müller und Ralph Brinkhaus wurden als neue Mitglieder gewählt.

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Konrad-Adenauer-Stiftung trauert um Günter Rinsche

Der ehemalige Vorsitzende verstarb am 3. Juli 2019 in Hamm. Norbert Lammert sprach der Witwe persönlich und im Namen der gesamten Stiftung sein Beileid aus und erinnerte an den bemerkenswerten politischen Lebensweg von Günter Rinsche, der nicht nur als Vorsitzender über viele Jahre hinweg bleibende Spuren in der Stiftung hinterlassen hat.

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Lesenswert

Analysen & Argumente

Ausgabe 360 | 2018

Digitalsteuer - eine Schimäre von Thomas Köster

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​​​​​​​AUSGABE 549 | 2018

Europa und die Gestaltung der Digitalisierung

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Ausgabe 358 | 2018

Algorithmen entscheiden nicht, und sie werden es auch niemals

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Eine erhöhte Aufmerksamkeit für ethische Maßstäbe ist vor allem bei im Netz vermittelten Botschaften geboten. Dabei darf der Mensch nicht instrumentalisiert und herabgewürdigt werden. Durch Fake News hervorgerufene Vertrauensverluste können in den Medien nur langsam durch Transparenz der Quellen aufgebaut werden.

Auch dieses Jahr bot die Hermann Ehlers Stiftung exklusiv für den Freundeskreis vom 3. bis 7. Juli eine Exkursion an. Nach einer Einführung im Stiftungshaus durch Dr. Richard Nägler, verantwortlich für die hervorragende Programmgestaltung und Organisation, fragte Dr. Martin Rackwitz in seinem Vortrag, was wir aus dem Kieler Matrosenaufstand von 1918 als Beispiel demokratischen Aufbegehrens lernen können. Der Historiker und Autor begleitete die Exkursion und schon in seinem Vortrag wurde deutlich, dass der Matrosenaufstand bis heute eine Wirkung hat, die nicht gebührend gewürdigt wird. Nach dem Vortrag konnten sich die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kennenlernen und den Blick vom Balkon auf den Garten der Stiftung genießen.

Am 4. Juli startete Rackwitz den Exkursionstag beim Kieler Landtag. Nach einer Einführung zur Geschichte des Landtages und der Bedeutung Kiels für den Schiffsbau und die Marine ging es mit dem Fördedampfer nach Laboe, wo es eine Führung durch das Marine-Ehrenmal gab. Anschließend konnte man noch durch das U-Boot 995 klettern und die Enge eines U-Bootes des 2. Weltkrieges erleben. Nach einer Stärkung und der Rückfahrt zur Reventloubrücke führte Rackwitz durch die Sonderausstellung „Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918“ im Kieler Schifffahrts-Museum. Der Tag endete mit dem Besuch von Originalschauplätzen des Matrosenaufstands: „Breuste-Denkmal“ für die Kieler Matrosen im Ratsdiener-Garten, der Ort der Schießerei vom 3.11.1918 und Überreste der Marinearrestanstalt – beides in der Feldstraße – sowie die ehemalige Marinestation der Ostsee (Lornsenstraße/Adolfstraße). Zum Nachdenken brachte alle, dass das Finanzamt, das sich heute in der früheren Marinestation befindet, es abgelehnt hat, die kleine Wanderausstellung des Landes Schleswig-Holstein zum Matrosenaufstand 1918 in seinen renovierten Räumlichkeiten dauerhaft aufzustellen.

Der Freundeskreis begab sich dann am 5. Juli auf die Spuren des Deutsch/Dänischen Krieges 1864. Während der Busfahrt erklärte Rackwitz die Ursachen und des Verlauf dieses Krieges. Veranschaulicht wurde dies dann mit der Besichtigung der rekonstruierten Schanze 14 des Danewerks und der „Waldemarsmauer“ sowie des Danevirke-Museums. Auf dem Weg zur Akademie Sankelmark wurden Stopps bei den Denkmälern für die gefallenen Dänen und Österreicher gemacht und das Gefecht von Oeversee am 6.2.1864 erläutert. Während der Mittagspause in der Akademie sprach Direktor Dr. Christian Pletzing über Aufgaben und Ziele des Hauses, das sich der Erwachsenenbildung widmet, und führte durch den Atombunker „Simon“, der sich während des Kalten Krieges für die Schleswig-Holsteinische Landesregierung unter der Akademie befand.

Ohne Kontrolle konnte der Bus die dänische Grenze überqueren, denn die Fahrt ging nun zu den Düppeler Schanzen. Nach einer Filmvorführung im Geschichtszentrum erkundete der Freundeskreis das Freilichtmuseum auf eigene Faust, bis Dr. Martin Rackwitz bei einer Führung durch die Schanzen den Ort und seine Bedeutung erläuterte. Anschließend besichtigte die Gruppe die Kirche von Broacker, die der preußischen Artillerie als Beobachtungsposten/Signalstation zum Beschuss der Düppeler Schanzen diente, und den Friedhof, auf dem sich preußische Gräber befinden. Dabei erzählte Rackwitz die Geschichte des Pioniers Carl Klinke, dessen 30 Pfund schwerer Pulversack an der Palisadenwand explodierte, wodurch die Preußen das dänische Bollwerk erobern konnten. Mit der Rückfahrt nach Kiel, auf der Rackwitz den Frieden von Wien und die politischen Folgen des Deutsch/Dänischen Krieges für Schleswig-Holstein erläuterte, endete dieser Tag.

Der letzte Exkursionstag widmete sich den Lübeckern und ihren Fürstbischöfen in Eutin. Nach einer kurzen Busfahrt und der Besichtigung Eutins, dem „Weimar des Nordens“, stand eine Führung durch das Eutiner Schloss auf dem Programm. Schließlich hieß das Ziel „Lübeck“. Bei einer kurzen Führung durch Stadt und Marienkirche brachte Dr. Martin Rackwitz die Bedeutung der Hansestadt näher, die dann noch bei einer Bootsfahrt auf der Trave von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet werden konnte.

Mit einem gemeinsamen Abendessen in Kronshagen endete der offizielle Teil der Exkursion. Nach dem Frühstück am 7. Juli trennten sich dann die Wege der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Weitere Informationen zur Hermann Ehlers Stiftung.

Im Jahr 2014 jährte sich zum fünfundzwanzigsten Mal die friedliche Revolution in der DDR von 1989, die eine fast 40 jährige Phase der politischen Unterdrückung, Entmündigung und Unfreiheit beendete und ein Jahr später in die Wiedervereinigung Deutschlands mündete. Der politische Umbruch, der in diesen beiden Jahren kulminierte, führte nicht nur zum Untergang der DDR, sondern auch zum Ende des Kalten Krieges, der seit 1945 die Weltpolitik bestimmte.

Wesentlich für die friedliche Revolution in der DDR war, dass sie aus der breiten Masse der Bevölkerung heraus getragen wurde und gewaltfrei ablief. Dass, was im Herbst 1989 geschah, hatte es bis dato in der deutschen Geschichte noch nicht gegeben.

 

So groß die Freude über den Sturz der SED-Diktatur und die Wiedervereinigung in Ost- und Westdeutschland auch war – im Laufe der Jahre verblassten die Erinnerungen an das, was die DDR ausgemacht hat, zunehmend. Vor allem aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Situation in den neuen Ländern sind große Teile der Bevölkerung unzufrieden. Eine Folge dieser Unzufriedenheit ist, dass die DDR von vielen Menschen wieder positiv gesehen wird. Daraus kann zwar nicht abgeleitet werden, dass eine Mehrheit dieses Personenkreises die DDR zurückhaben möchte. „Ostalgie“ bezeichnet vielmehr eine Art Sehnsucht nach einer DDR, wie sie hätte gewesen sein können, wenn sie nicht die DDR gewesen wäre. Allerdings helfen bei der Lösung der aktuellen Probleme in den neuen Ländern „ostalgisch“ verklärte Rückblicke auf ein System, das die Lebenschancen vieler Menschen beeinträchtigt oder gar zerstört hat, nicht weiter. Vielmehr ist eine realistische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und dem Alltag in der DDR erforderlich.

 

Vor allem junge Menschen, die die DDR nicht mehr bewusst erlebten bzw. im wiedervereinigten Deutschland geboren wurden, müssen stärker als bisher über das, was die DDR ausgemacht hat, aufgeklärt werden.

Es griff die Ereignisse nach dem Tod eines 35-jährigen Mannes, der am 26. August 2018 mitten in Chemnitz erstochen worden war, auf und machte mit dem Dialog-Format „Chemnitz diskutiert“ sowie einem großen Leserforum mit der Bundeskanzlerin der Stadt und den Menschen ein Angebot zu einem offenen, kontroversen und respektvollen Austausch.

In der Jurybegründung heißt es dazu: „Der Redaktion gelingt, was in polarisierenden Debatten oft untergeht: auch der verunsicherten, schweigenden Mitte Gehör zu verschaffen. Unter dem Leitgedanken ´Der andere könnte recht haben´ diskutieren Akademiker und Arbeiter, Rentner und Unternehmer, Flüchtlingshelfer und Gegner der Migrationspolitik miteinander über das, was geschehen ist und darüber, wie es weitergehen kann in der Stadt, um die tiefen Gräben zu überwinden. Insbesondere in einer Zeit, da sich immer mehr Menschen von klassischen Medien abwenden, zeigt die Freie Presse in herausragender Weise, was Lokaljournalismus unverzichtbar macht.“ Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Prof. Dr. Norbert Lammert, erklärt dazu: „Nirgends kann der Leser leichter Unabhängigkeit, Aktualität und Qualität einer Redaktion prüfen als bei Lokalzeitungen. Sie sind dafür prädestiniert, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu schaffen. Das gilt in besonderem Maße für die Auseinandersetzung mit dem Thema Integration und den damit verbundenen Herausforderungen für unsere Gesellschaft, die wir alle spüren, in den Gemeinden und Städten, wo der Lokaljournalismus zu Hause ist.“

Zweiter Preisträger ist die Pforzheimer Zeitung für das crossmediale Projekt „50 Jahre Tornado“. Der dritte Preis wurde der Lokalredaktion Rhein-Main-Zeitung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für die investigative Recherche zu Pannen bei der Landtagswahl in Hessen zuerkannt. Den Volontärspreis erhält Katia Henriette Backhaus von der Kreiszeitung Syke für das Projekt „Klimawandel in der Region. Wie sich die Umwelt in Niedersachsen verändert“.

Zum Wettbewerb gab es insgesamt 390 Einsendungen. Von den 341 Einsendungen zum allgemeinen Wettbewerb waren außer den Preisträgern noch folgende Arbeiten in die Endauswahl gelangt: Der neue Tag mit der Amberger Zeitung und der Sulzbach-Rosenberger Zeitung mit der Serie „Tote am Eisernen Vorhang“, das Hamburger Abendblatt mit der Reportage um Heimkinder „Der Kampf um David“, die Neue Osnabrücker Zeitung mit der Serie „Immobilienboom und Wohnungsnot“, der Südkurier mit der Berichterstattung „Die Enttarnung einer Fastnachtsikone“ sowie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung mit ihrem Stadt-Projekt „ProBO“.

Von den 49 Einsendungen zum Volontärswettbewerb erreichten zusätzlich zum Preisträger-Projekt die Endauswahl: die Märkische Allgemeine Zeitung mit der Serie „Jugend in Brandenburg“, die Südwest Presse mit dem Projekt „Heimherz“ und VRM (Mainz) mit der Berichterstattung „Zwei Leben. Bilanz einer Todesnacht“.

Die Preise werden im Herbst 2019 in Chemnitz verliehen. Weitere Informationen unter kas.de/lokaljournalistenpreis.

Der Umbruch war Ausdruck des Freiheitsdrangs der Menschen in Ostmitteleuropa. Zwar hat auch der materielle Erfolg des Westens eine Rolle bei der Erosion der wirtschaftlich rückständigen „Volksdemokratien“ gespielt, doch das Streben nach einem besseren Leben in materieller Hinsicht lässt sich nicht vom Wunsch nach persönlicher und politischer Freiheit trennen.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. stellt die Freiheitsbewegungen in den Ostblockstaaten in den Mittelpunkt ihrer international besetzten Tagung am Vorabend des 9. Oktober 2019. Zeitzeugen und Wissenschaftler diskutieren über die Frage, welchen Beitrag die Freiheitsbewegungen der 1980er Jahre zum Zusammenbruch der kommunistischen Regime geleistet haben, was die Motive und Ziele dieser Bewegungen waren und welche Bedeutung die damaligen Ereignisse für die Europäische Union der Gegenwart haben. Auf einer Abendveranstaltung im Paulinum werden der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der Rumänische Staatspräsident Klaus Johannis (angefragt) zum Thema sprechen.