Der innenpolitische Kontext

Demonstration gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr Uwe Hiksch / flickr / CC BY-NC-SA 2.0
Demonstration gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr

Die Sicherheits- und Entwicklungspolitik wird maßgeblich von innenpolitischen Diskursen beeinflusst. Laut einer repräsentativen Umfrage der Körber-Stiftung aus dem Jahr 2017 wollen nur 43 Prozent der Deutschen, das sich das Land bei internationalen Krisen stärker engagieren soll. Während vier von fünf Deutschen zivile Mittel wie humanitäre Hilfe, diplomatische Verhandlungen und Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft gutheißen, unterstützen nur 13 Prozent Militäreinsätze der Bundeswehr und Waffenlieferungen an verbündete Länder. Sich für „Entwicklung“ einzusetzen, ist also populär in Deutschland, „Sicherheit“ dagegen ein heikles Thema. Die eklatante Unterfinanzierung der Bundeswehr ist logische Folge dieser Präferenzen der Bevölkerung.

Zudem erschwert eine zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft die rationale Debatte vieler außenpolitischer Fragen. Auf der Linken finden sich eine Totalopposition gegen „harte“ sicherheitspolitischen Themen und die Globalisierung, gleichzeitig herrschen Anti-Amerikanismus und Russlandfreundlichkeit. Die populistische Rechte teilt die letzten drei Einstellungen und ergänzt sie durch Fremdenfeindlichkeit und EU-Skepsis. Aber weder Abschottung noch Nationalismus noch Ausstieg aus den etablierten Organisationen können Perspektiven für einen Staat wie Deutschland bieten, dessen Bruttoinlandsprodukt zu 46 Prozent durch Exporte erwirtschaftet wird und der deshalb in höherem Maße als vergleichbare Volkswirtschaften auf die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte sowie weltpolitische Stabilität angewiesen ist.

Das Promotionskolleg will die Stipendiaten für Themen sensibilisieren, die sich aus diesen innenpolitischen Erfordernissen für die Entwicklungs- und Sicherheitspolitik ergeben. Ziel ist es, den Stipendiaten zu verdeutlichen, dass beide Politikbereiche auch in der innenpolitischen Diskussion verknüpft werden müssen. Dazu lädt das Kolleg ein

  • Politiker, die von ihren Erfahrungen berichten, Außenpolitik im Wahlkreis zu thematisieren,
  • Soldaten, die Auslandseinsätze absolviert haben, um von ihren spezifischen Herausforderungen zu sprechen, ihre Tätigkeit in der Öffentlichkeit und im Freundeskreis zu erklären.
Kontakt

Dr. Simon Backovsky

Dr

Referent / Geschäftsführer Promotionskolleg "Sicherheit und Entwicklung"

simon.backovsky@kas.de +49 30 26996-3659 +49 30 26996-3710