#40JahreJONA

Perspektiven auf den Journalismus

1949 schreibt Artikel 5 des Grundgesetzes die Meinungs- und Pressefreiheit fest und macht sie damit zu einem wichtigen Pfeiler einer sich findenden Republik. 70 Jahre später brüllen demonstrierende Bürgerinnen und Bürger "Lügenpresse" auf der Straße. Eine Parole, in der sich Kritik und Verbitterung gegenüber dem Mediensystem zeigt. Vor allem aber eine Parole, die keine Diskussion zulässt. Keinen Raum gibt, für eine Gegenargumentation. Eine Parole, die ein mangelndes Verständnis gegenüber Journalismus, seiner Arbeitsweise und Funktion sichtbar macht. Gleichzeitig steht sie sinnbildlich für die freie Meinungsäußerung. Das Recht, Unmut zu äußern, laut zu werden, Kritik zu verüben.

Allzu häufig wurde anhand dieser Parole dem Journalismus eine Krise attestiert. Ihm ein Unvermögen in der eigenen Kommunikation zugesprochen. Betont, ohne Glaubwürdigkeit und Vertrauen könne Journalismus nicht funktionieren. Gleichzeitig habe der Journalismus darin ausgedient, Informationen zu katalysieren und weiterzugeben. Demokratisch-mediale Öffentlichkeit wird längst von einer Vielzahl an Akteuren gestaltet. Journalismus? Einer von Vielen, wenn überhaupt. So finden durch digitale Tools und Social Media immer mehr Stimmen in die Öffentlichkeit.  Muss sich also Journalismus neu ausrichten um weiterhin bestehen zu können? Was kann und muss die Aufgabe und Arbeitsweise des Journalismus in digitalen Kontexten sein? Damit muss sich ein zukunftsorientierter Journalismus auseinander setzen und neue Möglichkeiten suchen, wie er diese öffentlichen Debatten moderieren kann.

Podiumsdikussion bei 40 Jahre JONA KAS
Das Panel "40 Jahre - Vier Generationen" sprach über eine zukunftsorientierte Ausrichtung des Journalismus.

40 Jahre Journalistische Nachwuchsförderung (JONA) der Konrad-Adenauer-Stiftung gaben den Anlass in Panels, Workshops und Keynotes über zukunftsgerichteten Journalismus zu debattieren, streiten und ihn zu erproben. Denn eigentlich sind es gute Zeiten für Journalisten. Nie war Vernetzung schneller möglich, nie globale Recherchen und Informationsaustausch einfacher. Die Ansätze dazu sind verschieden, die Basis aber gleich: Journalismus, dem er nicht um eine unmittelbare Verwertungslogik geht, ist heute relevanter denn je. In einer komplexer werdenden Welt, die nach einfachen Erklärungen sucht, bedarf es an Analysten von Problemfeldern, kritischen Köpfen, die nicht fragen, sondern hinterfragen, Einordnungen von Ereignissen.

So bedeutet Zukunftsorientierung im Journalismus Pluralismus: in seinen Darstellungsformen, Argumenten und Perspektiven. Journalismus gibt keine eindeutigen Antworten auf komplexe Fragen und Lebensrealitäten, aber Journalismus gibt eine Wahl. Er gibt die Wahl, selbst als mündige Bürgerin oder mündiger Bürger Problembeschreibungen und Analysen anzunehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Er gibt die Wahl, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln, reflektieren oder zu hinterfragen.  

Ausstellung 40 Jahre JONA KAS
Stipendiatinnen und Stipendiaten der Journalistischen Nachwuchsförderung.

Ein zukunftsorientierter Journalismus also unterstützt Bürgerinnen und Bürger darin, eigene Positionen und eine eigene politische Meinung zu entwickeln. Er unterstützt in der Befähigung, politisch zu handeln und aktiv in die Gesellschaft zu wirken. Und damit mündig zu werden. Das ist es, was Journalismus leisten kann und woran sich eine journalistische Ausbildung orientieren muss.

Die Journalistische Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung setzt dabei auf das Versprechen von ordentlich ausgeführtem Handwerk, Transparenz und Sachlichkeit oder kurzum: Journalismus mit Haltung. Seit 40 Jahren.

Rund eine Woche vor dem Jubiläum konnte die JONA im Rahmen einer Auswahltagung 20 neue Stipendiatinnen und Stipendiaten in die Förderung aufnehmen. Der neue Jahrgang wird seine Ausbildung noch diesen November beginnen. Anlässlich des 40. Bestehens überarbeitet das Team der JONA aktuell das Curriculum. Neben der Lehre technischer Entwicklungen, wie beispielsweise dem Einsatz von Sensoren im Journalismus, werden zukünftig Fragen der Ethik und des Presserechts vertiefend behandelt. Elemente wie der TV-Praxiskurs, das Social Media-Seminar oder die Recherche-Kurse bleiben umfassend erhalten – Um eine zukunftsorientierte journalistische Ausbildung zu ermöglichen. Denn das bedeutet journalistische Nachwuchsförderung: Nachfragen und Nachhaken, auch einmal ungemütlich sein und schließlich darauf aufbauend: Vermitteln, Erklären und Weiterforschen.