Stories von der Kaffeebud‘

Es duftet nach frischen Blumen, die Farben der einzelnen Blütenblätter erstrahlen in rot, weiß, gelb, lila. Über den Blumengestecken und einzelnen Blüten, die teilweise in Eimern und auf Tischen stehen, ragt eine Weiße Markise. Die Markise gehört zu einem Verkaufswagen, auf dessen Rückseite in roter, verschnörkelter Schreibschrift „Blumen Heinen“ draufsteht.

Rene lächelt. „Hast du heute frei?“ Eine blonde Frau mit orangener Wollmütze und braunen Overknee-Stiefel antwortet ihm: „Ja, ausnahmsweise. Ich hätte gerne einen Valentinsstrauß“ Die beiden gehen zu den Eimern, in denen rote Rosen und andere liebevoll zusammengesteckte Blumensträuße lagern.

„Einen fertigen?“ Noch immer verweilt das Lächeln auf seinen Lippen. „Ja, das wäre super und bei euch alles gut?“ Die Dame zeigt auf einen Strauß mit roten und weißen Blumen, eingebettet in einem roten Herz. Rene nimmt den Strauß, die beiden gehen zur Kasse. „Alles Bestens“ Eine Leichtigkeit erklingt in jedem seiner Worte.

Rene verkauft Blumen nun schon seit 15 Jahren auf allen möglichen verschiedenen Märkten.

Pausen werden nur kurzfristig gemacht. „zu Essen gibt es dann das was die Kunden uns da lassen“ Auf ein Weiteres findet man ein breites Grinsen auf seinem Gesicht. Hier und da begrüßt immer wieder Leute, die meisten duzt er. Der Blumenverkäufer muss stets in Bewegung bleiben. „Die Kunden sind gut gelaunt und ich hab fliegende Hitze, was will man mehr!“ ruft er, als er schon wieder unterwegs ist, um seine Blumen an den Mann zu bringen.

Einen Stand weiter steht ein Fischgeschäft. Ein älterer Mann möchte gerne ein Matjesbrötchen kaufen: „Ein Matjesbrötchen hätte ich gerne“ Auf seiner rechten Schulter, die von einer Schwarzen Lederjacke umhüllt ist, hängt ein vollgepackter Jutebeutel, in der linken Hand hält er zwei weiße Einkaufstüten, in der rechten eine grüne.

Neben ihm steht eine Frau, dunkelrote Haare und wartet. „Ja, gerne der Herr oder waren sie vorher dran?“ Gisel, die Verkäuferin guckt die Frau fragend an. „Ja, eigentlich schon, aber das macht doch nichts“ Die Wartende blickt völlig entspannt und ist völlig gelassen. „Dankeschön“ freut sich der Mann, und geht nach dem bezahlen weiter. „Ich bin ja nur in diesen Beruf reingerutscht, aber er macht mir sehr viel Spaß“ erzählt Gisel während sie die Fischtheke auffüllt. Sie ist 50 Jahre alt und macht diesen Beruf jetzt seit 18 Jahren. Sie dreht sich zu ihren beiden Kolleginnen, die sich unterhalten und lachen. „Ja, das hab ich ihm auch schon gesagt“ Nun fängt auch sie an zu lachen. Man versteht nicht genau warum, doch irgendwie ist es ansteckend.

Ein anderer Stand, ein anderer Schlag von Menschen. Rudolph, Rolf und Klaus-Dieter stehen um den Tisch eines Kaffeebüdchen. „Ja, und was ist mit den Waffen aus Syrien?“ Rolf gestikuliert wild mit der rechten Hand, in der anderen hält er seinen Kafffeebecher. Sie diskutieren weiter, irgendwann klopft Klaus-Dieter Rudolph auf die Schulter. Die drei treffen sich regelmäßig zum Kaffeetrinken auf dem Markt um „Stories von der Kaffebud“ auszutauschen. Sie haben sich erst auf dem Markt kennengelernt, erzählt Rolf „Das ist ein Polittalk allererster Sahne“ witzelt Klaus-Dieter, als er mit seinem Stäbchen den Kaffee umrührt.

Der Markt von dem die ganze Zeit die Rede ist, findet zweimal die Woche, dienstags und freitags statt und ist DER Innenstadtmarkt in Köln. Er befindet sich direkt neben der 67 Meter hohen Apostelkirche, weshalb er den Namen Apostelnmarkt trägt. Er befindet sich auf historischem Gelände, da links von ihm das erste Gymnasium für Frauen im 19. Jahrhundert erbaut wurde. „Ich hoffe das war nicht zu viel Information“ Marlene, eine Stadtführerin aus Köln steht an ihrem Fahrrad und hält sich an ihrem Lenkrad fest. Sie ist 73 und geht nun schon seit 45 Jahren auf diesen Markt. Für sie gibt es nichts Vergleichbares. Der Markt ist für sie etwas Beständiges und Vertrautes. Sie trägt eine Mütze und einen roten Lippenstift und erklärt ganz offen warum sie lieber auf den Markt geht anstatt in den Supermarkt: „Diese Anonymität im Supermarkt gefällt mir nicht. Ich gehe lieber zum Gemüsestand und frage den Verkäufer, was soll ich essen? Dann bekomme ich immer eine Antwort wie zum Beispiel: das Gemüse aus meinem Garten natürlich. Das Verhältnis ist einfach familiärer“ Marlene guckt auf ihre Uhr als sie plötzlich erschreckt. „Ach, ich hab jetzt einen Arzttermin“ Sie verabschiedet sich und schiebt mit schnellen Schritten ihr Fahrrad aus dem Marktbereich.

„Eins, zwei, drei Körnerbrötchen für die junge Dame“ ruft eine kleine Frau mit lautem Stimmorgan einer älteren Frau zu, als sie ihr die bestellten Brötchen in eine Tüte verpackt.

Der Mann holt sein Portemonnaie aus seinem Einkaufstrolley raus und bezahlt. „Macht et jut“ verabschiedet sich Sonja. In ihrer Stimme hört man deutlich ihre Freundlichkeit heraus. Das liegt an ihrem Dialekt, aber auch an ihrer gesamten Ausstrahlung. Sie, die Frau mit den kurzen schwarzen Haaren, die in alle Richtungen abstehen, nimmt sich für jeden Kunden Zeit um sich, wenn auch nur kurz, mit ihm zu unterhalten. „Ich bin in vielen Städten unterwegs und in jeder sind die Menschen komplett verschieden. In Leverkusen zum Beispiel bin ich nicht so gerne, aber im Kaufland an der Kasse zu stehen, das ist mir auch zu langweilig“ Sie lacht laut und widmet sich schon ihrer nächsten Kundin: „Wie kann ich ihnen weiterhelfen?“

Lisa Villaman Vasquez

Medienwerkstatt