Veranstaltungsberichte

Bestrafen und Vorbeugen- Jugendkriminalität in Berlin

von Juliane Liebers
Weniger Gewalt durch intensive Förderung
Die Jugendkriminalität in Berlin nimmt ab. Sorgen jedoch bereitet eine kleine Gruppe Intensivtäter. Ihr Handeln wird immer aggressiver. Mit mehr Härte, Konsequenz und Strenge will die Bundesregierung dagegen ankämpfen und frühzeitig kriminellen Karrieren vorbeugen.

Als Intensivtäter gelten jene, die als „early starter“ bereits im Kindesalter erste Straftaten begehen und die mit zunehmenden Alter immer häufiger gewalttätig werden, so Oberstaatsanwalt Rudolf Hausmann, Leiter der Intensivtäterabteilung der Berliner Staatsanwaltschaft bei einer Abendveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Gewalt in Berlin“.

Mit 520 bis 550 Personen sei die Anzahl der in Berlin geführten Intensivtäter seit mehreren Jahren relativ konstant, erklärt Hausmann. Das persönliche Umfeld spiele eine entscheidende Rolle in der “Täterkarriere“. Menschen aus zerrüttetem Elternhaus und kriminellem Umfeld würden häufiger zu körperlicher als zu verbaler Auseinandersetzung neigen. Es müsse daher eine möglichst frühzeitige, Identifizierung als Intensivstraftäter stattfinden, gegebenenfalls bereits als Kind.

Durch engen Informationsaustausch mit Schulen und Jugendgerichtshilfen kann dann die Tat als auch die Persönlichkeit des Täters analysiert und das seit Jahren erprobte und seit 2010 in ganz Berlin gültige „Neuköllner Modell“ angewandt werden.

Dieses Modell, benannt nach dem Amtsbezirk der Initiatorin Kirsten Heißig, dient der effektiveren Verfolgung von jugendlichen Straftätern mit vereinfachten Jugendstrafverfahren und kurzfristigen Gerichtsverhandlungen mit anschließender pädagogischer Betreuung.

Strafe müsse auf die Tat folgen, betont auch Dr. Robbin Juhnke, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Nur so könne man pädagogisch mit den Jugendlichen arbeiten.

„Kriminellen Karrieren vorbeugen, ist das oberste Ziel“. Eltern müssten in die Pflicht genommen und gefördert werden, um dem Erziehungsauftrag gerecht werden zu können, so Juhnke. Zudem arbeite die Polizei bereits vorbeugend in Schulen und anderen Jugendeinrichtungen, um die Sozialkompetenz im Alltag zu steigern.

Der Migrationshintergrund sei dabei nicht außer Acht zu lassen, denn die 10,7 Prozent der ausländischen in Berlin ansässigen Jugendlichen, stellen 30 Prozent der Tatverdächtigen dar. Die möglichen Ursachen dafür seien Bildungsmangel und fehlende Sprachkenntnisse bereits innerhalb der Familien, als auch eine sehr starke traditionelle Erziehung. Gesellschaftliche Integration wird dadurch schwierig.

Gerade auch innerfamiliäre Gewalt mit drastischen Strafen, als Mittel der Interessendurchsetzung, verstärken das Gefühl der sozialen Abgeschlagenheit bei Jugendlichen, betont Juhnke.

Man müsse Kinder aus kriminellen Familien nehmen, als auch geschlossene Heime für kriminelle Kinder und Jugendliche schaffen. In Schulen und Freizeitstätten sollen die Kinder Respekt und Gruppengefühl lernen und mit Anti-Gewalttrainings ihnen Grenzen aufgezeigt werden.

Die Jugend, so Juhnke, sei überproportional kriminell. Während über 17 Prozent der unter 21-jährigen die Gesamtbevölkerung ausmachen, sind zugleich 20 Prozent der Täter unter 21. Alterstypische Delikte sind Raubüberfälle, Sachbeschädigung und Diebstahl.

Ansprechpartner

Renate Abt

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Landesbeauftragte für Berlin und Leiterin des Politischen Bildungsforums Berlin

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