Veranstaltungsberichte

Der Zeitgeist im Fluss

Aus Anlass der Stiftungswoche gaben Wissenschaftler Denkanstöße zum Begriff "Zeitgeist"

Die diesjährige Berliner Stiftungswoche stand unter dem Motto „Alles im Fluss – Stiftungen bewahren und gestalten“. Das Bildungsforum Berlin der Konrad-Adenauer-Stiftung nahm dies zum Anlass, den „Zeitgeist“ in den Blick zu nehmen und zu diskutieren.

Zu Beginn des Abends gab Dr. Daniel Dettling vom ZukunftsInstitut in Berlin mit seinem Impulsreferat einen Einblick darin, was der Begriff „Zeitgeist“ bedeutet und welch großer Spielraum der Interpretation sich dahinter verbirgt. „Den einen Zeitgeist gibt es nicht“, sagte Dettling, denn er ziele eher darauf ab, wie und wo der Mensch leben wolle. „Der Zeitgeist ist Ausdruck einer Mentalität und subjektives Empfinden“, erläuterte der Zukunftsforscher.

Seine Idee eines „Zeitgeistes 4.0“sehe so aus, dass es „eine widererstarkende Demokratie mit erfolgreicher Integration“ gebe. Die ursprüngliche Interaktionsachse zwischen „Ich und Wir“ müsse neu organisiert werden und eine Verbindung geschaffen werden. Er verwendete den Begriff einer „Dreidimensionalen Politik“, die im bisherigen Parteienspektrum zu finden sei.

In der anschließenden Diskussion knüpfte Prof. Dr. Armin Nassehi von der Ludwig-Maximilians-Universität in München an das emotionale Empfinden des Menschen in Bezug auf den Zeitgeist an. „Viele sehen nur die soziale Ungerechtigkeit, aber ökonomisch gesehen geht es der Gesellschaft besser denn je“, so der Soziologe. Ebenfalls gehe die Schere zwischen „öffentlicher Meinung und der Praxis“ beim Thema Migrationspolitik weit auseinander: „Manches Dramatische wird undramatisch in der Praxis“. „Wie ich die Verhältnisse selber mitbestimme ist entscheidend“, sagte Nassehi und beeinflusst den Zeitgeist. Aus dem Dialog mit dem Publikum ergab sich die Forderung beider Experten, dass es in der Gesellschaft wieder Orte des Dialogs geben müsse, um auch Menschen verschiedener sozialer und politischer Schichten zusammenzubringen.

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