Veranstaltungsberichte

Direkte Vorbilder habe ich nicht

von Louis Schmid
Die Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltete in Kooperation mit dem Gymnasium Steglitz eine Schullesung mit der Autorin Felicitas Hoppe. Eingeladen waren die Schüler der Literatur AG und die der Leistungskurse Deutsch, da sie sich mit Hoppes jüngstem Roman ‚Hoppe’ im Unterricht beschäftigt hatten.

Um den Schülern einen Einblick in ihr früheres Schaffen zu gewähren, las Hoppe zu Beginn aus einer ihrer älteren Kurzgeschichten.

Danach wurden bereits die ersten Fragen gestellt. Besonders interessierte die Schüler, der für Hoppe typische Stil, welcher dafür bekannt ist, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion immer wieder bewusst verschwimmen zu lassen. Sie interessierten sich für dessen Ursprung, zogen Parallelen zu den Werken Franz Kafkas, und fragten ob er vielleicht eines ihrer Vorbilder sein könnte. Hoppe verneinte dies, sie habe keine direkten Vorbilder, denn was sie schreibe entstehe aus dem Schreiben selbst. Dennoch bewundere sie Kafka sehr. Auch einen bewusst angewandten gesellschaftskritischen Aspekt verneinte sie. Sie würde nicht bewusst gesellschaftskritische Bücher schreiben, denn Bücher seien nur dann gut, wenn die Themen den Autor explizit beschäftigen. Dass dabei durchaus ein gesellschaftskritischer Tonfall entstehen könne, verneinte sie jedoch nicht.

Im Verlauf des Gesprächs verlagerten sich die Fragen weg vom Werk und hin zur Person der Autorin.

Sie betonte der Schriftstellerberuf sei ein sehr einsamer Beruf. Oft säße sie 14 Stunden am Tag vor ihrem Computer und träfe sich, während sie ein Buch schreibt, fast nie mit Freunden. Dies sei möglicher Weise auch der Grund weshalb sie keine Familie habe. Dennoch würde sie Floskeln wie ‚Ich habe mich für die Kunst entschieden’ stets verneinen. Sicher wäre sie mit einer Familie in ihrem Beruf nie so weit gekommen, doch das Alleinsein sei eher etwas, dass das Schriftstellerleben automatisch mit sich bringt. Entschieden habe sie sich dafür allerdings nie.

Den Höhepunkt erreichte die Lesung, als Hoppe eine Geschichte vorstellte, welche sie im Alter von sieben Jahren verfasst hatte. Die Schüler waren von deren Intensität und rhetorischer Gewandtheit sehr beeindruckt. Hoppe erzählte, dass in ihrer Kindheit alle ihre Geschwister Geschichten geschrieben hätten. Dies sei nichts Besonderes gewesen, man hätte sich schließlich irgendwie beschäftigen müssen, und verwunderlich war für sie damals eher ein Kind, welches keine Geschichten erfand.

Zu Abschluss las sie aus ihrem aktuellen – und mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichneten – Roman ‚Hoppe’, eine Traumbiographie ihres eigenen Lebens.

Auf die Frage, wieso es eine fiktive Biographie sei, antwortete Hoppe mit einem Lächeln, dass wir doch alle ein bisschen lügen würden, wenn wir von uns selbst erzählten. Sie habe tatsächlich versucht, eine Biographie zu schreiben, dann aber festgestellt, dass dies ohne Lügen gar nicht möglich sei, und wenn sie schon beginne sich ins recht Licht zu rücken, warum dann nicht gleich eine Traumbiographie schreiben?

Die durch und durch sehr unterhaltsame und gelungene Lesung beendete sie mit einer Erkenntnis, die sie während des Schreibens von ‚Hoppe’ hatte: „Selbst wenn diese Biographie meine Echte wäre, wäre ich nicht glücklicher als ich es heute bin. Und genau das war das schönste Gefühl überhaupt.“

Ansprechpartner

Christian Schleicher

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Abteilungsleiter Politische Bildungsforen und Regionalbüros Nord

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