Veranstaltungsberichte

Geduld, Geduld, Geduld

Der Gesandte Israels zu den aktuellen Krisenherden, mit denen sich sein Land konfrontiert sieht.

Die aktuellen Ereignisse am Persischen Golf, die Auswirkungen des Arabischen Frühlings und selbstverständlich der Friedensprozess mit den Palästinensern: Es mangelte wahrlich nicht an Themen, über die der Gesandte und Geschäftsträger der Botschaft des Staates Israel, Emmanuel Nahshon, anlässlich eines Gesprächabends, zu dem die KAS-Akademie in Berlin gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft eingeladen hatten, seine profunden Einschätzungen hätte geben können.

In Ermangelung an belastbaren Informationen, beließ es aber zumindest Jochen Feilcke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Berlin-Potsdam, bei den „heißen Eisen“ Iran und Syrien mit der allgemeinen Aussage, dass die Zeiten noch niemals „so spannend“ für Israel, aber auch noch nie „so gefährlich“ gewesen seien. Immerhin machte Nahshon klar, dass Israel keinen Handlungsdruck verspüre. Geduld zu haben sei in den meisten Fällen die beste Lösung.

Ausdrücklich betonte Nahshon die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Auch wenn jüngst Außenminister Guido Westerwelle im Gespräch mit Premier Benjamin Netanjahu die ablehnende Haltung Deutschlands zur israelischen Siedlungspolitik deutlich machte, will er diese Kritik nicht überbewerten. Die Freundschaft zwischen beiden Ländern bleibe davon unberührt. Hieraus einen immerwährenden Automatismus herauszulesen, hält Nahshon aber gleichzeitig für fahrlässig. Damit die deutsch-israelische Beziehungen auch in Zukunft über jeden Zweifel erhaben seien, müssten gerade jungen Menschen über das besondere Verhältnis beider Länder informiert werden.

Auf den Arabischen Frühling angesprochen, wies Nahshon darauf hin, dass jeder Vergleich zur Demokratiebewegung in Deutschland 1989 oder der in Osteuropa Anfang der 90er Jahre von vornherein scheitern müsse. Schon mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen oder die hohe Analphabetenquote in Ägypten zum Beispiel werde die unterschiedliche Ausgangssituation in den Maghreb-Staaten deutlich. Zudem gebe es „keinen arabischen Vaclav Havel“. Niemand könne daher zum jetzigen Zeitpunkt eine belastbare Prognose abgeben, ob Frieden und Freiheit obsiegen werden.