Veranstaltungsberichte

Was bleibt nach dem Einsatz

Hilfe für Helfende - Zur Bewältigung und Vorbeugung traumatischer Erkrankungen

„Schön, dass ich die Chance habe, mit dir zu reden!“, so leitet Manuela Kazmiersky, die Leiterin der Sozialbetreuung, Polizei Berlin ihre alltäglichen Sprechstunden mit traumatisierten Kollegen ein. „Denn dieser Mensch ist noch am Leben und das ist das Einzige was zählt.“ Ob privater Schicksalsschlag oder Trauma durch Waffengebrauch im Berufsalltag, der Mensch benötige Vertrauen, Nähe und das Gefühl nicht isoliert zu sein.

Unmittelbar nach einer seelischen Erschütterung müsse der Betroffene begleitet und von seiner Last entbunden werden. Zunächst müssten in Gesprächen Befürchtungen, Ängste sogar Wünsche analysiert aber auch die Arbeitsbedingungen sollten umgehend angepasst und verbessert werden. Nur so werde der Person geholfen, betont die Sozialbetreuerin.

Brigadegeneral und PTBS-Beauftragter der Bundeswehr Klaus von Heimendahl berichtet von einer spezifischen und einsatzvorbereitenden Ausbildung, die jeder Soldat vor einem Auslandseinsatz durchlaufen müsse, um deren Einsatztauglichkeit prüfen zu können. Speziell der Psychische Bereich des Soldaten werde dort auf die Probe gestellt, um Spätfolgen wie eine Posttraumatische Belastungsstörung ( PTBS ) vorzubeugen.

Denn die Erfahrungen auf engstem Raum, weg von der Familie, in einem zerstörtem Land - mit Verwundung, dem Tod und dem Töten müssen konfrontiert zu werden, sei eine große körperliche und vor allem geistige Belastung für die Soldaten, so Heimendahl.

Hier liege die Verantwortung ganz bei der Bundeswehr, bestärkt der General. „Wir schicken die Soldaten in den Einsatz, also müssen wir auch für sie Sorge tragen“. Daher werde vor einem Einsatz bereits selektiert und nach einem Einsatz das Geschehen in Seminaren aufgearbeitet. Auch den Familienangehörigen müsse die Möglichkeit der Aufarbeitung gewährleistet werden, denn auch sie seien belastet. Soldaten müssen aufgefangen, lebenslang betreut und beschäftigt werden, bestrebt Brigadegeneral von Heimendahl. Eine Priorisierung neuer Lebensziele sei also unabdingbar, so die Sozialbetreuerin Kazmiersky.

Dr. Norbert Kröger von der Psychotraumatologischen Praxis für Gewalt und Kriminalitätsopfer, beschreibt drei Typen von Traumatisierten. Ein Drittel seien Selbsterholer ein zweites Drittel seien Risikopersonen und ein Letzteres seien die Wechsler. Die wesentlichen Elemente zur Verarbeitung eines traumatischen Ereignisses seien Geborgenheit, Zuwendung und zahlreiche Gespräche, betont Kröger. Hierbei sei die erste Reaktion des Dienstherren oder des unmittelbaren Vorgesetzten entscheidend für den Schweregrad der Traumatisierung. Daran anschließend seien es Reaktionen des Umfelds und der eigenen Familie, die sich auf den weiteren Verlauf des Schockzustands auswirken.

Typische Symptome seien Schlafstörungen, Albträume sowie Flashbacks. Bei langanhaltenden oder sich gar verstärkenden Symptomen solle der Weg zum Psychotraumatologen gewählt werden, denn eine zielführende Behandlung gestalte sich schwieriger, je mehr sich dieser Zustand im Betroffenen bereits verfestigt habe, berät der Experte für Gewalt- und Kriminalitätsopfer.

Nicht das Trauma an sich sei die Ursache für eine PTBS sondern frühere Erlebnisse spielten eine entscheidende Rolle, erklärt Kröger. Ein Mensch müsse von klein auf normale emotionale Intelligenz erfahren haben, denn dieses sei der Schlüssel zur Selbsterholung. Wobei die drei Referenten der Überzeugung sind, auch die aktuelle Lebensphase des Betroffenen sei ausschlaggebend für die Verarbeitung von Traumata.

Eigentlich, so der Spezialist Kröger, müsse es Posttraumatische Verarbeitungsstörung heißen, denn es verarbeite sich nicht.

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Landesbeauftragte für Berlin und Leiterin des Politischen Bildungsforums Berlin

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