Veranstaltungsberichte

"Das kann nur besser werden!"

von Tim Helms

Klaus Schroeder über die historischen Kenntnisse von Jugendlichen

„20 Prozent der deutschen Schüler vermuten hinter der SED einen Zusammenschluss aus KPD und NSDAP“. Viele Ergebnisse der Studie „Später Sieg der Diktaturen?“ des Forschungsverbunds SED-Staat wirken unfreiwillig komisch, würden sie nicht auf ein großes Problem hinweisen: Die Schüler haben gravierende Defizite im historischen Wissen und können Diktaturen und Demokratien nicht zweifelsfrei voneinander unterscheiden. Prof. Dr. Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbunds, referierte im Rahmen der Reihe „Abendschule der KAS“ im Ökumenischen Gymnasium über Kenntnisse und Urteile deutscher Schüler.

„Kümmerlich ist derzeit nicht nur der Stand des norddeutschen Fußballs, sondern auch das Wissen deutscher Schüler über diktatorische Regimes.“ Mit diesem Vergleich begann Klaus Schroeder den Vortrag über sein Buch „Später Sieg der Diktaturen?“. Für die Folgeuntersuchung einer Studie, die sich mit dem DDR-Wissen von Schülern befasste, hatten er und sein Team alle Landesregierungen um Mithilfe gebeten. Teilgenommen haben nur fünf Länder (Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen). Die anderen(darunter das Land Bremen)haben, wohl aus Angst vor schlechten Ergebnissen, ihre Mitarbeit verweigert. Ernüchternd, genau wie das Fazit der Befragungen.

Jugendlichen fällt es heutzutage offensichtlich schwer, die Trennlinie zwischen diktatorischen und demokratischen Herrschaftssystemen zu ziehen. Von den über 5000 befragten Schülern war mehr als ein Drittel der Meinung, die Regierung der DDR wäre durch demokratische Wahlen legitimiert gewesen. Bei der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung nahmen dies immerhin gut 60 Prozent an. Auf die Frage nach der DDR hatte eine Jugendliche geantwortet

„Ja, es heißt ja schließlich ´Deutsche Demokratische Republik`“. Diese Antwort zeigt exemplarisch, wie es zu solchen Einschätzungen kommt. Die Jugend ist keineswegs dumm oder desinteressiert, die fundamentalen Merkmale der unterschiedlichen Systeme und zeithistorische Zusammenhänge im Allgemeinen kommen im Schulunterricht einfach viel zu kurz, so Schroeder. Zwar wissen Schüler gut über die Verbrechen der Nationalsozialisten Bescheid und verbinden beispielsweise mit dem Ortsnamen Auschwitz die dort verübten Verbrechen, über die Struktur von Hitlers Regime und die Art und Weise seiner Machtergreifung ist ihnen aber kaum etwas bekannt. Als Fazit seiner Studie fasste Schroeder abschließend zusammen: „Wissen - basierend auf einem Wertefundament - ist die beste Basis für eine richtige Einschätzung der Systeme“.

Dieser Feststellung konnten sich auch die Gäste bei der folgenden Diskussion anschließen. Beim Gespräch mit Schroeder kam es zu interessanten Begegnungen und Fragen. An der Debatte darüber, inwieweit ehemalige DDR-Bürger möglicherweise ein verklärtes Bild des dortigen Systems hätten, beteiligte sich auch ein Mann, der von der DDR-Justiz zum Tode verurteilt worden war. Auf eine Frage des gastgebenden Schulleiters Jan-Andrees Dönch, wie der Unterricht umgestaltet werden könne, antwortete Schroeder, dass man im Prinzip in jedem Fach auf das Thema DDR- oder NS-Zeit eingehen könnte, nicht nur im Politik- oder Geschichtsunterricht. „Alles, was es dazu braucht, ist ein bisschen Fantasie“, stellte er fest.

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