Eigenaufnahme

Veranstaltungsberichte

Das Elend veranschaulichen

von Anna Prigge

Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Eingeladen von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Bremen besuchten zwei Klassen des Berufsbildenden Schulzentrums Walle Am Wandrahm und der Albert Einstein Oberschule am 20. November 2018 die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Eine Einführung in die Geschichte des Nationalsozialismus, eine Besichtigung der Ausstellung sowie eine Führung über das Lagergelände boten den Schülerinnen und Schülern einen Eindruck von den Gräueltaten der Nationalsozialisten.

Menschen systematisch und in großer Zahl zu ermorden, dafür diente das Konzentrationslager Neuengamme in den Jahren 1940 bis 1945 in erster Linie. Weshalb 43.000 Menschen und damit fast die Hälfte aller Häftlinge, die in Neuengamme waren, ermordet wurden, erfuhren die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Exkursion. Ein Betreuer der Gedenkstätte, Mani Tilgner, erklärte ihnen, dass die SS Arbeit nutzte, um Häftlinge umzubringen. Viele Arbeiten, die in dem KZ verrichtet werden mussten, hätten beispielsweise auch Maschinen übernehmen können, doch die Absicht der SS war es, dass die Häftlinge durch diese Arbeit ums Leben kommen würden.

Nach der Einführung konnten sich die Teilnehmer im Detail mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen in Neuengamme befassen. Ein Gang durch die Ausstellung bot den Besuchern die Gelegenheit, mehr über den Alltag eines Häftlings zu erfahren, Dokumentationen von den Verbrechen sowie Biographien zu lesen und erhaltende Gegenstände von damals zu betrachten. So konnten die Schülerinnen und Schüler anhand eines Bettes von damals sich vorstellen, wie schlecht die Unterbringung der Häftlinge war. Denn eine Baracke war zum Beispiel im letzten Kriegsjahr mit weit über 2.000 Menschen belegt, um das Elend zu veranschaulichen.

Die Besichtigung des Außengeländes führte die Schülerinnen und Schüler über den Appellplatz und das Krematorium zur Gedenkstelle des ehemaligen Strafhauses, auch Arrestbunker genannt. Hier litten die Häftlinge entweder in Isolationshaft oder aber in Gruppenhaft, so eng eingesperrt, dass es keine Möglichkeit gab, sich hinzusetzten oder gar hinzulegen. Mit Essensentzug und Auspeitschungen mussten die Häftlinge mehrere Tage im Strafhaus verbringen. Allerdings wurde es auch als Vernichtungsort genutzt, zahlreiche Häftlinge wurden dort erschossen oder erhängt.

Im ehemaligen SS-Garagenhof wies Tilgner darauf hin, dass die Verfolgung der Täter nach 1945 nur sehr schlecht gelungen sei. Seit Ende der 1940er Jahre wären nur zehn Täter aus Neuengamme verurteilt worden.

Im Haus des Gedenkens, in dem die Teilnehmer anhand der chronologisch angeordneten Todesbanner „den Kriegsverlauf wiedererkennen“ konnten, endete die Führung. Tilgner verriet den Schülerinnen und Schülern hierbei noch, weshalb es am 03. Mai 1945 die meisten Todesopfer gab. An dem Tag erreichten die Briten Hamburg, doch bevor sie das KZ Neuengamme befreien konnten, schickte die SS die verbliebenden Häftlinge auf drei Schiffen auf die Elbe. Die britische Luftwaffe bombardierte zwei dieser Schiffe, in dem Glauben, dass sich SS-Leute darauf befinden würden. 6.000 Häftlinge kamen dabei ums Leben. Noch am selben Tag kapitulierte die Stadt Hamburg.  „Die Häftlinge hätten nur einen Tag länger leben müssen, um zu überleben“, beschloss Tilgner seine Führung und hinterließ eine sehr nachdenkliche Schülergruppe im Haus des Gedenkens.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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