KAS Bremen

Veranstaltungsberichte

„Die haben denen das Menschsein abgesprochen“

von Anna Prigge

Exkursionen in die Gedenkstätte Bergen-Belsen

Eingeladen von der Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen besuchten zwei Klassen der Wilhelm-Kaisen-Oberschule und der Europaschule Schulzentrum Utbremen am 14. Mai 2019 und zwei Klassen des Nebelthau-Gymnasiums und der Albert-Einstein-Oberschule am 15. Mai 2019 die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Die Schülerinnen und Schüler lernten vor Ort die Geschichte des Lagers kennen, besichtigten das Lagergelände, die Eisenbahnrampe sowie die Dauerausstellung über die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur in Bergen-Belsen.

Zu Beginn der Führungen erläuterten die Betreuer der Gedenkstätte den Schülerinnen und Schülern die verschiedenen Phasen des Lagers. So war auf dem Gelände ab 1935 zunächst ein Truppenübungsplatz errichtet worden, der zur Vorbereitung auf den Krieg dienen sollte. Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs entstand auf dem Gelände zusätzlich ein Kriegsgefangenenlager, in dem vorerst französische und belgische Kriegsgefangene Arbeit verrichten mussten. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion gab es viel zu geringe Kapazitäten sowie knappe Versorgungsmöglichkeiten, die den sowjetischen Kriegsgefangen ein würdevolles Leben verwehrten. „Die haben den Gefangenen das Menschsein abgesprochen“, erklärte ein Betreuer den Schülerinnen und Schülern und veranschaulichte die schreckliche Lebenssituation im Kriegsgefangenenlager anhand von Bildern und Interviews.

1943 wurde das Lager an die SS übergeben, wodurch das Konzentrationslager Bergen-Belsen entstand. Das Lager diente zuerst als Austauschlager, in dem überwiegend wohlhabende jüdische Häftlinge untergebracht waren, die gegen Geld oder im Ausland inhaftierte Deutsche ausgetauscht werden sollten. Die Körper der Häftlinge mussten daher weitestgehend unbeschädigt bleiben, doch psychisch versuchten die KZ-Aufseher die Häftlinge zu brechen.

Der Krieg verlief nicht so, wie sich die Nationalsozialisten das vorgestellt hatten. Die Rote Armee war im Osten auf dem Vormarsch und so wurden viele Häftlinge aus den Lagern in Osteuropa ins zentral gelegene Lager Bergen-Belsen transportiert. Bergen-Belsen wandelte sich damit in ein Auffang- und Sterbelager und der Platz reichte bei weitem nicht mehr aus. Das Massensterben setzte ein. Da das Krematorium nicht mehr für die Vielzahl an Leichen ausreichte, lagen drei Wochen vor der Befreiung 1945 10.000 unbeerdigte Leichen rum. Insgesamt kamen in Bergen-Belsen 52.000 Menschen ums Leben.

Nach der Befreiung durch die Briten wurde das Lager zum Displaced Persons Camp. Viele ehemalige Häftlinge blieben zunächst in Bergen-Belsen, da sie keinen Ort mehr hatten, wohin sie hätten zurückgehen können. Erst 1950 wurde das Displaced Persons Camp aufgelöst und 1952 wurde schließlich eine Gedenkstätte errichtet.

Bei der Führung über das Lagergelände und bei der Besichtigung der Eisenbahnrampe konnten die Schülerinnen und Schülern selbst Fuß auf den Boden setzen, auf dem die Schreckenstaten begangen wurden. Im Güterwaggon an der Eisenbahnrampe stehend, konnten die Teilnehmenden nur ahnen, wie grausam bereits die Transporte für die Häftlinge gewesen sein müssen. Abschließend besuchten die nachdenklichen Schülerinnen und Schüler die Dauerausstellung, die Massengräber und die Gedenksteine für die Opfer von Bergen-Belsen.

 

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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