Eigenaufnahme

Veranstaltungsberichte

Erinnern statt Vergessen

von Anna Prigge

Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Eingeladen von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Bremen besuchten zwei Klassen der Bremer Krankenpflegeschule und der Oberschule an der Egge am 24. Oktober 2018 die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Eine Ausstellung, die die Hintergründe und Merkmale des ehemaligen Lagers thematisierte, sowie eine Führung auf dem Außengelände vermittelten den Schülerinnen und Schülern einen prägenden Einblick in die Zustände in einem Konzentrationslager während der nationalsozialistischen Diktatur.

Ein Besuch der Gedenkstätte Neuengamme gewährt einen Blick in die dunkle Vergangenheit, die die Stadt Hamburg nach 1945 zunächst zu vertuschen versuchte. „Hamburg wollte damit nicht in Verbindung gebracht werden“, berichtete der Besucherbetreuer Jakob Richter. Daher wurde das ehemalige Konzentrationslager 1945 in ein Gefängnis umgewandelt, wodurch „die Spuren des Lagers verdrängt wurden“. Erst 2003 wurde das Gefängnis geschlossen und die Gedenkstätte für das Erinnern eröffnet. Jakob Richter begann seine Führung mit diesem Aspekt, bevor er den Schülerinnen und Schülern zahlreiche Informationen zu dem Leben im KZ Neuengamme vermittelte. Dabei stellte Richter klar, dass das Motto „Vernichtung durch Arbeit“ in Neuengamme rigoros von der SS durchgesetzt wurde. Dies bedeutete für die Häftlinge harte Arbeit, grauenhafte Lebensbedingungen sowie Misshandlung und somit meistens der Tod. Neu für die Schülerinnen und Schüler aus Bremen war zum Beispiel die Information, dass es auch Außenlager des KZs Neuengamme in Bremen gab.

Vertiefte Informationen zur Ankunft und zum Alltag im KZ über die Behandlung der Häftlinge bis zur medizinischen Versorgung konnten sich die Schülerinnen und Schüler selbständig während des Gangs durch die Ausstellung erarbeiten. Die Ausstellung befindet sich in einem Haus, das einst eine Baracke war und von KZ Häftlingen selbst erbaut wurde. Die Besucher hatten auch die Möglichkeit, erhaltende Gegenstände von damals, wie die Sträflingskleidung, zu betrachten sowie Interviewbeiträge von Überlebenden zu schauen. Nach der Besichtigung der Ausstellung wurde das neue Wissen ausgetauscht und Richter beantwortete offen gebliebene Fragen von Seiten der Schülerinnen und Schüler. Einem aufmerksamen Schüler ist vor allem die Geschichte von Walerian Wróbel im Gedächtnis geblieben. Denn dieser polnische Häftling musste zunächst Zwangsarbeit in Bremen-Lesum verrichten, bevor er in Neuengamme inhaftiert und schließlich hingerichtet wurde, im Alter von nur 17 Jahren. In Neuengamme musste Walerian Wróbel bis zu seinem Tod Schwerstarbeit im „Kommando Elbe“ verrichten. Dieses war eine der härtesten Einsatzstellen in Neuengamme. Bei der anschließenden Führung über das Außengelände des Lagers zeigte Richter den Schülerinnen und Schülern schließlich den Flussarm der Elbe, wo das „Kommando Elbe“ unter schwersten Bedingungen arbeiten musste. „Mit solchen Arbeiten haben die ihr Mordprogramm gestaltet“, fügte Richter hinzu. Eine weitere große Einsatzstelle bildete die Ziegelsteinfabrik, in die die Besucher noch heute einen Blick werfen können. Denn in Neuengamme stehen noch einige Gebäude aus der Lagerzeit. Neben diversen Mahnmalen konnten die Besucher auch den ehemaligen SS-Garagenhof betrachten, der noch erhalten ist.

Die Führung endete im Haus des Gedenkens, in dem den Schülerinnen und Schülern das Ausmaß des Grauens noch einmal nahe gebracht wurde. Dort hängen große Banner mit allen Namen der Toten, die der Gedenkstätte bekannt sind. Dieses Haus bildet eine Stätte zum Erinnern und gegen das Vergessen. Somit bekamen die Schülerinnen und Schüler am Ende der Exkursion die Möglichkeit, innezuhalten und den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

ralf.altenhof@kas.de +49 421 163009-0 +49 421 163009-9