KAS-Bremen

Veranstaltungsberichte

Filmabend über Haus Kreienhoop

von Beverley Essuman

Walter Kempowski und sein “freiwilliges Gefängnis“

Am 22. August 2019 lud die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zu einem Filmabend über Haus Kreienhoop, Wohn-und Wirkungsstätte von Walter Kempowski ein. Unter Anwesenheit der Künstlerin Marikke Heinz-Hoek wurde der Film „Sichtachsen" gezeigt. In einem Podiumsgespräch mit der Geschäftsführerin der Kempowski Stiftung Haus Kreienhoop, Dr.Katrin Möller-Funck, sowie dem langjährigen Mitarbeiter Kempowskis, Sprachwissenschaftler, Autor und Privatdozent Dr. Dirk Hempel, wurde über Walter Kempowski und sein Haus Kreienhoop gesprochen



Besondere Aktualität gewann die Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung durch den Tod von Hildegard Kempowski in der vorangegangenen Woche. Ralf Altenhof, Leiter der KAS Bremen, bat die Anwesenden zum Gedenken an die Frau Walter Kempowskis sich zum Stillen Gedenken von den Plätzen zu erheben.

Doch wer war Walter Kempowski überhaupt? Walter Kempowski war einer der bedeutendsten Schriftsteller der Nachkriegszeit in Deutschland. Besonders bekannt geworden ist er durch seinen Roman „Tadellöser & Wolff“ oder „Das Echolot“. Er war ein Mann, welcher 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone zu Unrecht zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde und davon acht Jahre im Zuchthaus in Bautzen absaß. Eine solche Zeit würden die meisten Menschen zu verdrängen versuchen, doch Kempowski wollte sich konsequent daran erinnern. Dafür baute er einen Stein aus der Gefängniszelle in das von ihm in den 1970er Jahren mitkonzipierte Haus Kreienhoop mit ein.

Haus Kreienhoop war für Kempowski ein besonderer Ort. Schon im Zuchthaus schmiedete er Pläne, nach seiner Entlassung sich ein eigenes Haus zu bauen. Als einen „Akt des Überlebens“ bezeichnete Dirk Hempel es. Für Kempowski war es sein „freiwilliges Gefängnis“. In diesem „Gefängnis“ sammelte er Figuren, Tagebücher über Tagebücher, Biografien von allen Größen der deutschen Literatur, aber auch von ganz „normalen“ Menschen. Während die Kamera von Heinz-Hoek Kempowski bei einer Hausführung folgte, merkte der Zuschauer definitiv, dass Haus Kreienhoop eine Eigenkonstruktion von Kempowski ist. Jeder Raum ist anders gestaltet, nichts ähnelt einander. Wie es sein langjähriger Mitarbeiter Hempel gut beschrieb, hatte Kempowski versucht, seine verschiedenen Ideen im Haus miteinander zu verbinden und es stets weiter zu entwickeln.

Besonders ins Auge fiel der Büchergang, welcher die zwei Hausteile von Haus Kreienhoop miteinander verbindet, der Tagebücher-Turm sowie das Archiv, wo fast achttausend Biografien gelagert wurden. Über den gesamten Film ist Marikke Heinz-Hoek dem Schriftsteller gefolgt, dieser hatte ihr Einblicke in sein persönliches Leben gewährt, Bilder von seiner Mutter, Frau, aber auch Gegenstände wie einen Teller und Becher aus seiner Zeit im Zuchthaus gezeigt.

Im Anschluss diskutierten Katrin Möller-Funck, Dirk Hempel sowie Ralf Altenhof mit den Gästen über Walter Kempowskis Werke, wie „Tadellöser & Wolff“ und das „Echolot“. Kempowski fühlte sich häufig nicht genug wertgeschätzt, doch die wirkliche Komik lang darin, dass er gerade für sein „Echolot“ am meisten Lob erhielt, obwohl er kaum eine Zeile selbst geschrieben hat, vermerkte Ralf Altenhof. Walter Kempowski war ein großartiger deutscher Schriftsteller, Tagebuchschreiber, Sammler als auch Pädagoge.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich dazu entschieden, ab 2020 die „Bremer Kempowski-Tage“ zu veranstalten, um das Vermächtnis Walter Kempowskis in Erinnerung zu halten.


 
Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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Gütesiegel Weiterbildung v_3