Veranstaltungsberichte

Flucht. Vertreibung. Neubeginn

von Daniela Backhaus

Filmvorführung „Aber das Leben geht weiter“

Am Dienstag, den 14. Mai 2013 wurde der Dokumentarfilm „Aber das Leben geht weiter“ im Bremer Kino City 46 gezeigt. Die in Bremen geborene Regisseurin Karin Kaper präsentierte auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung ihren ergreifenden Film über Flucht und Vertreibung vor über 130 Zuschauern. Im Anschluss diskutierte nicht nur Kaper mit dem Publikum, sondern auch ihre Mutter Ilse Kaper und ihre Tante Hertha Christ, die als Protagonistinnen in der Dokumentation mitwirken.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Maren Öttjes die Regisseurin, ihre Mutter und Tante, sowie das Publikum im gut besuchten Kinosaal. Nach ein paar Worten zur Thematik und zum Ablauf des Abends startete der Film.

Ilse Kaper und ihre Schwester Hertha Christ unternehmen in Begleitung von Karin Kaper eine Reise in ihre alte Heimat in Polen, wo sie auf Edwarda Zukowska, deren Tochter Maria Wojewoda und die Enkeltochter Gabriela Matniszewska treffen. Im ehemaligen Niederlinde, das heute Platerówka heißt und 25 km von Görlitz entfernt liegt, verbrachten Ilse Kaper und Schwester Hertha Christ ihre Kindheit bis zur endgültigen Vertreibung im Jahre 1946. Die polnische Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Hof der Kapers zugesprochen bekam, wurde aus ihrer einstigen Heimat nach Sibirien vertrieben und erlitt ähnliche Erfahrungen der Flucht. Die Regisseurin nutzt die beiden Familiengeschichten als Anlass für eine Dokumentation der deutsch-polnischen Beziehungen aus eigenen Erfahrungswerten.

Karin Kaper bringt mit dem Film, der seit dem Kinostart 2011 bundesweit bereits in über 200 Kinos gezeigt wurde, ein politisch und historisch sehr belastendes Kapitel deutsch-polnischer Beziehungen auf die Leinwand. Durch die Subjektivität der Darstellung der eigenen Schicksale der Frauen, wird dem Zuschauer ein direkter Einblick in das Leben und die Bedeutung der damaligen und heutigen politischen Umstände geboten. Es wird die Schwierigkeit der Situation auf beiden Seiten hervorgehoben, um ein gegenseitiges Verständnis der polnischen und deutschen Vertriebenen zu entwickeln. Durch die Kopplung beider Familiengeschichten wollte Kaper erstmals beide Seiten der Vertreibung darstellen, um somit die deutsch-polnischen Beziehungen aus einer persönlichen Sicht darzustellen und den Dialog zwischen beiden Völkern zu fördern. „Die Sprache ist meist die größte Hürde“, sagt die Enkeltochter Gabriela von der Familie Zukowska im Film, die als einzige perfekt beide Sprachen beherrscht und für beide Familien übersetzt.

Dem Film folgte eine anregende Diskussion, in der von Seiten des Publikums neben viel Lob auch viele persönliche Fragen an die drei Frauen gerichtet wurden. Die Idee des Films ist bei Karin Kaper durch eine Reise nach Polen aus Interesse an ihrer Familiengeschichte entstanden, bei der sie auf die Enkeltochter Gabriela traf. Hierbei wurde ihr klar, dass die Frage nach der Heimat und Herkunft auf beiden Seiten sehr wichtig ist. Das „Heimatgefühl der Erlebnisgeneration“ wird durch Ilse Kaper, die seit 1946 in Bremen wohnt, deutlich: „Heimat ist da, wo ich geboren bin und das wird auch immer so bleiben. Aber ich habe auch meine zweite Heimat gefunden. Und Bremen ist jetzt meine Heimat.“

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Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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