Veranstaltungsberichte

Radikalisierung im Internet vorbeugen

von Hendrik Pröhl

Schulworkshops in Bremerhaven und Bremen-Nord

Die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen führte am 07. November 2016 an der Werkstattschule Bremerhaven und am 08. November an der Oberschule an der Lerchenstraße in Bremen-Vegesack den Workshop „Extremistische Inhalte im Internet erkennen – Präventions- und Reaktionsmaßnahmen“ durch. Dr. Marwan Abou Taam, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz, und Christoph Bernstiel, PR-Berater und Politikwissenschaftler, sensibilisierten die Schülerinnen und Schüler, um Gefahren im Internet besser zu erkennen.

Zu Beginn der Workshops gab Sarah Bunk, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung, einen Einblick in die Thematik. Sie stellte heraus, dass alle Extremismusformen die Grundsätze demokratisch verfasster Gesellschaften wie bestimmte Menschen- und Grundrechte, die Legitimität des Staates oder die Gewaltenteilung ablehnen. Das Internet bietet Extremisten dabei die Möglichkeit, diese Ideologien einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und so weitere Unterstützung zu gewinnen.

Christoph Bernstiel präsentierte den Schülerinnen und Schülern die Grundzüge des Links- und Rechtsextremismus sowie deren Eigendarstellung im Internet. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz zufolge gehören in Deutschland etwa 26.700 Menschen dem linksextremen Spektrum an, davon gelten 7.700 als gewaltbereit. Sie zielen insbesondere auf „Kapitalisten“ und auf „alles, was Macht ausüben kann und für den Staat steht“ ab, insbesondere die Polizei. Rechtsextreme hingegen sind fremdenfeindlich und verfolgen das Ziel, den Staat in eine Autokratie umzugestalten. Unter den 21.700 Rechtsextremen in Deutschland gelten 11.800 als gewaltbereit. Anhand von Videos zeigte Bernstiel, dass beide Formen des Extremismus ähnliche Methoden verwenden: Sie setzten auf Anonymität, stellten ihre Gruppen und Aktionen geschickt als größer dar, als sie eigentlich seien. Um ihre Standpunkte zu verbreiten, nutzten sie insbesondere auch Gefühle, erzeugten etwa ein Zusammengehörigkeitsgefühl und erschüfen gemeinsame Feindbilder sowie Verschwörungstheorien. In den sozialen Medien versuchten sie ihre Verfassungsfeindlichkeit hingegen zu verbergen, indem sie scheinbar unverfängliche Nachrichten verbreiteten und einfach zugängliche Kanäle nutzten. Hiervon konnten sich die Schülerinnen und Schüler beim eigenständigen Untersuchen und gemeinsamen Auswerten verschiedener extremistischer Internetseiten überzeugen.

Im Anschluss daran befasste sich Dr. Marwan Abou Taam mit dem Islamismus, der auf das Errichten eines durch den Islam bestimmten Staates ausgerichtet ist. Anhänger dieser fundamentalistischen Gesinnung seien der Überzeugung, „dass sie die absolute Wahrheit besitzen“, sich also „auf andere nicht mehr einlassen“ müssten. Dies ermögliche ihnen eine Rückführung komplexer Probleme auf einfache Lösungen, ein Ansatz, den etwa die 40.000 als islamistisch geltenden der rund 4 bis 5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime vertreten. Der Koran gilt Islamisten als „Verfassung“ der Gesellschaft, die Religion wird totalitär interpretiert. Dies widerspreche dem im deutschen Grundgesetz festgelegten Ansatz, dass „Religion Privatsache ist“, sodass der Islamismus den Grundlagen der demokratischen Gesellschaft zuwiderlaufe. Ähnlich wie rechts- und linksextreme Gruppen setzten auch islamistische Vereinigungen auf die Schaffung klarer Feindbilder, ohne jedoch erklären zu können, was sie selbst positiv auszeichne. Das Ansprechen von Emotionen und Gerechtigkeitsgefühlen und das insbesondere noch „formbare“ oder teils Orientierung suchende Jugendliche ansprechende „Heldennarrativ“ seien weitere zentrale Bestandteile islamistischer Werbestrategien. Dazu gehöre auch das bewusste Verschweigen abschreckender Informationen– so seien 90 Prozent der Opfer der in Syrien und dem Irak Getöteten Muslime, die der „Islamische Staat“ zu verteidigen vorgibt. Auch hiervon konnten sich die Schülerinnen und Schüler bei der kritischen Analyse von Videobeispielen islamistischer Prediger und Gruppen überzeugen. Abou Taam appellierte dafür, sensibel zu sein, wo Menschen zum Beispiel aufgrund von bestimmten Eigenschaften entmenschlicht und Gruppen ausgeschlossen werden, da dies klar gegen die Grundwerte der Demokratie verstoße.

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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60 Jahre Politische Bildung KAS