Veranstaltungsberichte

Vom „zahnlosen Tiger“ zur europäischen Bürgervertretung

von Sebastian Tümmel

Eine Zeitreise durch die Geschichte des Europaparlaments

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat den Multimedia-Spezialisten Ingo Espenschied nach Bremerhaven eingeladen. Etwa 400 Schülerinnen und Schüler besuchten am 04. März seinen DokuLive-Vortrag „Das Europäische Parlament – Stimme der Bürger“ im CineMotion Kino.

In der aktuellen Krise in der Ukraine tauchen im Fernsehen immer wieder Abgeordnete des Europäischen Parlaments auf. Aber „sonst bekommt man vom Europäischen Parlament man nicht viel mit“, beginnt Ingo Espenschied seinen Vortrag. Und das obwohl dort etwa 70% der Gesetze, die uns in Deutschland betreffen, allerdings noch nicht die Ukraine, verhandelt werden.

Um den Schülern das Europäische Parlament näher zu bringen und ein „Europa hinter verschlossenen Türen“ zu verhindern, nimmt er sie mit auf eine spannende Zeitreise von den Ursprüngen der Europäischen Idee, über die Kompetenzprobleme, die das Europäische Parlament über Jahre hinweg lähmten, bis hin zum „Ort der politischen Willensbildung der Bürger“, welchen es heute darstelle.

Die Reise beginnt mit einem Besuch in Straßburg, einem der drei Orte an denen das Europaparlament arbeitet. Während auf der Leinwand die „offene“ und „freundliche“ Gestaltung des Parlamentsgebäudes, der Plenarsaal, das „Kraftwerk des Europäischen Parlaments“, und Graphiken zu sehen sind, erklärt Espenschied den Schülerinnen und Schülern die Grundstruktur des Parlaments. Auf humorvolle Art und Weise beschreibt er, wie konstruktiv beispielsweise das System der Mehrsprachigkeit bei 736 Abgeordneten mit 24 Muttersprachen sein kann.

Die zweite Etappe der Reise führt zurück zu den Anfängen der Europäischen Einigung und den ersten Tagen des Parlaments. Anhand von Schwarz-Weiß-Fotos, Karikaturen und Filmaufnahmen erläutert der Politiologe die Entstehungsgeschichte, berichtet von jahrelangen Kompetenzproblemen und geht auf, für die Entwicklung des Parlaments wichtige, Persönlichkeiten ein. Ein besonderes Augenmerk legt er hierbei auf das anfängliche Demokratiedefizit und die Problematik des „zahnlosen Tigers“, welche bis heute eine „Kernfrage“ sei: „Sind Nationalstaaten bereit, Rechte auf europäische Institutionen zu übertragen?“, fragt Espenschied daher auch die Schüler. Nur durch die schrittweise Übertragung sei es gelungen, dass das Parlament Gestaltungsmöglichkeiten besitze und „den großen Regierungen der Welt die Stirn gezeigt“ habe.

Im Brüsseler Gebäude des Parlaments geht die lehrreiche Reise schließlich zu Ende. Espenschied erklärt mithilfe eines Interviews mit der Europaabgeordneten Birgit Collin-Langen und detaillierten Graphiken das komplizierte Gesetzgebungsverfahren der EU. Den Besuch in Brüssel nutzt er zudem für einen Besuch bei Parlamentspräsident Martin Schulz. Die Geschichte habe es gelehrt, „dieses Europa hat Frieden gebracht“, während „nationale Alleingänge“ in Katastrophen wie den beiden Weltkriegen endeten, appelliert der Europa-Politiker. Mit einem ähnlichen Tenor entlässt auch Espenschied die Schüler zurück in die Gegenwart: „Es braucht Europa, um globale Herausforderungen zu meistern.“

Ansprechpartner

Dr. Ralf Altenhof

Dr

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

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