Veranstaltungsberichte

"Du und Deine Demokratie"

von Ulrike Hospes

Jugendpolitiktag im Haus der Geschichte am 8. November 2018

Beim Jugendpolitiktag diskutierten rund 100 Schülerinnen und Schüler auf Einladung des Büros Bundesstadt Bonn der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Hauses der Geschichte am 8. November 2018 über "Du und Deine Demokratie".

Rund 100 Schüler von sechs Schulen aus dem Bonner Raum waren unter dem Motto „Du und Deine Demokratie“ zusammengekommen, um sich einen Tag der Demokratie, ihrer Geschichte uns insbesondere Zukunft zu widmen.

Einen Tag vor dem 9. November weitete der Veranstaltungstag den Blick auf die Höhen und Tiefen der deutschen Demokratie zwischen Ausrufung der Weimarer Republik 1918, dem Hitler-Putsch 1923 und der Reichspogromnacht 1938 bis hin zum Mauerfall 1989.

Die Leiterin des Büros Bundesstadt Bonn der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Ulrike Hospes, rief in ihrer Begrüßung die jungen Menschen dazu auf, die Zukunft ihres Landes selbst in die Hand zu nehmen, sich für ein demokratisches Miteinander und gegen Populismus und Schwarz-Weiß-Denken einzusetzen. Denn: Wer nicht mitbestimmt, über den bestimmen andere!

Der Hausherr, Prof. Dr. Hans Walter Hütter, Präsident des Hauses der Geschichte, legte die Besonderheit des Veranstaltungsortes als modernes Museum der Zeitgeschichte dar. Als außerschulischer Lernort bietet das Haus die Möglichkeit, Geschichte zu erleben, zu verstehen und daraus Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Besonders wichtig ist auch Hütter dabei die Partizipation der Menschen an Demokratie.

Als Schirmherrin der Veranstaltung appellierte Katharina Gebauer MdL an alle Schülerinnen und Schüler, diesen Tag zu nutzen, um neue Perspektiven auf Erinnerungskultur, Politik und Zukunft, gestalten und mitmachen zu erhalten. Sie berichtete über ihren eigenen politischen Werdegang und diskutierte anschließend mit Friederike Sahling von „youngcaritas“ über die vielfältigen Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements. Nicht verschwiegen wurden die Hürden – Zeitnot, schulische Verpflichtungen – und wie man diese von Seiten der Politik und der Anbieter beseitigen kann. Alle waren sich einig: Soziales und politisches Engagement stellt in der Gesellschaft eine zentrale Stütze von Demokratie und Miteinander dar.

Nun sollte Geschichte lebendig werden, und die Schüler erkundeten unter dem Motto „Demokratie & Protest“ die Dauerausstellung im Haus der Geschichte. Mit diesen Eindrücken gefüttert, waren die Schüler startklar für ihre Arbeit zu den Themen Angst, Bundesrat, Frauen und Gegenwärtige Vergangenheit.

Workshop 1 „Angst. Eine deutsche Gefühlslage“

Gemeinsam mit Kuratorin Dr. Judith Kruse und Anna Graf untersuchten die Schüler anhand der Wechselausstellung: „Angst: Eine deutsche Gefühlslage?“ das Angstbewusstsein der Deutschen im Wandel der Zeit, den Einfluss der Medien und politischer Ereignisse. In Kleingruppen erarbeiteten sie eigenständig die Entwicklung des Angstgefühls zu unterschiedlichen Schwerpunkten.

Workshop 2 „Entdecken – Reden – Abstimmen. Jugendliche spielen Bundesrat“

Nach einem Überblick über die Geschichte des Bundesrates und die Arbeitsweise der Bundesregierung schlüpften die Schüler unter Leitung von Regina Sellmer im ehemaligen Plenarsaal des Bundesrates in Bonn in die Rolle von Politikern und erlebten eine Plenarsitzung hautnah. Sie debattierten über die „Legalisierung von Cannabis für den Eigenbedarf“ und lehnten den Gesetzesentwurf ab.

Workshop 3 „Frauen. Macht. Politik!“ 100 Jahre Frauenwahlrecht, 60 Jahre Gleichberechtigungsgesetz – Wo stehen wir heute? Von Meilensteinen, Stolperfallen und gläsernen Decken

Einen generationenübergreifenden Blick lieferten Christa Thoben, Staatsministerin a.D., und Luisa Meisel, freie Journalistin. Persönliche Eindrücke und Erfahrungen ebneten den Einstieg; Meilensteine und Stolperfallen, Weiterentwicklungen und Schubladendenken wurden diskutiert und in der Ausstellung an markanten Punkten gespiegelt. Erstaunte Blicke, als klar wurde, dass trotz des im Grundgesetz verankerten Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ bis 1969 die Nichterfüllung der ehelichen Pflichten der Frau ein Scheidungsgrund war, dass es im Deutschen Bundestag eine strenge Kleiderordnung (keine Hosen für Frauen!) gab und dass die Einführung der Pille ein echter Meilenstein für die Selbstbestimmtheit war. Wichtig war letztendlich die Erkenntnis, dass die Gesellschaft einem stetigen Wandel unterliegt und das Thema Gleichberechtigung immer wieder neu auftaucht. Der Appell von Christa Thoben: „Bleibt aufmerksam!“

Workshop 4 „Gegenwärtige Vergangenheit“

Pierre Klapp, Mitarbeiter des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, und Peter Benninghoff erarbeiteten mit den Schülern die Bedeutung der Erinnerungskultur in verschiedenen Abschnitten der bundesdeutschen Geschichte: Wie wurde zu der Epoche mit der Schuldfrage des Nationalsozialismus umgegangen? Gab es zu dieser Zeit rechtsextremistische Bewegungen innerhalb der Gesellschaft? Wie ist die Gesellschaft mit den Geschehnissen des Nationalsozialismus in der Epoche umgegangen?

Die Schüler kamen zu dem Ergebnis, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus niemals aufhören darf. Es ist von höchster Relevanz sich damit auseinanderzusetzen, damit die demokratischen Werte bestehen bleiben, es einen Zusammenhalt in der Europäischen Union geben kann und sich nicht extremistische Verhaltensweisen oder Gedanken in unserer Gesellschaft etablieren.

Zum krönenden Abschluss wurden die Workshopergebnisse allen Schülern in der großen Halle des Hauses der Geschichte vorgestellt. Die Schlussworte sprechen für sich:

„Wir sind heute hier, um zu zeigen, dass unsere Demokratie lebt und nicht vergessen wird.“

„Demokratie ist anstrengend und manchmal bürokratisch, aber es ist die einzige Form, die den Kompromiss und Zusammenleben ermöglicht.“

Wir sagen: Danke fürs Mitmachen!