Diskussion

Ende des „nuklearen Zeitalters“?

Energiepolitik auf dem Weg in eine Zivilisation der Nachhaltigkeit

Am 21. Oktober 2011 organisierte die KAS | Shanghai gemeinsam mit dem Goethe Institut, eine Podiumsdiskussion zum Atomausstieg in Deutschland und zur zukünftigen Energiepolitik in der Bundesrepublik und China.

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Im Rahmen der Podiumsdiskussion erläuterte Prof. Dr. Zhang Zitai, Professor am Institut für Rechtswissenschaften der Fudan Universität, die Pläne Chinas zum Ausbau der Atomenergie während des 12. Fünf-Jahresprogramms 2011-2015. Bis 2015 soll in der Volksrepublik mit dem Bau von 40 weiteren Kernreaktoren begonnen werden. Laut Zhang, kann China – als aufstrebende Wirtschaftsmacht und bevölkerungsreichstes Land der Erde - noch nicht ausschließlich auf erneuerbare Energiequellen setzen. Da Deutschland im Bereich alternativer Energiequellen führend ist, erhofft er sich für die Zukunft eine noch stärkere Kooperation zwischen beiden Ländern.

Die Atomkatastrophe in Fukushima hat laut Sun Yang, Redakteurin der Zeitschrift „Eco-nomy“, auch in China eine Welle von Bestürzung und Angst ausgelöst. Nichtsdestotrotz verfolgt die Volksrepublik weiterhin seine atompolitischen Ausbauziele und es existiert ein breiter Konsens auch in der Bevölkerung, dass Atomenergie für eine sichere Energieversorgung des Landes eine wichtige Rolle spielt.

Als Reaktion auf das Atomunglück in Japan zog Deutschland die Konsequenz, bis 2022 aus der nationalen Kernkraftnutzung auszusteigen. Dies stellt Deutschland, dessen Stromversorgung bislang noch zu einem Drittel von Atomkraftwerken abhängt, vor gewaltige Herausforderungen. Johannes Grünhage, Senior Experte des German Energy Center & College Shanghai erläuterte, dass diese Herausforderung zwar immens, aber durchaus zu bewältigen sei. Deutschland verfügt über die notwendige Technik sowie über die finanziellen Möglichkeiten, um eine Energiewende herbeizuführen. Zudem nimmt in Deutschland aufgrund von Steigerungen bei der Energieeffizienz der Verbrauch von Energie stetig ab, so dass ein abnehmender Bedarf durch erneuerbare Energiequellen ersetzt werden muss. Wenn Deutschland der Umstieg auf erneuerbare Energie gelingt – bis 2050 ist ein Anteil von 80% geplant -, kann das Land weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen und andere Staaten werden sich am deutschen Beispiel orientieren.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Medien in China eine zentrale Rolle bei der Information über Umwelt- und Klimapolitik spielen. Sie steigern das Wissen über alternative Energien und fördern deren Akzeptanz in der Bevölkerung. Zudem können Sie dazu beitragen, dass sich ein Bewusstsein des Einzelnen für die Notwendigkeit von Energieeinsparung entwickelt. Hier besteht ein großes Potential für China.

Es wurde aber auch deutlich, dass mittelfristig nicht mit einer Kehrtwende in der Nuklearpolitik in China zu rechnen ist. Aufgrund des weiterhin steigenden Energiekonsums werden alle Arten von Energiequellen gefördert. Priorität in der zukünftigen Energiepolitik wird der Verringerung des Schadstoffausstoßes bei der Energiegewinnung haben. Die Gefahren der Atomenergie, die in China weithin als saubere Energiequelle betrachtet wird, spielen deshalb wohl auch in der zukünftigen chinesischen Energiepolitik nur eine untergeordnete Rolle.

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Veranstaltungsort

Goethe Institut, Shanghai

Referenten

Dr. Peter Hefele
Prof. Dr. Zhang Zitai
Sun Yang
Johannes Grünhage