Kongress

Globalisierung im 21. Jahrhundert

Lösungsansätze im Globalisierungsprozess

In Kooperation mit dem Shanghai Institut für Außenhandel (SIFT) organisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) am 27. November 2009 zum neunten Mal in Folge das KAS-SIFT WTO Forum in Shanghai.

Details

Die Konferenz fokussierte in diesem Jahr wirtschaftspolitische Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Globalisierung.

Das Forum richtete sich an chinesische und deutsche Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft und stimulierte einen pluralistischen Austausch über Konsequenzen der zunehmenden internationalen Verflechtung. Über 100 Personen folgten der Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung, darunter hochrangige Persönlichkeiten aus der chinesischen und deutschen Wissenschaft.

Prof. Dr. Eberhard Sandschneider, Otto-Wolff-Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, regte mit seiner Analyse der politischen Komponenten des wirtschaftlichen Aufschwungs China – in Augen der chinesischen Experten eine provokante These, da Politik und Wirtschaft im nationalen Diskurs bislang strikt getrennt werden – heftige Debatten an. Dr. Albrecht von der Heyden, Deutscher Generalkonsul in Shanghai, eröffnete die Konferenz.

Ablauf des Forums

Thomas Awe, Leiter des KAS Büros / Shanghai, stimmte mit einer Zusammenfassung über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas in den letzten Jahren und deren – positive wie negative – Konsequenzen, auf die Thematik Globalisierung ein.

Im Anschluss an die Hauptredner, Prof. Wang Xinkui und Prof. Sandschneider, gliederte sich die Veranstaltung in drei Themenabschnitte: Im ersten Teil wurde die Erholung der Weltwirtschaft und die industrielle Restrukturierung nach der Finanzkrise diskutiert, Schwerpunkte des zweiten Parts war der Handelsprotektionismus. Die Redner des dritten Abschnitts thematisierten die Beziehungen zwischen China und der EU und die sich verschiebenden globalen Interessen.

Hauptredner:

Mit seinen Ausführungen über die chinesische Ökonomie im Kontext der Globalisierung eröffnete Prof. Wang Xinkui die Vortragsreihe. Er betonte die Rolle der WTO für den Globalisierungsprozess und appellierte für einen offenen Dialog zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern.

Prof. Sandschneider stellte in seinem Beitrag die politischen Konsequenzen erfolgreicher wirtschaftlicher Entwicklung dar. Der Vortragende diskutierte die „falsche“ westliche Perzeption Chinas und analysierte die Gründe, die dieser verzerrten Wahrnehmung zugrunde liegen. Westliche Beobachter würden oft das wichtigste Element der chinesischen Politik – Stabilität – verkennen. Im sino-europäischen Verhältnis gäbe es mehrere Herausforderungen zu überwinden: Chinesische Politiker müssten lernen, mit der Kritik des Westens umzugehen und die Unterschiedlichkeit europäischer und chinesischer Wertesysteme zu akzeptieren; der „Minderwertigkeitskomplex“ Pekings gegenüber der westlichen Welt sei unbegründet. Im Westen herrsche große Unsicherheit über den ökonomischen Aufschwung Chinas und die sich damit verändernden Gleichgewichte in der Weltpolitik.

Er erarbeitete eine offenere und transparentere politische Kommunikation als wichtigsten Faktor für erfolgreiche wirtschaftliche Kooperation, besonders in Zeiten der Globalisierung.

1. Abschnitt: Erholung der Weltwirtschaft und industrielle Restrukturierung:

Unter der Moderation von Prof. Ye Xingguo, Vizepräsident des SIFT, konzipierte Prof. Yao Shumei, Direktorin des Instituts für Internationale Wirtschaftsforschung und Mitglied der Kommission für Nationale Entwicklung und Reform, den Zusammenhang zwischen Handelsprotektionismus und der globalen Finanzkrise.

Prof. Zhang Youwen, Direktor des Instituts für Weltwirtschaft der Shanghai Akademie für Sozialwissenschaften, thematisierte das Weltwirtschaftswachstum nach der Krise. Die Dominanz des amerikanischen Wirtschaftsmodells (USA als Auslöser der weltweiten Finanzkrise!) sei in Zukunft zu hinterfragen.

2. Abschnitt: Handelsprotektionismus:

Am Nachmittag wurde das WTO Forum unter der Moderation von Kurt Fasser, Senior Berater der deutschen Außenhandelskammer Shanghai, fortgeführt.

Prof. Gao Yaosong sondierte die Entwicklungen der Weltwirtschaft in der Ära nach der Krise. Die Intensivierung des multinationalen Wettbewerbs und die Förderung chinesischer Innovationskraft könne den chinesischen Außenhandel stimulieren.

Prof Zhu Zhongdi, Forschungsinstitut für Internationale Wirtschaft des Shanghai Institut für Außenhandel, analysierte Handelsprotektionismus und die Relation zwischen Arbeit und Einkommen mit Hilfe mathematischer Formelkomplexe.

3. Abschnitt: China - EU Beziehungen und globale Interessen:

Den dritten Part moderierte Prof. Jiang Changjian, Institut für Internationale Beziehungen und öffentliche Angelegenheiten der Fudan Universität. Prof. Jiang – in China eine hochrangige Persönlichkeit und angesehener Kommentator und Moderator internationalen Standards - nahm selbst begeistert an den Diskussionen der Vortragsreihe teil.

Prof. Gu Su, Institut für Philosophie und Recht, Universität Nanjing, erarbeitete das Thema „Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftsethik aus einer globalen Perspektive“.

Die Finanzkrise demonstriere die Schwächen des amerikanischen Wirtschaftsmodells und bestätige Chinas Befürwortung eines kontrollierten Marktes. Gleichzeitig verlange die weitere positive Wirtschaftsentwicklung in China nach Presse- und Meinungsfreiheit.

Großen Zuspruch fand Prof. Gu Sun u.a. durch den Moderator Prof. Jiang Changjian; er sprach sich – gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise – gegen das Zurückziehen des Staates und für eine Aufwertung der Wirtschaftsethik aus.

Dr. Yang Yuli, Weltwirtschaftsinstitut der Shanghaier Akademie für Sozialwissenschaften, sondierte die neuen Herausforderungen der Globalisierung. Er argumentierte, wirtschaftliche und politische Globalisierung gingen zwangsläufig miteinander einher; in China sei bisher nur die ökonomische vollzogen worden. Der Vortragende äußerte sich sehr kritisch gegenüber den Globalisierungstendenzen und stellte zur Diskussion, ob Globalisierung für China nicht eigentlich mehr Nachteile als Vorteile brachte.

Zhang Yongan, Shanghai Institut für Außenhandel, erfasste die Beziehungen zwischen der EU und China. Der Experte analysierte die Entwicklung einer multipolaren Welt. Das europäische System einer vereinten Union, die harmonische Wirtschaftskooperation pflegt ohne Uniformität aufzuzwingen, bezeichnete er als positiv; die Volksrepublik könne viel von diesem Modell lernen.

Abschlussbemerkung:

Beendet wurde das diesjährige WTO Forum mit einer spontanen Abschlussbemerkung von Prof. Sandschneider. Er gab dem Publikum und den Referenten drei Gedanken mit auf den Weg:

  • Die Volksrepublik China befände sich heute in einer starken Position nicht trotz sondern aufgrund des Globalisierungsprozesses. Der Experte betonte die Notwendigkeit Kritik im internationalen Dialog akzeptieren zu lernen; unterschiedliche Ansichten seien keine Gefahr, sondern im Gegenteil eine Chance.
  • Die aktuellen Herausforderungen der chinesischen Zentralregierung wären die Stabilisierung der Gesellschaft, die Wahrung der nationalen Sicherheit sowie eine verantwortungsvolle Regierungsführung.
  • Der Westen müsse mehr Engagement im internationalen Dialog zeigen; gegenseitiges Misstrauen könne durch intensivere Diskussion ausgeräumt werden.

Fazit:

Die KAS stellte ein Forum für sino-chinesischen Austausch her, dessen Themenstellung zu weiterführender Analyse inspirierte. Die an diesem Tag gewonnen Einblicke in das brandaktuelle Feld der Globalisierungsherausforderungen werden in den innerchinesischen und internationalen wissenschaftlichen Diskurs Eingang finden.

Die westlichen Experten waren positiv überrascht von der offenen Diskussionskultur und Thematisierung von sogenannten chinesischen „Tabuthemen“ wie Menschenrechte und Demokratie.

Im nächsten Jahr wird das 10. SIFT Forum aufgrund zahlreicher Jubiläen (10 Jahre KAS in Shanghai, 10 Jahre WTO Forum) planmäßig auf den 11.12.2010 gelegt – ein historisches Datum (WTO Beitrittsdatum Chinas 11.12.2001).

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Veranstaltungsort

Shanghai

Referenten

Prof. Dr. Eberhard Sandschneider
Otto-Wolff-Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
Kontakt

Thomas Awe

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