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Reportajes internacionales

Robert Mugabe ist tot

de David Mbae

Sein Leben und politisches Vermächtnis

Der langjährige Präsident Simbabwes verstarb im Alter von 95 Jahren in Singapur, wo er sich seit einigen Monaten zur medizinischen Behandlung aufgehalten hatte. Er hinterlässt eine verarmte Bevölkerung in einem am Boden liegenden Land.

Frühe Jahre und politischer Aufstieg

Geboren wurde Mugabe im Jahr 1924 im damals zum britischen Kolonialreich gehörenden Süd-Rhodesien. Er wurde an Missionsschulen ausgebildet und studierte an der Universität von Fort Hare in Südafrika. Als Lehrer unterrichtete er in Sambia und Ghana und wurde in dieser Zeit von der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung beeinflusst. Zu Beginn der 1960er Jahre setzte sich Mugabe in seiner Heimat für die Unabhängigkeit seines Landes und der Beteiligung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit an der politischen Willensbildung ein. Diese Aktivitäten führten im Jahr 1964 zu seiner Inhaftierung, welche 10 Jahre andauerte. Während seiner Haftzeit bildete er sich intensiv weiter und erlangte zwei Studienabschlüsse.

Befreiungskampf und Unabhängigkeit

Als er 1974 aus der Haft entlassen wurde floh er nach Mosambik. Dort wählten ihn die Kämpfer der Zimbabwe African National Union  zu ihrem Anführer. Bereits in dieser Zeit zeigten sich seine Kaltblütigkeit und sein unbedingter Wille zur Macht, indem potentielle Konkurrenten unter mysteriösen Umständen den Tod fanden. Nach einem zermürbenden Krieg, den die verschiedenen Befreiungsbewegungen gegen das rhodesische Regime unter Ian Smith führten, kam es im Jahr 1980 unter der Vermittlung Großbritanniens zum Lancaster House Abkommen, welches die Unabhängigkeit des nun als Simbabwe bekannten Landes regelte. Thatcher entließ Simbabwe unter der Maßgabe in die Unabhängigkeit, dass Simbabwe eine verfasste Demokratie werden würde. Mugabe betrat in diesem Kontext erstmalig die internationale Bühne. Aus den ersten freien Wahlen ging Mugabe, für manche überraschend, als Sieger hervor und trat am 18.04.1980 das Amt des Premierministers an.

Innenpolitische Auseinandersetzungen und das Trauma der Nation

Die Herrschaft Mugabes war in dieser Zeit jedoch noch nicht unangefochten. Joshua Nkomo, ehemaliger Anführer der Zimbabwe Patriotic Revolutionary Army (ZIPRA), welcher die zweitgrößte ethnische Volksgruppe der Ndebele vertrat, wurde im Vorfeld der Wahlen als der aussichtsreichste Kandidat für das Amt des Premierministers betrachtet und genoss in weiten Teilen der Bevölkerung hohen Respekt.

Um dieser frühen Gefahr für seine Herrschaft zu begegnen, setzte Mugabe ab 1982 die in Nordkorea ausgebildete „5. Brigade“ gegen diejenigen Guerillas ein, welche loyal zu Nkomo standen. Im Zuge der Operation “Gukurahundi” kamen Schätzungen zufolge 20.000 Zivilisten im mehrheitlich von Ndebele bewohnten Matabeleland um. Dies hat sich als ein nationales Trauma in die Seele Simbabwes gebrannt und die fehlende Aufarbeitung stellt noch heute einen gewichtigen Faktor dar, der eine nationale Versöhnung erschwert. Der Umstand, dass der heutige Präsident Emmerson Mnangagwa zu dieser Zeit als Minister für Staatssicherheit amtierte und viele heutige Minister und höchste Beamte bereits damals Mitglieder der Sicherheitskräfte waren, erschwert eine Aufarbeitung der Geschehnisse zusätzlich.

Im Jahr 1987 wurde Nkomo in den so genannten “Unity Accord” gezwungen, welcher Mugabe unter Änderung der Verfassung zum Präsidenten mit weitgehenden exekutiven Vollmachten beförderte und Nkomo als einen seiner zwei Stellvertreter politisch marginalisierte.

Der Beginn des Niedergangs

In den frühen 1990er Jahren profitierte Mugabe noch von der funktionierenden Landwirtschaft, welche zu dieser Zeit noch gänzlich von den weißen Großfarmern betrieben wurde und dem Land seinen Ruf als stabile “Kornkammer” Afrikas einbrachte. Rohstoffexporte, Tourismus und daraus resultierende Steuereinnahmen sicherten das zunehmend auf Vetternwirtschaft und Selbstbereicherung basierende System. Die Misswirtschaft, welche jedoch hiermit Einzug hielt, konnte langfristig nicht verschleiert werden. Ende der 1990er Jahre hatte sich die wirtschaftliche Situation weiter Teile der Bevölkerung derart verschlechtert, dass sich aus der Gewerkschaftsbewegung eine erste ernstzunehmende Oppositionspartei, das Movement for Democratic Change (MDC) entwickelte.

Mugabes politisches Erbe – Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlage und der Verlust internationaler Anerkennung

Bei dem Versuch, im Rahmen eines Referendums eine erneute Ausweitung seiner exekutiven Vollmachten zu erreichen, erlitt Mugabe im Jahr 2000 seine erste politische Niederlage. Die Veteranen des Befreiungskampfes, eine innerhalb der ZANU-PF Partei besonders einflussreiche Gruppierung, forderten nun die Umverteilung des Farmlandes, welche stets ein langfristiges Ziel der simbabwischen Unabhängigkeitsbewegung gewesen war. Unterstützt von Mugabes Regime wurden nun Farmen gewaltsam enteignet, geplündert und die Farmer sowie die einfachen Landarbeiter vertrieben. Diese Bilder gingen um die Welt und prägen das negative Image des Landes bis heute. Zusätzlich läutete Mugabe mit dieser politischen Maßnahme, welche letztlich auf die Furcht zurückzuführen war, innerhalb der eigenen Partei seine Macht zu verlieren, den endgültigen wirtschaftlichen Zusammenbruch und die Verelendung weiter Teile der Bevölkerung ein. Als Antwort auf die Enteignungen wurde Simbabwe von den USA und der Europäischen Union mit Sanktionen belegt. Simbabwe wurde vom Commonwealth aufgrund von Menschenrechtsverletzungen und wirtschaftlichem Missmanagement suspendiert. Dies besiegelte endgültig die Feindschaft Mugabes mit dem Westen.

Wahlmanipulation und der endgültige wirtschaftliche Kollaps

Die Wahlen der Jahre 2002 und 2005 gewann Mugabe. Beide Urnengänge waren geprägt von Einschüchterung und Manipulation und galten weder als frei noch als fair. Die wirtschaftliche Lage spitzte sich unterdessen weiter zu. Eine im Jahr 2008 grassierende Hyperinflation erreichte 500 Milliarden Prozent, sodass Millionen von Simbabwern das Land verließen. Allein in Südafrika leben heute über 3 Millionen Simbabwer. Der Verlust des Humankapitals, welchen diese Phase auslöste, stellt heute ein zentrales Entwicklungshemmnis dar, da vor allem gut ausgebildete das Land verließen, um anderswo ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die umstrittenen Wahlen des Jahres 2008, welche erneut durch Gewalt seitens Mugabes ZANU-PF gekennzeichnet waren, endeten in einer - von der internationalen Gemeinschaft vermittelten – Machtteilung, in der Mugabe weiterhin Präsident blieb und den Führer der MDC, Morgan Tsvangirai als Premierminister akzeptieren musste.

Die letzten Jahre seiner Herrschaft

Die Zeit von 2013 bis zu seiner Absetzung durch das Militär im Jahr 2017 waren geprägt von internen Machtkämpfen innerhalb seiner Partei, welche unter anderem durch die Ambitionen seiner im Volk unbeliebten Ehefrau Grace ausgelöst wurden, welche sich anschickte, ihm als Präsidentin im Amt zu folgen. Die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich weiter und die politischen Ränkespiele verhinderten einen Aufschwung und isolierten das Land weiter.

Absetzung und letzte Jahre

Nachdem der Oberbefehlshaber der simbabwischen Streitkräfte am 14.11.2017 ein Einschreiten des Militärs zur Beendigung des parteiinternen Machtkampfes um die Nachfolge Mugabes angedroht hatte, besetzten Truppen die Gerichtsgebäude, das Parlament, mehrere Ministerien, den staatlichen Rundfunksender ZBC sowie die wichtigsten Zufahrtsstraßen in Harare und verkündeten am Mittwoch, den 15.11.2017 die vorübergehende Übernahme der Kontrolle in der Hauptstadt. Der Amtssitz sowie die private Residenz Mugabes wurden unter die Kontrolle des Militärs gebracht und der Präsident unter Hausarrest gestellt. Der durch den Willen des Volkes nachträglich legitimierte Putsch stellte das vorläufige Ende des innerparteilichen Machtkampfes dar und ebnete den Weg Emmerson Mnangagwas zur Präsidentschaft.

Seine letzten zwei Lebensjahre verbrachte Mugabe zurückgezogen in seiner privaten Residenz - verbittert vom Verrat seiner ehemaligen Gefolgsleute und angesichts seines hohen Alters von Krankheit gezeichnet.

Einen letzten großen Auftritt hatte er, als er im Vorfeld der Wahlen 2018 eine Pressekonferenz gab, in der er sich für die Wahl des Oppositionskandidaten der MDC aussprach. Dies war jedoch nicht mehr als eine Randerscheinung und spielte für den späteren Wahlausgang und Sieg seines langjährigen Weggefährten Mnangagwa keine Rolle mehr.

Was bleibt von Robert Mugabe?

Robert Mugabe wird in die Geschichte eingehen als Befreier und Hoffnungsträger, welcher sich wie viele afrikanische Machthaber von Macht und Reichtum korrumpieren ließ, zunehmend entrückt von der Lebenswirklichkeit seiner Bevölkerung Hof hielt. Letztlich zeichnete er verantwortlich, für den beispiellosen Verfall eines Staatswesens, welches das Potential besaß und noch heute besitzt, eine nachhaltige Entwicklung unter Einbeziehung aller Ethnien zu erreichen und dabei als ein Beispiel für eine ganze Region zu fungieren.
 


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David Mbae

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Leiter des Auslandsbüros Simbabwe

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