Mythos: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“

In ihrem Selbstverständnis war die DDR erster deutscher „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“. Am 5.5.1953 charakterisierte Walter Ulbricht die „antifaschistisch-demokratische Ordnung“ der DDR erstmals als „Diktatur des Proletariats“. Somit hatten die Arbeiter offiziell die Macht in der DDR. Aber in der Realität waren die angeblich herrschenden Arbeiter von allen wichtigen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Es herrschte die Parteibürokratie. Nach einer Umfrage in einem DDR-Kombinat fühlten sich 1989 82 Prozent der Befragten auf Betriebsebene „kaum vertreten“, im Hinblick auf die Politik des Landes sogar 90 Prozent. Am 17. Juni 1953 erhoben sich die Arbeiter mit einem Generalstreik gegen eine Erhöhung der Arbeitsnormen durch das SED-Regime. Dieser anfängliche Arbeiterprotest wirkte als Auslöser für einen Volksaufstand. So waren an den Demonstrationen gegen die SED-Herrschaft auch andere soziale Gruppen und Schichten mit konkreten politischen Forderungen beteiligt. In dieser Situation ließ sich die Macht der SED nur durch massiven Einsatz sowjetische Panzer erhalten: Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.